Helikoptergeld Deutsche würden Geldgeschenke der EZB begrüßen

Helikoptergeld Deutsche würden Geldgeschenke der EZB begrüßen

Horst Biallo
von Horst Biallo
21.10.2016
Auf einen Blick

Unter Volkswirten wird seit geraumer Zeit diskutiert, ob die EZB den EU-Bürgern Geld schenken soll, um damit die Konjunktur anzukurbeln.

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EZB-Chef Mario Draghi würde natürlich keine Hubschrauber losschicken, sondern den EU-Bürgern das Geld entweder auf einen Schlag überweisen oder in monatlichen Raten. Eine famose Idee? Was halten eigentlich die Deutschen und andere EU-Bürger davon? Das wollte die ING-Diba wissen und beauftragte ein Marktforschungsinstitut, das in 13 europäischen Ländern, davon acht Euro-Mitgliedsländer, jeweils 1.000 Personen befragte.


Deutsche sind sich einig

Ein wichtiges Ergebnis: Nur 14 Prozent der befragten Deutschen halten das Helikoptergeld für eine schlechte, aber 48 Prozent für eine gute Idee. In den anderen sieben EU-Ländern befürworten sogar 55 Prozent der Befragten diese geldpolitische Maßnahme.

Doch wenn es ein Jahr lang monatlich 200 Euro von der EZB gäbe, was fangen die Leute damit an? 26 Prozent der befragten Deutschen und 28 Prozent im Eurozonen-Durchschnitt würden das Geld tatsächlich sofort ausgeben, also konsumieren. Der Rest, also die ganz überwiegende Mehrheit aller Deutschen und Europäer würden das geschenkte Geld auf dem Konto lassen, anlegen oder damit bestehende Schulden tilgen.

„Dieses Ergebnis hat nicht nur mit der Tatsache zu tun, dass Europäer sparsam sind, sondern wahrscheinlich auch mit der Angst, dass eigentlich nichts im Leben umsonst ist,“ interpretiert Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba, diese Ergebnisse. Quelle: ING-Diba Pressebild
So kann es dann auch nicht überraschen, dass die Befragten zwar einerseits das Geld ganz gern hätten. Andererseits glauben hierzulande nur 31 Prozent der Befragten, dass sich durch die Ausgabe des Helikoptergeldes ein stärkeres Wirtschaftswachstum einstellen wird, während 39 Prozent ganz anderer Meinung sind.

Unser Tipp

So funktioniert Helikoptergeld – oder auch nicht

In den Medien tauchte der Begriff erstmals 2002 auf, nachdem der damalige Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, in einer Ansprache Japan Helikoptergeld zur Bekämpfung der Inflation empfohlen hatte. Weil die Milliarden, die die EZB in das Finanzsystem gepumpt hat, kaum in der Realwirtschaft ankommen, hält auch EZB-Chef Mario Draghi Helikoptergeld für ein „interessantes Konzept.“

Die Idee klingt zunächst einleuchtend. Um die Wirtschaft zum Laufen zu bringen, lässt die EZB quasi Geld vom Himmel regnen. Jeder kann es aufheben, in den nächsten Laden rennen und nach Herzenslust einkaufen. Die höhere Nachfrage schafft Wirtschaftswachstum und dieses wiederum die ersehnten Arbeitsplätze. Die neu Beschäftigten zahlen Steuern und das Geld fließt so an die EZB zurück. Soweit die Theorie, die Nobelpreisträger Milton Friedmann bereits vor 50 Jahre in die Welt setzte.

Jahrzehntelang war Helikoptergeld ein rein akademisches Gedankengut, dessen geistiger Vater der Nobelpreisträger Milton Friedmann ist. Neben Befürwortern hat diese Idee auch scharfe Kritiker. Einer davon ist Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Es ist äußerst gefährlich,“ meint er, „wenn eine Zentralbank Geld nicht verleiht, sondern verschenkt.“

Die Menschen würden erfahren, dass sie Geld nicht mehr durch Arbeit verdienen müssten, und in der Krise würden Wähler oder Politiker fordern, dass die Zentralbank erneut die Rotoren anwirft. Niemand könne wissen, wie oft und wie stark die Zentralbank in Zukunft Geld regnen lässt. Es entstünde eine riesige Unsicherheit über die künftige Inflation. Die Folgen für Ersparnisse, Investitionen und Wachstumsaussichten wären dramatisch.

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