Jetzt trifft es auch Kleinsparer

Strafzinsen Jetzt trifft es auch Kleinsparer

Sebastian Schick
von Sebastian Schick Max Geißler
02.11.2016
Auf einen Blick

Bislang haben Banken vereinzelt nur vermögende Kunden zur Kasse gebeten. Doch jetzt verlangt das erste Geldinsititut auch Negativzinsen von Kleinanlegern.

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Das Beispiel könnte bald Schule machen: Zum ersten Mal verlangt eine Genossenschaftsbank in Deutschland Strafzinsen von Kleinsparern. Die Volksbank Niederschlesien ist dabei besonders erfinderisch: Der Aufschlag kommt nicht als Zins daher, sondern versteckt sich hinter einer Gebühr. Je höher der Anlagebetrag ausfällt, desto mehr steigen die Gebühren. Bis zu einer Anlage von 25.000 Euro beträgt die monatliche Kontoführungsgebühr fünf Euro, für einen Betrag von 25.000-50.000 Euro veranschlagt die Volksbank Niederschlesien zehn Euro pro Monat. Ab 50.000 Euro werden sogar 25 Euro fällig. Wer zum Beispiel 10.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto zum aktuellen Zinssatz von 0,01 Prozent anlegt, der muss monatlich fünf Euro Gebühren zahlen. Macht am Jahresende ein Entgelt von 60 Euro. Abzüglich einem Euro, den die Zinsen abwerfen, liegt die Strafgebühr damit bei 59 Euro, also bei knapp 0,6 Prozent. Das ist deutlich mehr als die 0,4 Prozent negativer Einlagezins, welchen die EZB von Banken verlangt, wenn diese überschüssiges Geld bei ihr zwischenparken.

Diese Banken veranschlagen bereits Negativzinsen

Vor einer Woche sorgte die erste Sparkasse in Deutschland für Negativschlagzeilen in Sachen Strafzins: Die Sparkasse Allgäu will ihre Kunden ab 1. Januar 2017 zur Kasse bitten. Täglich fällige Bankeinlagen von mehr als 250.000 Euro werden dann mit einem sogenannten Verwahrentgelt von 0,4 Prozent pro Jahr belegt. Allerdings tangiert der Negativzins nur Geschäftskunden und kommunale Konten. Betroffen sind laut Vorstandsvorsitzendem Manfred Hegedüs etwa 600 Geschäftskonten. "Wir sehen keinen anderen Weg als die Zinsbelastung durch die EZB umzulegen", rechtfertigte sich Hegedüs vor seinen Kunden.

Seit Anfang Oktober verlangt die Volksbank Stendal von ihren Geschäft- und Privatkunden einen Strafzins von 0,4 Prozent, wenn sie mehr als 100.000 Euro bei ihr anlegen. Ebenso wie die Raiffeisenbank in Gmund am Tegernsee, wo die Regelung bereits seit Anfang September gilt.

Deutsche Skatbank als Vorreiter

Negativzinsen im Privatkundenbereich waren in der deutschen Bankenwelt lange Zeit tabu. Erstmals führte die Deutsche Skatbank, eine genossenschaftliche Direktbank aus dem thüringischen Altenburg, im November 2014 Negativzinsen für private Einlagen auf Tagesgeld- und Girokonten ein. Die Bank erhebt seither ab Guthaben von 500.000 Euro Strafzinsen von 0,25 Prozent.

Hier gibt es weiterhin Positivzinsen auf das Ersparte

Wie reagieren, wenn Sie vom Negativzins betroffen sind? Ein Blick auf den Biallo Tagesgeld-Vergleich zeigt Ihnen Alternativen, auch bei größeren Anlagebeträgen:

Die Audi Bank garantiert Neukunden bis zu einem Anlagebetrag von 100.000 Euro 1,10 Prozent Zinsen für vier Monate. Wenn Sie mehr als 100.000 Euro anlegen, bekommen Sie für diesen Anteil 0,30 Prozent Zinsen. Dies ist auch der Zinssatz, den Altkunden ab dem ersten Euro erhalten. Positiv: Die Absicherung bei der Audi Bank beträgt 1,34 Milliarden Euro je Sparer.

Die ING-Diba sichert bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von 100.000 Euro ein Prozent Zinsen für vier Monate zu. Ab 100.000 Euro fällt der Zinssatz jedoch auf 0,15 Prozent. Altkunden erhalten bis zu einem Betrag von 100.000 Euro 0,35 Prozent Zinsen und darüber 0,15 Prozent. Bis zu 1,49 Milliarden Euro sind bei der ING-Diba über die Einlagensicherung geschützt.

Die Renault Bank direkt garantiert ihren Tagesgeld-Neukunden 0,70 Prozent Zinsen für drei Monate und 0,50 Prozent für die Zeit danach. Diesen Zinssatz erhalten auch Bestandskunden. Jeder Sparer kann bis zu einer Million Euro anlegen, davon sind 100.000 Euro über die französische Einlagensicherung abgesichert.

Die Deniz Bank bietet, unabhängig vom Kundenstatus, bis zu einem Anlagebetrag von 500.000  Euro einen Zinssatz von 0,60 Prozent. Die österreischische Einlagensicherung garantiert Vermögen bis 100.000 Euro.

Biallo-Tipp

Europäische Banken gewährleisten für Ihr Vermögen eine Einlagensicherung von 100.000 Euro. Falls Sie in der glücklichen Lage sind, mehr als diesen Betrag auf der hohen Kante zu haben, verteilen Sie diesen auf mehrere Kreditinstitute. So bleibt ihr Vermögen im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung bei jeder Bank abgesichert.

Detaillierte Informationen zur Einlagensicherung bei deutschen und europäischen Banken erhalten Sie hier.

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Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
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58,33
1,00%
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57,57
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49,22
1,10%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 9 Monate
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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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