Beratungsprotokoll Sinn oder Unsinn?

Brigitte Watermann
von Brigitte Watermann
27.01.2015
Auf einen Blick

Auch fünf Jahre nach Beginn der Protokollpflicht bei Wertpapierberatungen bleiben die Schriftstücke umstritten. Verbraucher sind dennoch gut beraten, die Papiere gut zu prüfen – und aufzuheben.

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Schrift

Auch wenn ein Kunde zum wiederholten Male mit dem Berater spricht und der ihn gut kennt: Sein Bankberater muss ihm nach einer Beratung zu Wertpapieren ein von ihm unterschriebenes Protokoll aushändigen; berät er ihn dagegen zu Festgeldern oder Bausparern, greift die Pflicht nicht.

Die Kritik an den Protokollen ist so alt wie die Protokolle selbst. Die Banken beklagen sich darüber, dass auch Kunden, die oft zur Beratung kommen, gerne auch mal auf den Schriftkram verzichten möchten. Außerdem habe das Protokoll den Beratungsprozess deutlich verlängert, wenn auch verlässlicher und nachvollziehbarer gemacht, räumen sie ein. So manche kleinere Bank oder Sparkasse habe sich inzwischen aus der Wertpapierberatung zurückgezogen, auch das sei eine Folge der Protokollpflicht, heißt es. Einig sind sich Bankenvertreter und Verbraucherschützer in ihrer Kritik vor allem in einem Punkt: Es sei nicht einzusehen, dass bei Wertpapierberatungen immer ein Protokoll anzufertigen sei, bei Beratungen etwa zu kapitalansparenden Versicherungen dagegen nicht. Verbraucherschützer monieren dagegen, dass sich am Anreiz der Banken nichts geändert habe, bei der Beratung Produkten mit hohen Provisionen den Vorzug zu geben und lieber einmal mehr als weniger dazu raten, Depots umzuschichten. Abhilfe könnte nur der Systemwechsel zur reinen Honorarberatung schaffen, meinen sie. Zudem befürchten Verbraucherschützer, dass die Protokolle eher der rechtlichen Absicherung der Bankseite dienen könnten.

Diese Befürchtung teilt Matthias Schröder von LSS Rechtsanwälte in Frankfurt zwar auch, aber er kennt auch Gegenbeispiele: In Protokollen über Beratungen zu offenen Immobilienfonds sei bis 2011 zum Beispiel oft die Formulierung drin gestanden, die Produkte seien "jederzeit liquidierbar" – was sich als großer Irrtum herausstellte. "Solche Fälle mussten wir gar nicht erst zu Gericht tragen, die wurden alle außergerichtlich entschädigt“, erzählt Schröder.

"Große Defizite" bei der Beratungsdokumentation stellte auch Bundesjustizminister Heiko Maas noch im Sommer 2014 fest. Immerhin fand die Finanzaufsicht Bafin im Herbst 2014 versöhnliche Worte: Die Qualität der Protokolle habe "deutlich zugenommen", konstatierte aber auch, das noch in gut fünf Prozent der Fälle Fehler enthalten gewesen seien.

Die EU könnte demnächst Bewegung in die festgefahrene Lage zu den Beratungsprotokollen bringen. Wohl ab 2017 werden die Banken zu so genannten "Suitability Reports" verpflichtet – und darlegen müssen, dass das einem Kunden empfohlene Produkt für ihn auch "geeignet" ist. Wie das genau auszusehen hat, ist derzeit in der Debatte. Sehr wahrscheinlich, dass das deutsche Beratungsprotokoll dann abermals auf den Prüfstand kommt.

Zum Hintergrund: Das Beratungsprotokoll in der Wertpapierberatung muss seit 2010 per gesetzlicher Vorschrift Informationen über Anlass und Dauer der Beratung, die persönliche Situation des Kunden, seine Anlagewünsche und -ziele sowie die Empfehlungen des Beraters umfassen. Der Berater muss das Papier nach dem Gespräch unterzeichnen und dem Kunden unverzüglich in die Hand drücken. Der Kunde dagegen steht nicht in der Pflicht zu unterschrieben. Verbraucherschützer und Anlegeranwälte raten auch dringend davon ab, um keine ungünstige Beweislage zu schaffen. Auch bei einer telefonischen Anlageberatung greift die Protokollpflicht, hier gelten allerdings besondere Spielregeln.

Unser Tipp

Sechs Tipps fürs Beratungsgespräch

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Anleger sind daher gut beraten, sich schon vor dem Gespräch intensiv Gedanken zu machen.

1) Was erhoffen Sie sich von Ihrer Geldanlage?

