Freistellungsaufträge zu hoch? Finanzamt bleibt gelassen

Freistellungsaufträge zu hoch? Finanzamt bleibt gelassen

Max Geißler
von Max Geißler
21.07.2015
Auf einen Blick

Der Freistellungsauftrag schützt Sparzinsen vor dem Zugriff des Fiskus. Das geht jedoch nicht unbegrenzt. Was passiert, wenn man die Freigrenze überschreitet?

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Anleger dürfen Zinserträge von Tagesgeld oder Festgeld bis zur Höhe von 801 Euro pro Jahr steuerfrei vereinnahmen. Schutzpatron ist der sogenannte Sparerpauschbetrag, der jährliche Kapitalerträge aus Zinsen, realisierten Kursgewinnen und Dividenden vor der Abgeltungssteuer bewahrt. Überschreiten die Einkünfte jedoch die Freigrenze von 801 Euro, greift der Fiskus erbarmungslos zu. Damit die Kapitalerträge ohne Steuerabzug in die eigene Tasche fließen, stellen Banken und Investmentgesellschaften Freistellungsaufträge bereit. Der Freistellungsantrag bestimmt, wie viel Zinsertrag bei der jeweiligen Bank vor dem Finanzamt geschützt werden soll.

Viele Sparer haben allerdings Konten, Depots und Geldanlagen bei verschiedenen Banken. In diesem Fall benötigt man mehrere Freistellungsaufträge, um die Kapitalerträge zu schützen. An sich ist das kein Problem, denn der Sparerpauschbetrag lässt sich auf verschiedene Geldinstitute aufteilen. Je nach Geldanlage und Renditeerwartung kann man zum Beispiel 200 Euro Zinsen bei Bank A, 250 Euro bei Bank B und 350 Euro bei Bank C freistellen.

Das Problem:
Verändert man später die Höhe der Freistellungsaufträge, etwa weil man bei einer Bank mehr oder weniger Zinsen erwartet, kann man die Gesamtsumme aller Freistellungsaufträge schnell aus den Augen verlieren. Nicht selten stellen Sparer im Nachhinein fest, dass sie bereits 900 oder gar 1.000 Euro freigestellt haben. Das ist jedoch nicht erlaubt. Was passiert in diesem Fall? Und wie soll man reagieren?

Freistellungsauftrag zurücknehmen?

Eine Möglichkeit ist, einen überhöhten Freistellungsauftrag wieder zu verringern. Dazu stellt man einfach bei der Bank einen neuen Freistellungsauftrag mit geringerem Betrag. Können Sie sich aber nicht entscheiden, bei welcher Bank die Zinserträge voraussichtlich niedriger sein werden als zunächst angenommen, können Sie die überhöhten Freistellungsaufträge auch in voller Höhe stehen lassen. Das Finanzamt bekommt von zu hohen Freistellungsaufträgen zunächst keinen Wind.

Ursache hierfür ist eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 1999. Seither melden Banken dem Bundeszentralamt für Steuern nicht mehr die Höhe der insgesamt gestellten Freistellungsaufträge, sondern nur den tatsächlich in Anspruch genommenen Zinsbetrag. Das bedeutet: Das Bundesamt und nachfolgend die Finanzämter haben gar keine Informationen darüber, wie viel Kapitalerträge insgesamt vom Anleger frei gestellt worden sind. Entsprechend wird der Fiskus auch keine unangenehmen Nachfragen stellen, falls die Summe aller Freistellungsaufträge 801 Euro übersteigt. Ergibt sich nun, dass eine Geldanlage im Lauf des Jahres nicht so gut läuft wie geplant, kann man also trotz überhöhter Freistellungsaufträge innerhalb des gesetzlichen Limits von 801 Euro bleiben. Folglich hätten die überhöht ausgestellten Freistellungsaufträge keine negativen Auswirkungen.

Fiskus wird bei Überschreiten der Obergrenze aktiv

Überschreitet allerdings die Summe aller vereinnahmten Zinsen und Dividenden den maximal zur Verfügung stehenden Sparerpauschbetrag von 801 Euro je Person, alarmiert das Bundeszentralamt für Steuern das zuständige Finanzamt. Dieses wird den Sparer dann auffordern, im Rahmen der Steuererklärung die Anlage KAP (Einkünfte aus Kapitalvermögen) auszufüllen und einzureichen. In der Regel wird der Fiskus dann rückwirkend Steuern erheben.

Unser Tipp

Damit man bei einer Vielzahl von Freistellungsaufträgen nicht den Überblick verliert, sollte man sich die einzelnen Beträge gesondert notieren und überhöhte Freistellungsaufträge besser gleich mindern.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
100,00
1,00%
2.
90,00
0,90%
3.
85,00
0,85%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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