Deutsche Bank in der Krise Ein wankender Riese

Deutsche Bank in der Krise Ein wankender Riese

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
30.09.2016
Auf einen Blick

Rekordstrafe, Datenpannen, Kurseinbruch: Kein Tag vergeht ohne neue Negativschlagzeile. Dabei begann der tiefe Fall bereits viel früher.

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Es ist das Jahr 2008. Inmitten der schwersten Weltwirtschaftskrise seit 1929, sorgte ein Satz für Furore: "Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatshilfe annehmen würden", sagte Josef Ackermann, der damalige Chef der Deutschen Bank. Zeitgleich versicherte er sogar: "Wir sind eine der stärksten und am besten kapitalisierten Banken der Welt". Acht Jahre und etliche Skandale später sieht es nicht rosig für das größte deutsche Geldhaus aus. Verschiedene Medien sprechen sogar schon von Staatshilfe.


Deutsche Bank Aktie auf historischen Tiefstand

Seit ungefähr zehn Jahren kennt der Aktienkurs genau eine Marschrichtung – nach unten. So war im Jahr 2007 eine Aktie des Unternehmens zwischenzeitlich mehr als 100 Euro wert, in dieser Woche ist das Wertpapier kurzzeitig sogar unter die Zehn-Euro-Marke gerutscht. Deutsche-Bank-Chef John Cryan machte Spekulanten für den Aktien-Absturz verantwortlich. Am Markt gebe es "einige Kräfte", die das Vertrauen in das Geldinstitut schwächen wollten, schrieb der Manager am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter, der der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegt.

Das ist aber noch nicht alles: Wegen eines Rechtstreits in den USA droht dem einstigen deutschen Banken-Primus eine Rekordstrafe von 14 Milliarden US-Dollar. Das entspricht etwa dem aktuellen Börsenwert des Unternehmens. Kein Wunder, dass – wie verschiedene Medien berichten – die Bundesregierung derzeit an einem Notfallplan arbeiten soll, um für den Fall der Fälle vorzusorgen: Die Pleite der Deutschen Bank.


Wie sicher ist Ihr Geld?

Erstmal gibt es keinen Grund zur Panik. Laut Christopher Wheeler, Bankenanalyst bei Atlantic Equities in London besteht derzeit keine Gefahr einer Pleite. Der britischen Tageszeitung „The Guardian“ verriet der Experte, dass die Deutsche Bank noch über verkäufliche Vermögenswerte von rund 250 Milliarden Euro verfüge. "Wir glauben, dass die Liquiditätssituation der Bank stabil ist", schrieb Goldman-Sachs-Experte Jernej Omahen in einer ersten Einschätzung. Auch Banken-Analyst Jon Peace von der Credit Suisse hält die jüngste Entwicklung an den Börsen für übertrieben.

Eine Pleite ist deshalb unwahrscheinlich. Außerdem: Geldanlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro sind über die gesetzliche Einlagensicherung garantiert. Sollte jedoch tatsächlich der schlimmstmögliche Fall eintreten, wird der Bundesregierung keine andere Möglichkeit bleiben, als das Bankhaus vor dem Ruin zu retten. Dafür ist die Deutsche Bank einfach „to big to fail“ (englisch: Zu groß, um zu scheitern), wie es die Banker nennen.


Commerzbank mit Stellenabbau

Doch nicht nur die Deutsche Bank sorgt derzeit für jede Menge Schlagzeilen. Auch bei der Commerzbank herrscht momentan Krisenstimmung und zwingt die Verantwortlichen zum Handeln. In den kommenden Jahren werden rund 9.600 Vollzeitstellen gestrichen, teilte der Konzern mit. Damit fällt jeder fünfte Arbeitsplatz dem Kahlschlag zum Opfer. Es sollen aber gleichzeitig rund 2.300 neue Stellen entstehen, sodass sich der Netto-Stellenabbau auf "nur" 7.300 Vollzeit-Arbeitsplätze belaufe. Der Aktienkurs ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 96 Prozent gefallen.

Biallo-Tipp:

Nur weil der Aktienkurs der Deutschen Bank einen Tiefpunkt erreicht hat, sollten sich Anleger nicht gleich in der Hoffnung, ein Schnäppchen zu machen, auf das Wertpapier stürzen. Wer in ETF, Fonds oder Aktien investiert, sollte einige Regeln beachten. Mit diesen neun Regeln winkt die optimale Rendite bei geringstmöglichem Risiko.

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit Januar 2016 ist er Volontär.

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