Einlagensicherung So ist Ihr Kapital geschützt

Einlagensicherung So ist Ihr Kapital geschützt

Max Geißler
von Max Geißler
15.07.2016
Auf einen Blick

Die Einlagensicherung schützt Ihr Geld, wenn eine Bank in Schieflage gerät. Das gilt auch für Tagesgeld und Festgeld bei ausländischen Banken. Alle wichtigen Fakten im Überblick:

Artikelbewertung
Schrift

Die Finanzkrise im Jahr 2008 brachte viele Banken rings um den Globus ins Wanken, einige gingen sogar Pleite, zum Beispiel der amerikanische Finanzriese Lehman Brothers. Weil deutsche und europäische Bankkunden um Ihre Ersparnisse fürchteten, sahen sich die nationalen Regierungen sowie die Europäische Union zum Handeln gezwungen. Damit sich die Geldvermögen der Sparer im Pleitefall nicht in Luft auflösen, erließ die EU eine Richtlinie, die jedes Mitgliedsland in nationales Recht umsetzen muss. Seither gilt in Deutschland:

Allgemeine Einlagensicherung

Pro Bankkunde und Bank sind 100.000 Euro an Spargeldern abgesichert. Ehepaare genießen den doppelten Betrag. Als Anleger haben Sie einen Rechtsanspruch auf Erstattung ihres Ersparten, wenn die Bank zahlungsunfähig wird. Geschützt sind praktisch alle Geldeinlagen plus aufgelaufene Zinsen bei dem jeweiligen Geldinstitut. Die Kapitalgarantie umfasst Guthaben auf:

  • Girokonten
  • Tagesgeldkonten
  • Festgelder
  • Sparbriefe
  • Sparbücher
  • Banksparpläne
  • Fremdwährungskonten, die auf Euro lauten.

Erhöhte Einlagensicherung

Darüber hinaus greift in bestimmten Fällen eine erweiterte Sicherungsgrenze von bis zu 500.000 Euro. Solche Sonderfälle können Sie für sich geltend machen, wenn Ihr Kapital beispielsweise aus dem Verkauf einer privat genutzten Immobilie stammt, es sich um eine betriebliche Abfindung handelt oder um eine Auszahlung aus einer Betriebsrente. Auch der Versorgungsausgleich nach einer Scheidung ist durch die erweiterte Einlagensicherung geschützt. Der höhere Schutzumfang ist jedoch mit einem Wermutstropfen ausgestattet: Er gilt nur für die relativ kurze Dauer von sechs Monaten ab Geldeingang auf dem Konto.
 

  • Sonderfall Wertpapiere: Aktien und Fondsanteile sind in der Regel von der Kapitalgarantie ausgenommen. Grund: Diese Papiere werden von den Banken nur verwaltet, sie bleiben aber stets im Besitz des Anlegers. In Ausnahmefällen ersetzt die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) 90 Prozent der Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften, jedoch nicht mehr als 20.000 Euro. Dies kommt aber nur dann in Betracht, wenn die Konkursbank pflichtwidrig nicht im Stande ist, die in Ihrem Eigentum befindlichen und für Sie verwahrten Wertpapiere zurückzugeben.

Wann tritt der Entschädigungsfall ein?

Kommt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zu dem Ergebnis, dass eine Bank ihre Geschäfte nicht mehr erfolgreich fortführen kann, oder dauert das von der Bafin verhängte Moratorium (Ein- und Auszahlungsverbot) bereits sechs Wochen an, stellt sie den sogenannten Entschädigungsfall fest. Nach dieser Entscheidung kann der Entschädigungsfonds seine Tätigkeit aufnehmen und damit beginnen, betroffene Anleger zu entschädigen. Dazu wird Sie der Fonds anschreiben, Ihre Forderungen prüfen und bei berechtigtem Anspruch Gelder auszahlen.

Wie lange dauert die Entschädigung?

Seit dem Tauziehen um die Entschädigung der Pleite gegangenen, isländischen Kaupthing Bank im Jahr 2008 haben sich die Bedingungen deutlich verbessert. Das Zeitfenster zur Rückzahlung der Spargelder ist jetzt eng begrenzt. Seit dem 1. Juni 2016 muss die EdB berechtigte Ansprüche spätestens sieben Arbeitstage nach Feststellung des Entschädigungsfalls erfüllen. Auch die Verjährungsfrist wurde verlängert: Jetzt haben Sie zehn Jahre lang Zeit, Ihre Ansprüche gegenüber einer insolventen Bank anzumelden.

Wer garantiert die deutsche Einlagensicherung?