Ein Produkt, das gleichzeitig hoch rentabel, zu 100 Prozent sicher und jederzeit liquide ist, gibt es in der Wirklichkeit leider nicht, auch wenn manche dubiosen Berater so tun, als ob. Wer eine renditeträchtige Anlage möchte, muss in Kauf nehmen, dass er dabei auch Geld verlieren kann. Viele machen sich das aber nicht klar.

2) Welche Risiken sind Sie bereit zu tragen?

Wissenschaftliche Studien etwa der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich belegen, dass Anleger dann risikobereiter sind, wenn es an den Märkten eine Weile gut gegangen ist. Im Crash dagegen ist man sehr risikoscheu. Mit anderen Worten: Anleger müssen ihre Einstellung zum Risiko auf die Spur kommen und dabei auch persönliche Widersprüche aufdecken. Denn mehr Rendite kann man nur erzielen, wenn man auch bereit ist, mehr Risiko zu tragen.

3) Was sind Ihre persönlichen Anlageziele?

Dabei gilt es, die eigenen finanziellen Verhältnisse ebenso zu beleuchten wie die eigene Lebenssituation. Wenn etwa eine Familie das Geld für einen Immobilienkauf in den nächsten zwei Jahren ansparen möchte, darf sie nicht so riskant anlegen wie ein gutverdienender Single, der jeden Monat 500 Euro übrig hat und vorerst keine großen Anschaffungen plant.

4) Wie viel Anlageerfahrung haben Sie?

Jemand, der bislang sehr sicherheitsorientiert in Bundeswertpapiere investiert hat oder lediglich Geld auf einem Tagesgeldkonto gespart hat, tut sich womöglich schwer damit, eine riskante Anlage einzugehen, die auch mal im Minus notiert. Wenn man sich aber darüber klar wird, dass riskantere Anlageformen es zumeist erforderlich machen, dass man die Geldanlage auch mal in schwächeren Marktphasen durchhält, dann lässt man sich weniger verunsichern.

5) Müssen Sie noch Schulden tilgen?

Fakt ist: Schuldentilgung ist oft die allerbeste Geldanlage, da die Tilgung nämlich hohe Renditen ermöglicht – in Höhe des effektiven Kreditzinses, den man sich dann ja einspart. Lassen sich die Schulden nicht zurückzahlen, da vielleicht bei der Immobilienfinanzierung keine Sondertilgungsoption vereinbart wurde, sollte das Geld immer so angelegt werden, dass es zum nächstmöglichen Tilgungstermin auch verfügbar ist und für diesen Zweck genutzt werden kann.

6) Wie hoch sind die Kosten der Geldanlage?

Was ist zum Beispiel an Abschlussgebühren, an laufenden Kosten, an Ausgabeaufschlägen oder sonstigen Provisionen fällig? Die Kosten der Geldanlage ermöglichen es dem Kunden, die Empfehlungen des Beraters genau zu hinterfragen. Außerdem gilt: Nur wer die Kosten kennt, kann auch ein Wettbewerbsangebot einholen. Denn im guten Einkauf steckt schon ein Teil des Gewinns.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
58,33
1,00%
2.
57,57
0,75%
3.
49,22
1,10%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 9 Monate
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Für meine Leser bin ich stets auf der Suche nach neuen Angebots- und Konditionen-Trends bei Direkt- und Filialbanken. Denn mein Ziel ist es, dass Anleger wohl durchdachte Entscheidungen treffen können, welchen Anbietern sie ihr Vertrauen schenken. Außerdem schreibe ich seit vielen Jahren zu den Themen Vermögensaufbau und Altersvorsorge, aber auch Anlegerschutzrecht und Steuern. Private Geldanleger und ihre Bedürfnisse stehen dabei für mich immer im Fokus.  

In München und Washington, D.C., habe ich Diplom-Journalistik und Diplom-Volkswirtschaftslehre studiert, außerdem meine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert. Nach meinem Berufseinstieg als Redakteurin beim Anlegermagazin Börse Online arbeitete ich von 1998 bis 2000 als Investor Relations Managerin bei der HypoVereinsbank. 2000 kehrte ich als Ressortleiterin zu Börse Online zurück und verantwortete dort bis 2009 die Bereiche “Geld und Vorsorge” sowie die Portrait- und Interviewstrecke “Börsianer und Anleger”. In dieser Zeit habe ich mehrere renommierte Journalistenpreise gewonnen.  

Seit 2009 schreibe ich für biallo.de, aber auch für Capital, Euro am Sonntag, Euro und weiterhin für Börse Online sowie für andere bekannte überregionale Wirtschaftsmedien. Gemeinsam mit früheren Börse Online-Kollegen betreibe ich den börsentäglichen Blog finanzjournalisten.blogspot.com. Daneben bin ich als Referentin für Wirtschaftsjournalismus an der Deutschen Journalistenschule München sowie als Moderatorin von Podiumsdiskussionen tätig.

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