Exklusiv: So plündert die Bank Ihren Geldbeutel Konten werden teurer und Hausbanken dreister

Birgit Müller
von Birgit Müller
29.04.2016
Auf einen Blick

Kein Tag vergeht, ohne teure Gebühren-Ideen von Banken und Sparkassen. Was früher Dienstleistung war, kostet jetzt Geld. 20 von 60 getesteten Banken kassieren bereits ab. Das trifft vor allem den Geldbeutel von Senioren, Alleinerziehenden, Geringverdienern und Flüchtlingen.

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Schleichend schaffen Banken und Sparkassen die für sie teuren Dienstleistungen ab. Und legen sie in die Hände ihrer Kunden.

Erinnern Sie sich noch an die Bargeld-Kassen hinter Panzerglas? Ein freundlicher Mitarbeiter gab Ihnen durch den Schlitz das Geld in der gewünschten Stückelung Euros oder Münzen. Dann wurden allmählich die Geldautomaten eingeführt und die Kassen in den Schalterhallen weniger.


Früher ging man auch als Kunde zur Bank, legte seine Rechnung auf die Theke und der Bankkaufmann oder die Bankkauffrau füllte einem den gelben Überweisungsschein aus. Das ist noch gar nicht so lange her, kam der Bank aber teuer. Der Mitarbeiter musste die Überweisung nicht nur ausfüllen, sondern auch mit den Kontodaten abgleichen und weiterleiten. 

Der lange Weg einer Überweisung

Erst dann begab sich die Papierüberweisung auf die Reise. Sie musste entweder per Hand eingescannt oder via Kurier in ein Überweisungszentrum gebracht werden. Um sich diese Kosten zu sparen, erfanden die Banker das Überweisungsterminal. Der Kunde soll am Automaten seine Überweisung bitteschön selbst eintippen. So sei der Kunde nicht mehr an Öffnungszeiten gebunden, war die Werbebotschaft. 

So wanderten die Automaten raus aus der Filiale, rein ins Separee. Gut abgeschirmt vom geldigen Bankbetrieb. Um es dem Kunden noch schmackhafter zu machen, soll er wie ein Verkehrssünder erzogen werden: 

Wer in der Bank seine Überweisung ausfüllen lässt, zahlt. Bei der Bremischen Volksbank zum Beispiel zwei Euro pro Stück - siehe Bild rechts unter "Beleghafte Buchung".

Lange waren dafür die Überweisungsterminals kostenlos. Doch seit kurzem ist auch damit Schluss. Bei den von uns befragten 60 Banken und Sparkassen, stellen schon 20 dem Kunden eine Gebühr dafür in Rechnung.
Die Spanne reicht von fünf Cent je Überweisung bis hin zu zwei Euro. Neben der bereits erwähnten Bremischen Volksbank, zahlten Kunden besonders viel Geld bei:

  • Berliner Sparkasse: Terminal = 60 Cent, Papierüberweisung = 1,90 Euro
  • Kasseler Bank: Terminal = 50 Cent, Papierüberweisung = 2,25 Euro
  • Volksbank Freiburg: Terminal = 49 Cent, Papierüberweisung = 1,49 Euro

Wie wir unsere lieben Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken kennen, werden auch die anderen Banken ganz sicher peu à peu nachziehen. Es sei denn, Sie, der Kunde, wehren sich.
Zum Beispiel indem Sie zu anderen Banken gehen, die nicht so eine verbraucherunfreundliche Gebührenpolitik machen. Dazu später mehr.

Wer leidet unter den teuren Banken und Sparkassen am meisten?

Es sind vor allem die Leute, die sich kein günstiges Onlinebanking leisten können oder wollen. Denn sie haben häufig kein Geld, um sich einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone anzuschaffen oder keine Erfahrung damit. Ohne diese Technik funktioniert Internetbanking schlichtweg nicht. Dass eine Direktbank, wie die ING-Diba, auch Telefonbanking anbietet, wissen viele Leute nicht. Aber Vorsicht: Es gibt auch Banken, die beim Telefonbanking ordentlich kassieren. Von der teuren Gebührenpolitik von Sparkassen und Volksbanken am häufigsten betroffen sind:  

  • Senioren
  • Geringverdiener
  • Alleinerziehende
  • Flüchtlinge oder Menschen mit Migrationshintergrund.

Es bleibt aber nicht bei den Gebühren für Überweisungen am Automaten oder in der Filiale. Die Kunden regen sich noch über viele andere Kosten auf, für die sie ständig bezahlen müssen: 

  • Die Frankfurter Sparkasse zum Beispiel kassiert für das „Aktiv“ Konto satte 6,90 Euro Kontoführungsgebühr pro Monat, wenn Sie weniger als 1.300 Euro monatlichen Geldeingang haben. Besserverdiener zahlen 0,00 Euro! Die ärmeren Kunden dürfen sich bei ihrer Sparkasse bedanken.
    Auch die girocard ist nur im ersten Jahr frei, danach werden 20 Euro fällig. Eine Zweitkarte kostet von Anfang an 15 Euro.

    Als Senior mit 1.000 Euro Rente zum Beispiel, zahlen Sie nicht nur eh schon knapp sieben Euro Kontoführungsgebühr Monat für Monat, sondern zusätzlich 1,50 Euro für eine beleghafte Überweisung. Ganz schön saftig. Übers Jahr gerechnet kommt so ein hübsches Sümmchen für die Sparkasse zusammen.
     
  • Bei der VR Genossenschaftsbank FuldaeG zahlt der Rentner sogar drei Euro für  Überweisungen. Plus drei Euro Kontoführungsgebühr. Monat für Monat.

Hohe Gebühren nicht erst seit der Null-Zins-Politik en vogue

Vor allem Sparkassen und Volksbanken verlangen nicht erst seit gestern so hohe Kontoführungsgebühren. So werden beim Überziehungskredit bis zu 20 Prozent fällig und Papierüberweisungen Kosten auch extra.

Dabei stellt sich die Frage: Sind ältere Menschen eigentlich in der Lage, die komplizierten Bankterminals zu bedienen? Thomas Trenz von der Bremischen Volksbank ist da zuversichtlich.

Man solle die Technikaffinität von Rentnern und Sozialschwachen in Bezug auf die Überweisungsterminals nicht unterschätzen. Die Kunden seien sogar „sehr stolz darauf nach entsprechender Einweisung eigenständig die SB-Geräte bedienen zu können“.

Da haben die Bremer also den Kunden in Ruhe "erzogen". Er hat gelernt, diese Geräte richtig zu bedienen. Anfangs war das vielleicht noch kostenlos, jetzt zahlt der Kunde auch am Terminal zwei Euro Gebühr für das Eintippen am Automaten. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Der Kunde erledigt die Arbeit des Bankangestellten. Früher war das eine Dienstleistung der Bank für ihre treuen Kunden. Jetzt zahlt der Kunde für diese Arbeit auch noch Geld an seine Bank.

Nach der Bildergalerie in diesem Artikel lesen Sie welche Bank für Sie in Frage kommt, wenn Sie wenig Einkommen haben und keine Lust auf Onlinebanking.   


Wir freuen uns auf Ihre Erfahrungen und Kommentare!


Unter Mitarbeit von: Klaus Frank, Charlotte Gonschorrek, Thomas Brummer, Kevin Schwarzinger.

Unsere Bitte an Sie

Welche Bank kommt für Sie in Frage, wenn Sie wenig Einkommen haben und keine Lust auf Onlinebanking?

Alternative Nr. 1: Wenn Sie den Bankschalter dem Onlinebanking vorziehen, kommt für Sie vielleicht die Santander Consumer Bank in Frage. Sie hat über 300 Filialen in ganz Deutschland verteilt, verlangt keine Gebühr fürs Girokonto und kein Geld für die girocard. Selbst eine zweite girocard für Ehefrau oder Ehemann kostet keinen Cent, genauso wie die Kreditkarte. Am Automaten können Sie Ihre Überweisung kostenlos eintippen. Für eine Papierüberweisung verlangt die Santander Consumer Bank im Kontomodell Kombi einen Euro und 50 Cent.

Alternative Nr. 2: Fragen Sie auch bei der Sparda Bank in Ihrem Ort nach, welches Konto die Genossen für Sie im Programm haben. Die Sparda Bank München berechnet zum Beispiel keine Grundgebühr für Ihr Girokonto, wenn Sie regelmäßigen Geldeingang vorweisen können. Sie können zudem, müssen aber nicht, Mitglied bei der von Eisenbahnbeamten in Karlsruhe 1896 gegründeten Sparda-Bank werden. Für einmalig 52 Euro. Diese Einlage verzinst die Bank mit drei Prozent. Zumindest war das 2014 noch so. Von solch einer Rendite träumen viele Geldanleger.

Alternative Nr. 3: Oder Sie nutzen Telefonbanking. Dann müssen Sie für Ihre Überweisung überhaupt nicht mehr das Haus verlassen. Die ING-Diba zum Beispiel hat keine Filialen und ist eine Direktbank, hat aber kostenlose Kontoführung, kostenlose Bargeldversorgung und ein verzinstes Tagesgeldkonto im Programm. Dort können Sie statt Onlinebanking zum Telefonhörer greifen und per Spracherkennung oder Tastatureingabe Ihre Überweisung eintippen.

Der Vorteil von Direktbanken: Sie bieten bedingungslos kostenlose Kontoführung an. Sie kennen auch keine Gebühren für girocards oder Kreditkarten. Und ihre Dispozinsen sind deutlich niedriger.

: Banken und Sparkassen ändern nur dann ihre unverschämt hohen Gebühren, wenn sich die Kunden wehren. Beschweren Sie sich. Und wenn Sie bei Facebook sind, teilen Sie diese Geschichte, damit Ihre Freunde genauso wie Sie Widerstand leisten.   

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FALLBACK ENDE

3
 
Anbieter
Kosten pro Jahr
Dispozinsen
Guthabenzinsen
 
1.
 -10,47 €
7,49%
 0,10%
2.
 -63,90 €
10,25%
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3.
 -81,65 €
10,55%
 0,01%
Geldeingang 2.500 €, niedrigster Kontostand 900 €
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