Exklusiv: Der Geldautomaten-Trick Stadtsparkasse Düsseldorf zockt sozial Schwache ab

Horst Biallo
von Horst Biallo
20.05.2016
Auf einen Blick

Urlauber, Feierwütige, Kranke und Studenten in Düsseldorf aufgepasst - es kann teuer werden. So gingen wir einer heißen Story nach und sind auf etwas noch teureres gestoßen:

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Wie sind wir auf diese unglaubliche Geschichte gekommen? Vor vier Wochen besuchte uns in Schondorf am Ammersee ein hochkarätiger Top-Manager eines Kreditkarten-Unternehmens. Und erzählte nach dem zweiten Glas Wein diese Geschichte...

...Ihm habe der Vorstand eines Geldinstitutes erzählt, dass er eine neue kreative Einnahmequelle für sein Institut erschlossen habe.

  • Sie würden die Fremdgebühren an ein paar ihrer Geldautomaten zeitlich steuern.

Wir haben das nicht sofort verstanden und gefragt, wie das gehen solle. „Sie sind aber begriffsstutzig Herr Biallo, sonst denken Sie doch auch immer so schnell.“

„Erklären Sie es uns doch einfach." Er meinte, das sei wie bei den Tankstellen und den Benzinpreisen. Morgens ist der Sprit billig und abends ist der Sprit teurer. „Kapieren Sie es jetzt?“, fragt er.

Nicht ganz, aber schon ein bisschen mehr. Er redet weiter: „Immer wenn Leute, die nicht Kunde einer Sparkasse sind, am Abend viel Sprit in Form von Alkohol getankt haben, müssen sie eine höhere Gebühr am Automaten zahlen als vormittags, wenn die Leute noch nüchtern sind."


Wo sind denn diese Automaten, wollten wir wissen. Er antwortete: „In der Düsseldorfer-Altstadt natürlich, wo sich Leute vergnügen und sich dem Düsseldorfer Alt-Bier hingeben.“ Welche Bank macht so etwas?

Er antwortete mit einem Augenzwinkern: „Ich kann nur so viel sagen, es sind rote Automaten".

Ein Recherche-Team auf Geldautomaten-Suche

Wir wollten das nicht glauben und haben deshalb vier Profis unseres Recherche-Teams nach Düsseldorf geschickt. Dieses Recherche-Team musste natürlich nüchtern bleiben. Sie fanden vor Ort in der Altstadt Geldautomaten der Stadtsparkasse, der Sparda-Bank und von Euronet, dem größten unabhängigen Geldautomaten-Betreiber in Deutschland.

Die Leiterin des Recherche-Teams Ruth K. rief uns aufgeregt um 18 Uhr an, welche Automaten sie überprüfen sollten. Der Stadtsparkasse und der Sparda-Bank trauten wir ein solches Schurkenstück nicht zu. Wir gaben daher den Auftrag, um 18 Uhr und um 23 Uhr die Automaten von Euronet, die uns schon in Berlin negativ aufgefallen sind, zu überprüfen. Hier können Sie, wenn Sie diese Geschichte zu Ende gelesen haben, noch mal die unglaubliche Story aus Berlin nachlesen.

Das Ergebnis der Recherche war anfangs ernüchternd. Denn zu beiden Zeiten war der Preis am Geldautomaten mit 4,75 Euro zwar hoch, aber gleich hoch. Sollten wir einem Hochstapler aus einer großen Kreditkartenorganisation aufgesessen sein?

Wir riefen ihn zwei Tage später an und teilten ihm unser Recherche-Ergebnis mit, dass wohl nichts dran sei, an seiner Geschichte. Er sagte dann, „die Farben der Geldautomaten von Euronet sind blau und gelb“. Ich hatte ihnen eigentlich etwas anderes erzählt. Die Geldautomaten, die er meinte, hätten eher die Farbe von Bayern München.

Wir hatten große Zweifel, ob diese Angabe wirklich korrekt war. Um diese Zweifel auszuräumen, schickten wir Ruth und ihre drei Kolleginnen noch einmal los. Die Geldautomaten der Sparda-Bank sind blau. Also blieben nur noch die Geldautomaten der Stadtsparkasse Düsseldorf übrig.

Um 18 Uhr war es noch einfach eine girocard der Deutschen Bank in Automaten der Stadtsparkasse Düsseldorf hineinzuschieben. Ruth wollte zum Schein 50 Euro abheben. Der Automat zeigte um diese Zeit eine Gebühr in Höhe von 5,95 Euro an.

Die Aufgabe, gegen 23 Uhr die gleiche Überprüfung durchzuführen, gestaltete sich schwierig. Vor Ruth hatte sich eine ganze Reihe angetrunkener Kneipengänger aufgebaut, um neues Geld für neuen Alt-Sprit nachzutanken. Als sie endlich an der Reihe war, war die Überraschung groß.


Raten Sie mal wie das Ergebnis jetzt ausfiel?

Uerige Obergärige Hausbrauerei in DüsseldorfAuch diesmal sah sie den Preis von 5,95 Euro auf dem Terminal des Sparkassen-Geldautomats. Ihre Enttäuschung war groß, so dass Sie das mit drei Glas Alt in der Hausbrauerei Uerige, Berger Straße 1, herunterspülen musste.

Wir waren enttäuscht, wollten aber dennoch die Wahrheit wissen. Wir wandten uns an die Pressestelle der Stadtsparkasse Düsseldorf. Frau Franziska Wendt teilte uns somit offiziell mit, dass es eine Zeitsteuerung der Geldautomaten-Gebühren nicht gebe.

Das können wir glauben oder nicht.

Wir wollten uns mit diesem mageren Recherche-Ergebnis für Sie nicht zufrieden geben und baten Ruth, die allmählich die Geduld verlor, doch mal nachzuschauen, wie der Preis für Fremdabhebegebühren bei anderen Sparkassen-Automaten ist.

Und siehe da: An mehreren Stellen außerhalb des Kneipenviertels wurde ein deutlich niedrigerer Betrag angezeigt.

Wir wollten dann von der Stadtsparkasse Düsseldorf wissen:

1. Wie viele Geldautomaten stellen Sie Ihren Kunden zur Verfügung?
2. Ist der Preis für das Abheben von Bargeld bei allen Ihren Automaten gleich hoch?
3. Oder ist er unterschiedlich hoch?
4. Wenn ja, wo sind die Automaten günstiger und wo teurer?

Die Stadtsparkasse Düsseldorf blieb hier erkennbar bei der Wahrheit.

  • 11 von 170 Geldautomaten verlangen von Leuten, die keine Sparkassen-Kunden sind, und dies dürfte die Mehrheit aller Abheber sein, 5,75 Euro.


Und sie nannte uns auch die Orte, an denen sie mehr Geld als gewöhnlich von fremden Kunden abkassieren.

Für alle unsere Leser, die sich nicht so gut wie Ruth und ihr Recherche-Team auskennen:

  • 8 der 11 Automaten befinden sich in der Partymeile
  • 1 Automat befindet sich an der Universitätsklinik nahe der Universität Düsseldorf
  • 1 Automat befindet sich in der Nähe vom Arbeitsamt Schlüterstraße 17-19

Was heißt das konkret?

Die Stadtsparkasse Düsseldorf ist ein öffentlich-rechtliches Institut. Sie hat eine besondere soziale Verantwortung gegenüber sozial Schwachen, Geringverdienern und Hilfebedürftigen - unabhängig davon, ob sie ihre Kunden sind oder nicht. Dennoch bedient sie sich am kleinen Geldbeutel von Studenten, Arbeitslosen und Leuten, die keine Sparkassen-Kunden sind. Aber auch eigene Kunden werden anderweitig zur Kasse gebeten. Ein Beispiel: Ein Geringverdiener zahlt bei der Stadtsparkasse Düsseldorf monatlich 6,50 Euro für das Girokonto. Das sind im Jahr fast 80 Euro.


Wir wollten dann noch wissen, ob die Stadtsparkasse Düsseldorf ein Einzelfall ist oder ihre werten Kollegen von anderen Sparkassen in Deutschland die gleiche kreative Abkassiererei durchführen.

Zum Glück nicht. Wir recherchierten in München-Schwabing, dem Hamburger Schanzenviertel, Freiburg und in Berlin-Friedrichshain. Also an Orten, wo vornehmlich junge Leute, vor allem Studenten, abends zechen und die Sparkassen-Automaten benutzen. Auch hier waren die Fremdabhebegebühren mit durchschnittlich fünf Euro überdurchschnittlich hoch.

Sie müssen wissen: Wer als Sparkassenkunde zur Deutschen Bank, Postbank oder Hypovereinsbank geht, zahlt dort vergleichsweise 1,95 Euro. Dass diese Marge völlig ausreichend ist, müssen wir annehmen. Denn diese Banken können viel besser rechnen, als alle Sparkassen. Denn deren Gewinne sind im Vergleich zu denen der Sparkassen deutlich höher.

Aber in allen vier Städten in denen unsere Recherche-Teams vor Ort nachforschten, war das Ergebnis:
 

  • Die Gebühren waren zwar hoch, aber zu jeder Tages- und Nachtzeit gleich hoch und nicht vom Standort abhängig.

Wir wollten Ruth, die im Norden von Düsseldorf kurz vor Duisburg am Rhein wohnt, nicht zumuten, auch noch nach Köln zu fahren. Auch dort gibt es ja Zonen, in denen sich vornehmlich junge Menschen vergnügen und Geldautomaten der Stadtsparkasse Köln-Bonn benutzen.

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Herausgeber und Gründer biallo.de
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