Das neue Verwirrspiel am Terminal

Kartenzahlung Das neue Verwirrspiel am Terminal

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
07.10.2016
Auf einen Blick

Wer mit der Bankkarte zahlt, hat künftig die Wahl: Girocard, Maestro oder V Pay! Welche Vorteile bringen Ihnen die Bezahlsysteme?

Artikelbewertung
Schrift

Bankkarte einstecken, Pin eingeben, Überweisung per Knopfdruck – ganz so schnell wird es nicht mehr ablaufen. Künftig kommt noch ein Zwischenschritt dazu.
So kann der Kunde vor der Bezahlung noch mit einer Taste wählen, welches Bezahlsystem er nutzen möchte: Girocard, Maestro oder V Pay.
Freie Wahl – das klingt erst mal gut. Doch was hat es damit wirklich auf sich?


Mehr Wettbewerb unter Banken?

Die neue Regelung kommt aus Brüssel. Die Verordnung „Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge“ gilt in Deutschland bereits seit dem 9. Juni 2016. Verbraucher sollen die freie Wahl erhalten, ob sie ihre Einkäufe beim elektronischen Bezahlen mit Girocard, Maestro oder V Pay abwickeln wollen. Mit der eingeräumten Wahlfreiheit will die EU den Wettbewerb ankurbeln. Zur Begründung heißt es aus Brüssel: „Die neuen Bestimmungen bieten den Verbrauchern die Möglichkeit, die kostengünstigste Marke zu wählen, und versetzen die Einzelhändler in die Lage, diese Marke zu begünstigen, um die Kosten möglichst gering zu halten.“
 

Verwirrspiel und „längere Wartezeiten“

Verbraucherschützer bezweifeln, dass der Kunde von der neuen Regelung profitieren wird. „Außer Verwirrung hat der Verbraucher im Moment nicht viel davon. Es kommt eher zu längeren Wartezeiten an den Kassen“, meint Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. Die gelernte Bankkauffrau geht nicht davon aus, dass die EU-Regelung zu mehr Wettbewerb unter den Kartendienstleistern führt und diese in der Folge ihre Gebühren senken. Dass die Händler die eventuell eingesparten Kosten dann wiederum an die Verbraucher weitergeben, hält sie ebenfalls für unwahrscheinlich. „Das sind mir viel zu viele Wenn und Aber“, so Oelmann weiter.

Wer profitiert davon? Der Sparkassenverband sieht allenfalls einen Vorteil für die US-Kartendienstleister Visa und Mastercard. „Diese wollen den deutschen Debitkartenmarkt angreifen und wittern natürlich jetzt ihre Chancen“, sagt Christian Löfflmann, Referent beim bayrischen Landesverband. Schließlich sei Girocard in Deutschland bislang unangefochtener Marktführer. Löfflmann erkennt auch eine gute Lobbyarbeit der US-Zahlungsdienstleister.


Verschiedene Bezahlsysteme auf einer Karte

In Deutschland wurde die umgangssprachlich immer noch gebräuchliche „EC-Karte“ ab 2007 durch die Girocard abgelöst. Wer sich seine Bankkarte genau ansieht, kann neben dem Girocard-Symbol auch ein V Pay- oder Maestro-Logo auf seiner Karte erkennen. Dabei gehört V Pay zum Zahlungsdienstleister Visa und Maestro zum Wettbewerber Mastercard. Mit beiden Systemen kann man auch im Ausland bezahlen oder Geld abheben. Mit V Pay in ganz Europa und einigen anderen Ländern - wie etwa in der Türkei. Mit Maestro sogar weltweit. Das Girocard-System funktioniert dagegen nur in Deutschland.


Einzelhandel präferiert Girocard

Die Händler bevorzugen bislang Girocard. Hier fallen üblicherweise 0,2 Prozent der bewegten Summe als Gebühr an, während sich die Kosten beim Einsatz von Maestro oder V Pay in etwa auf das Doppelte belaufen. „Grund dafür sind zusätzliche Kosten, die durch den notwendigen zusätzlichen Vertragspartner des Händlers – dem sogenannten Acquirer - entstehen, der bei Girocard wegen der direkten Abwicklung mit den Banken nicht entsteht“, erklärt Ulrich Binnebößel, Zahlungsexperte beim Branchenverband HDE.
 

Flächendeckende Umrüstung der Bezahlterminals erst 2017

Bis alle 800 000 Bezahlterminals in Deutschland umgerüstet sind, wird es noch einige Zeit dauern. „Wir rechnen damit, dass im Frühjahr nächsten Jahres die meisten Terminals umgestellt sein werden“, schätzt Binnebößel. Als Grund für die Verzögerung führt der Zahlungsexperte die technischen Herausforderungen an. „Zum einen muss die Umstellung der Verordnung gerecht werden und eine diskriminierungsfreie Auswahl der Zahlungsinstrumente ermöglichen. Zum anderen darf der Zahlvorgang nicht unnötig komplizierter werden, was am Ende zu längeren Prozessen, Unsicherheiten beim Kunden und unnötigen Wartezeiten führen könnte“, sagt Binnebößel.
 

Keine Wahl ist auch eine Wahl

Wem die Schweißperlen am Zahlungsterminal schon auf dem Gesicht geschrieben stehen, der sei beruhigt: Sie können die neue Auswahltaste auch einfach ignorieren und wie gewohnt zahlen. Dann nehmen Ihnen die Händler die Entscheidung ab und der Bezahlprozess wird wie bisher abgewickelt. In diesem Fall wohl auch weiterhin mit Girocard.

3
 
Anbieter
Ertrag pro Jahr
Dispozinsen
Guthabenzinsen
 
1.
 +6,10 €
6,90%
 bis 0,4%
2.
 +5,34 €
6,99%
 bis 0,35%
3.
 +4,58 €
8,99%
 0,3%
Geldeingang 2.500 €, niedrigster Kontostand 900 €
Ihre Meinung ist uns wichtig
Sebastian Schick
Sebastian Schick
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Sebastian Schick
Sebastian Schick

nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Drucken
Zur Startseite
Sebastian Schick
Sebastian Schick

nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein: