So funktioniert das Bezahlen mit Funkchips

NFC So funktioniert das Bezahlen mit Funkchips

von Martin Scheele
20.11.2016
Auf einen Blick
  • Near Field Communication (NFC) ist drahtloses Bezahlen per Funk.
  • Bis zu einem Warenwert von 25 Euro können Sie damit bezahlen.
  • 3000 Rewe-Märkte sind mit der Technik ausgerüstet.
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Mittagspause, eine Gruppe junger Leute steht an der Kasse eines Lidl-Markts im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf. Einer kauft Suppenterrine, der Zweite Bockwurst, der Dritte fertigabgepackten Salat. Allen ist gemein: Sie halten nur kurz ihr Portemonnaie an das EC-Kartenterminal der Kasse, der Bon kommt raus, sie gehen. Bezahlen im Vorbeigehen.

Manch ein Kunde wundert sich, „haben die überhaupt bezahlt“, „wie funktioniert das“, fragt sich ein älterer Herr.

Ganz einfach: NFC macht es möglich, Near Field Communication ist drahtloses Bezahlen per Funk. An der Kasse funktioniert die Technologie, wenn man die Karte mindestens vier Zentimeter an das Kartenlesegerät heranhält. So kann die Karte zweifelsfrei identifiziert werden. Bis zu einem Warenwert von 25 Euro können Sie damit bezahlen – ganz ohne Unterschrift oder die Eingabe der Geheimnummer.

Bei diesen Supermärkten können Sie mit funkgesteuerten Bankkarten bezahlen

Entscheidender Vorteil für Sie: Bezahlen geht viel schneller und ist bequemer. Der Handelsverband Deutschland weist zudem darauf hin, dass die kontaktlose NFC-Schnittstelle im Vergleich zum herkömmlichen System deutlich robuster ist. Es könne kein Chip verkratzen, keine Verbiegung an den Kontakten stattfinden.

Bislang geht das zum einen mit Kreditkarten, bei Mastercard heißt das Ganze „Paypass“, bei Visa „Paywave“. Ob Ihre Karte NF-fähig ist, erkennen Sie an dem aufgedruckten Funksymbol, den Wellen.

Bei Girokarten ist die Entwicklung langsamer. Das liegt vor allem an den Banken und Sparkassen, aber auch die Handelskonzerne waren zögerlich. Beim Rewe-Konzern etwa sind die 3000 Rewe-Supermärkte mit entsprechender Technik ausgerüstet, Discounter Penny dagegen noch gar nicht. Die Discounter-Rivalen Aldi Nord wie Aldi Süd und Lidl punkten dagegen mit dieser Technologie.

Uneinheitlich auch der Stand im Drogerie-Einzelhandel: Bei Rossmann kann der Kunde kontaktlos bezahlen, bei dm nur in wenigen Geschäften. Dennoch erwartet der Einzelhandelsverband in spätestens drei Jahren eine Vollausstattung mit kontaktlosen Terminals im Handel. Die Experten des Handelsinstituts EHI sind skeptischer, einer Umfrage zufolge lehnen fast die Hälfte der kleineren Händler die neue Technik ab.

Die Finanzinstitute kommen langsam in Gang. Die Sparkassen wollen bis Jahresende zehn Millionen, die Volksbanken vier Millionen und die privaten Banken 17 Millionen Karten ausgeben. Zum Vergleich: Insgesamt sind rund 100 Millionen Girokarten in Deutschland existent. Wussten Sie auch, dass der Wechsel des Girokontos noch nie so leicht war wie heute?

3
 
Karte
Anbieter
Jahresgeb.
Sollzinssatz
 
1.
VisaCard
0,00
6,9%
2.
comdirect VISA-Karte
0,00
8,95%
3.
VISA Card
0,00
6,99%

Was sollten Sie beachten? Sind Betrugsversuche bekannt?

Nicht nur bei diesem System sollten Sie regelmäßig alle paar Tage Ihre Kontoumsätze und Kreditkartenabrechnungen überprüfen. Falsche Abbuchungen sollten Sie schnellstmöglich Ihrem Institut melden. Vor einem möglichen Betrug können Sie sich wie folgt schützen: Die Karte sollte in einer speziell beschichteten Hülle aufbewahrt werden, die jegliche Funkverbindung verhindert. Diese Karten bekommen Sie teilweise bei Banken, teilweise in Internetshops.

Betrugsversuche sind dem HDE nicht bekannt. „Die bisherigen Erfahrungen sind durchweg positiv“. Der Verband verweist darauf, dass im Zweifel die Bank eine vom Kunden gewollte Zahlung nachweisen muss. Nicht der Kunde muss den eventuellen Betrug nachweisen.

Verbraucherschützer sind allerdings vorsichtiger. Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen weist darauf hin, dass die Abbuchung über Lastschrift laufen sollten, weil Sie nur dann Widerrufsmöglichkeiten haben. „Unklar ist auch noch, ob bei Einsatz von Funkchips alle Belange des Datenschutzes gewahrt werden. Immerhin werden neben Daten über die Art des Kaufs oder Dienstleistung, den Preis, auch Standortdaten übermittelt.“ Verbraucherbeschwerden sind bei Heyer noch nicht eingegangen. Sie verweist darauf, dass noch relativ selten mit Funkchip-Karten bezahlt wird.

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