Deutschland im Goldrausch

Edelmetalle Deutschland im Goldrausch

Thomas Brummer
von Thomas Brummer
16.11.2016
Auf einen Blick

Schwarz, Rot und vor allem Gold ziert die deutsche Flagge. Das Edelmetall glänzt in etlichen deutschen Haushalten. Deutschland ist Goldkauf-Weltmeister. Warum?

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Zum Thema Gold gibt es wirklich erstaunliche Zahlen. Wussten Sie etwa, dass die bis zum heutigen Tag weltweit geförderte Goldmenge lediglich einem Würfel mit einer Kantenlänge von 21 Metern entsprechen würde? Bereits etliche Mehrparteienhäuser sind größer. Erstaunlich ist aber auch, welch hoher Anteil auf Deutschland entfällt. 12,4 Prozent aller Goldmünzen und –barren sind in deutschen Händen, immerhin 4,5 Prozent des gesamten Goldschmucks haben deutsche Eigentümer.

Weltweit halten Deutsche damit nach Zahlen einer aktuellen Studie der Reisebank in Zusammenarbeit mit der Steinbeis-Hochschule 6,4 Prozent des globalen Goldbestands. Um auf unseren Würfel zurückzukommen: Die Kantenlänge würde hierzulande bei 8,50 Meter liegen und 8.700 Tonnen auf die sprichwörtliche Goldwaage bringen. Jeder Deutsche über 18 Jahren besitzt laut Reisebank-Untersuchung im Schnitt 58 Gramm Goldschmuck, 69 Gramm Gold in Form von Barren oder Münzen. Weitere 636 Euro je Bundesbürger werden statistisch goldbezogenen Wertpapieren zugeordnet.

Der Goldhunger lässt nicht nach

Zahlen haben immer erst in Relation Aussagekraft. Doch allein das vergangene Jahr 2015 spricht Bände. Deutsche haben in diesen zwölf Monaten Gold im Volumen von 116 Tonnen gekauft. Das nur etwas kleinere Frankreich hatte sich mit 1,6 Tonnen begnügt, die Briten kauften 8,6 Tonnen des Edelmetalls. Selbst die viermal so große USA erwarb mit 71,5 Tonnen deutlich weniger als die Deutschen.

Warum lieben die Deutschen Gold?

„Unsere Kunden kaufen gerne Gold, weil sie eine Anlageform zum Werterhalt suchen und eher nicht spekulativ in Sachwerte investieren. Sie fahren dabei einen konservativen Ansatz und streuen ihr Vermögen bewusst“, erklärt Christof Wilms, Chefhändler der Reisebank, das Phänomen. Verhaltensforscher gehen aber noch einen Schritt weiter: Der Goldhunger ist keine neue Erscheinung, sondern historisch gewachsen.

Die Theorie: Die vielen Krisen des 20. Jahrhunderts sind nicht vergessen, sondern im kollektiven Gedächtnis tief verwurzelt. Die heutige Generation kennt die schlechten Zeiten zwar nicht selbst, aber die Erzählungen der Eltern oder Großeltern sind doch noch sehr präsent. Besonders einschneidend waren die Erfahrungen mit der Hyperinflation 1923. Auf planet-wissen.de finden sich hierzu Beispiele, die den Verfall des Papiergeldes klarmachen. Demnach kostete ein Liter Milch am 9. Juni 1923 stolze 1.440 Reichsmark, am 2. Dezember 1923 mussten Verbraucher bereits 360 Milliarden Reichsmark auf den Ladentisch legen.

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Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate

Gold hat auch Nachteile

Gerade in unsicheren Zeiten werden die Rufe nach Gold lauter. Das wurde jüngst wieder nach dem Wahlsieg von Donald Trump deutlich: „Wie auch bei der unerwarteten Brexit-Entscheidung stieg das gelbe Metall zunächst an, während Aktien und der US-Dollar fielen“, sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank.

Doch Gold ist aus mehreren Gründen kritisch zu sehen. Wer in physisches Gold investiert, pumpt damit kein Geld in die reale Wirtschaft. Diese wiederum könnte das Geld für Investition brauchen und damit nach Möglichkeit Arbeitsplätze schaffen. Außerdem wirft Gold aus Anlegersicht keine regelmäßigen Erträge ab. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur vermieteten Immobilie oder einer dividendenstarken Aktie. Daneben fallen noch Kosten für die sichere Verwahrung in einem Schließfach an. Doch gerade Haushalte, die nur ein oder zwei kleinere Münzen oder Barren haben, werden ihre Schätze zuhause lagern. Doch da können sie gestohlen oder schlichtweg verloren gehen.

Tipp: Wenn Sie Teile Ihres Vermögens mit Gold absichern möchten, spricht hier nichts dagegen. Setzen Sie hierzu allerdings nicht einen allzu großen Anteil an. Auch eine Immobilie mit einer günstigen Baufinanzierung sollte ein Thema sein. Gut verzinstes Tagesgeld (Tagesgeld Vergleich) zum Zwischenparken sollte genauso zum Vermögensmix zählen wie solides Festgeld mit entsprechender Einlagensicherung.

Grafik zum Goldbesitz der Deutschen:

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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