Per Video-Chat zum Girokonto

Online-Banking Per Video-Chat zum Girokonto

von Martin Scheele
12.10.2016
Auf einen Blick

Bankkonten können Sie auch bequem per Videotelefonie eröffnen. Das sollten Verbraucher dabei unbedingt beachten.

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Sie gehen gerne online shoppen, ganz gemütlich vom heimischen Sofa aus? Aber ärgern sich, dass Sie für eine Kontoeröffnung zur Bankfiliale laufen müssen? Ärgern Sie sich nicht zu sehr, Sie können ein Konto auch von zu Hause eröffnen. Per Videotelefonie, komplett papierlos.

Ihre Bank bietet das noch nicht an? Tatsächlich ist das komplett digitale Videoidentifizierungsverfahren bei den meisten Banken und Sparkassen noch nicht Bestandteil des Produktangebots. Bei ihnen muss der Kontoeröffnungsantrag am Ende noch händisch unterschrieben werden.

Rückblick: Video-Ident-Verfahren sind seit dem 1. Januar 2014 erlaubt. Damals erteilte die deutsche Finanzaufsicht Bafin erstmals einem IT-Dienstleister die Genehmigung. Seitdem tüftelten viele Banken und Sparkassen im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie an einem Produkt.

Das müssen Sie beim Video-Ident-Verfahren beachten

Das Prozedere ist denkbar einfach. Für die Legitimation, etwa bei der Commerzbank, der DKB oder der ING-Diba, die zu den ersten Instituten dieses Verfahrens gehörten, müssen Sie zunächst Ihren Personalausweis in die Webcam halten, mehrfach drehen und wenden, um ihn technisch auf Echtheit prüfen zu lassen. Und schon ist der Nachweis der Identität damit erbracht. Zum Abschluss erhalten Sie per E-Mail oder SMS eine TAN, mit der Sie die Legitimation online bestätigen können.

Bei anderen Bank, etwas der Nummer eins, der Deutschen Bank, kommt auf den letzten Metern noch Papier zum Einsatz. Eine händische Unterschrift unter dem ausgedruckten Kontoeröffnungsantrag ist dort immer noch zwingend erforderlich. Der Bankprimus arbeitet nach eigener Auskunft an einer komplett digitalen Lösung.

Postident-Verfahren kommt aus der Mode

Dennoch ist das sogenannte Videoidentifizierungsverfahren ein Quantensprung gegenüber dem Postident-Verfahren. Wir erinnern uns: Dazu muss der Kontoantrag heruntergeladen und ausgedruckt werden. Damit geht es zur nächsten Filiale der Deutschen Post. Dort wird der Antrag legitimiert und die Unterschrift geprüft. Ein gültiges Ausweisdokument ist ebenfalls erforderlich. Die Post verschickt dann die Dokumente an die Bank.

Laut Experten waren die Abbrecherquoten bei diesem Verfahren hoch. Um in Zeiten niedriger Margen durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank möglichst viele Kunden zu gewinnen, wurde deshalb das Video-Ident-Verfahren entworfen.
Auch die gewöhnlich als etwas behäbig geltenden Sparkassen sind auf diesem Gebiet tätig. „Zurzeit sind bei rund 100 der insgesamt 403 Sparkassen Videolegitimationsverfahren im Einsatz, weitere 100 Sparkassen planen die Integration in den nächsten sechs bis zwölf Monaten“, sagt Alexander von Schmettow, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

Vergleichsweise erst kurz auf diesem Markt der komplett papierlosen Videoidentifizierung sind Institute wie Postbank und Consorsbank. Die Postbank bietet es erst seit Mitte August an, Consorsbank seit September. Für ein Zwischenfazit ist es deshalb, laut den Sprechern der Banken, noch zu früh.

Andere Banken sind da schon weiter. Die Targobank beziffert den Anteil der Video-Ident-Kunden mit 25 Prozent, die Commerzbank auf 30 Prozent und die ING-Diba und S-Broker auf 20 Prozent. Ausnahmslos alle Banken und Sparkassen sind sehr zuversichtlich, dass die Kundenzahlen in den nächsten Monaten und Jahren stetig steigen werden.


Versprechen: Konsumentenkredit innerhalb von 15 Minuten

Das Video-Ident-Verfahren gibt es aber nicht nur bei Kontoeröffnungen, sondern etwa auch für Konsumentenkredite. Creditplus wirbt damit, dass es für Bestand- oder Neukunden möglich ist, innerhalb von rund 15 Minuten einen Konsumentenkredit zu bekommen – komplett auf dem digitalen Weg. Das Geld bekomme man nach einem Tag. Derzeit ist die maximale Summe auf 5000 Euro gedeckelt. Zum Vergleich: Bei den herkömmlichen Verfahren dauert es drei bis fünf Tage.

Wer nutzt das Verfahren konkret, sind es vor allem jüngere Menschen? Vielen Banken geben sich dabei wortkarg, lassen sich nicht in die Karten schauen. Auskunftsfreudige Institute sind die Ausnahme. Die ING-Diba kann keine Unterschiede zu ihren anderen Kunden erkennen. Der Konsumentenkreditspezialist Creditplus spricht davon, dass marginal mehr jüngere Menschen an dem Verfahren teilnehmen. Allein die Targobank hat einen gewichtigen Unterschied analysiert. Targobank-Sprecher Axel Bäumer sagt: „70 Prozent der Nutzer sind männlich, nur 30 Prozent sind weiblich“.

Gibt es Risiken für Sie bei diesem digitalen Prozess? Schließlich werden immer wieder Datenskandale publik, dass etwa Kundendaten in die falschen Hände geraten. Die Banken und Sparkassen versichern, dass ihre Systeme höchsten technischen Ansprüchen genügen. Offenbar gibt es derzeit wirklich keine Probleme, zumindest Verbraucherschützer wissen von keinen Reklamationen zu berichten.

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Biallo-Lesetipp:

 Der Wechsel des Girokontos wird zum Kinderspiel. Die Banken übertragen jetzt selbstständig sämtliche Zahlungsaufträge von einem Konto zum anderen. Mehr dazu in unserem Beitrag: Girokonto-Wechsel: Fünf Schritte genügen

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