In Deutschland sichert die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken den gesetzlichen Anspruch auf private Bankeinlagen von bis zu 100.000 Euro je Sparer. Alle Banken müssen einem speziellen Entschädigungssystem angehören, das den Rechtsanspruch sicherstellt. Besitzer großer Geldvermögen brauchen ihr Kapital nicht unbedingt auf mehrere Geldinstitute zu verteilen, um es für den Pleitefall ihrer Bank abzusichern. Die meisten deutschen Geldhäuser sichern Spargelder weit über die Mindestsicherung von 100.000 Euro hinaus ab. Grund: Fast alle Privatbanken gehören neben dem EdB zusätzlich dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) an.

So viel Kapital ist abgesichert:

  • Private Banken: Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken garantiert pro Anleger Sparguthaben bis zur Höhe von 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank. In der Praxis entspricht dies häufig Millionenbeträgen, so etwa bei Consorsbank, Norisbank und Targobank. Großbanken garantieren sogar Milliardenbeträge, etwa die Deutsche Bank, Hypovereinsbank und ING-Diba.

 

  • Öffentliche Geldinstitute: Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie die PSD Banken verfügen über interne Sicherungsverbünde. Die innerhalb ihres Konzerns jeweils eigenständig arbeitenden Bankhäuser haften wechselseitig füreinander, falls ein Institut in Schieflage gerät. Kundengelder sind hier zu 100 Prozent und ohne jedes Limit abgesichert.

 

  • Bausparkassen: Hier ist zwischen Bausparguthaben auf der einen und Einlagen auf Sparkonten auf der anderen Seite zu unterscheiden. Während Vermögen auf Bausparverträgen in unbegrenzter Höhe garantiert sind, schützt der Einlagensicherungsfonds der Bausparkassen Guthaben auf Tages- und Festgeldkonten nur bis 250.000 Euro pro Kunde.

Wie erfolgt die Erstattung?

Das Procedere zur Erstattung der Bankeinlagen ist innerhalb der EU nicht einheitlich geregelt.

  • Beispiel Deutschland: Kunden deutscher Banken haben es vergleichsweise einfach: Im Pleitefall einer Bank schickt Ihnen die EdB von sich aus ein Formular, in dem das fragliche Guthaben sowie ausstehende Zinsen bereits eingetragen sind. Bestätigen Sie die Zahlen und teilen der EdB eine gültige Kontonummer mit, wird das Geld binnen sieben Tagen überwiesen. Bei Kreditinstituten, die sowohl der EdB zugewiesen sind als auch am Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken mitwirken, erfolgt die Entschädigung für beide Sicherungseinrichtungen aus einer Hand. Dafür beauftragt die EdB den Einlagensicherungsfonds mit der Abwicklung der Entschädigungsaktion, dieser wird dann gegenüber den Anlegern auch im Namen der EdB tätig.

 

  • Beispiel Zweigniederlassung im Ausland: Einlagen, die bei einer unselbstständigen Zweigniederlassung im Ausland (z.B. Aareal Bank, ING-Diba Austria) gehalten werden, sind im Rahmen der deutschen Sicherungsgesetze geschützt. Dabei spielt es keine Rolle, welche Staatsangehörigkeit Sie haben oder in welchem Land Sie wohnen.

 

  • Beispiel Europa: Haben Sie Geld bei einem europäischen Institut bzw. einem deutschen Konzern mit ausländischer Bankenmutter angelegt, greift auch zunächst die gesetzliche EU-Garantie von 100.000 Euro. Diesen Betrag erstattet das ausländische Geldhaus. Darüber hinaus sind manche Banken Mitglied im Einlagensicherungsfonds deutscher Banken und garantieren entsprechend höhere Spareinlagen. Beispiele hierfür sind die Bank of Scotland, die zur französischen BNP Paribas gehörende Consorsbank, die britische Barclays Bank und die spanische Santander Bank. In diesem Fall erhalten Sie höhere Kapitaleinlagen aus dem Einlagensicherungsfonds erstattet.


Achtung: Da nicht alle ausländischen Banken dem deutschen Sicherungsfonds angehören, sollten Sie, bevor Sie größere Beträge anlegen, sich über den Umfang des Einlagenschutzes informieren. Institute wie die österreichische Autobank, die niederländische Direktbank Moneyou oder die von Österreich aus operierende, aber mit türkischen Wurzeln behaftete Deniz Bank gewähren beispielsweise nur die EU-Basisgarantie.

Mein Tipp

Die Einlagensicherung von Banken ist zwar EU-weit gleich geregelt. Aber nicht alle Länder sind gleich stark. Darum finden Sie in unseren Rechnern nur Banken aus soliden Ländern.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
58,33
1,00%
2.
57,57
0,75%
3.
49,22
1,10%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 9 Monate
Ihre Meinung ist uns wichtig
Max Geißler
Max Geißler
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Drucken
Zur Startseite
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein: