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28.11.2013 11:36

Dispozinsen Der Dispo-Deckel kommt nicht - was tun?

von Sabina Hoerder Autor und und
Die Große Koalition wählt nur die kleine Lösung: Statt die Dispo-Zinsen nach oben zu begrenzen, sollen die Banken nur besser aufklären. Es bleibt für Verbraucher also teuer - wenn sie nicht handeln.
Dispozinsen und Überziehungszinsen Aktuell verlangen Banken und Sparkassen im Schnitt 11,25 Prozent Dispozinsen Verbraucherportal Biallo.de
Kämpfer gegen superhohe Dispozinsen: Verbraucherzentralen-Chef Gert Billen fordert schon lang einen Dispo-Deckel. Bisher vergebens.
Es hat nichts genützt: Seit Jahren kämpfen Verbraucherschützer gegen Dispozinsen am Rande des Wuchers - und für eine Beschränkung zu hoher Raten. Doch auch im neuen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD steht nur lapidar: Banken sollen "verpflichtet werden, beim Übertritt in den Dispositionskredit einen Warnhinweis zu geben.“ Und nur, falls der Kunde ständig erheblich sein Konto überzieht, sollen sie ihn beraten, wann und wie es auch billiger gehe. Unverbindlich, aber beileibe nicht kostenlos.

Wer einen Dispositionskredit in Anspruch nimmt, der soll nicht übermäßig belastet werden, steht nun im Koalitionsvertrag. Ein frommer Wunsch - denn bei den meisten Banken ist das Gegenteil der Fall, wie Deutschlands umfangreichster Konditionenvergleich belegt: Der durchschnittliche Zinssatz für Dispokredite liegt demnach bei horrenden 10,95 Prozent. Damit ist er in den zurückliegenden zwölf Monaten um weniger als einen halben Prozentpunkt gesunken - und zuletzt sogar gestiegen. Das zeigt der Biallo-Index Dispozinsen, eine Auswertung von mehr als 300 Angeboten in der Langzeitbetrachtung. Wer sein Konto darüber hinaus überzieht, muss hierfür Zinsen von durchschnittlich 15,48 Prozent Überziehungszinsen an die Bank oder Sparkasse zahlen.

Trotz dieser für Verbraucher allenfalls in der Tendenz günstigen Entwicklung, sind die Dispozinsen immer noch unangemessen hoch, wie Verbraucherschützer gemeinsam mit biallo.de immer wieder kritisieren.

Dispozinsen von zehn Prozent sind hoch genug

Eine Studie des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), für die auch auf die Datenbasis von biallo.de zurückgegriffen wurde, ist zu dem Ergebnis gekommen: Auch mit Zinssätzen von zehn Prozent für die eingeräumte und geduldete Überziehung können Filial- und Direktbanken durchaus „profitabel arbeiten“. Die Refinanzierungskosten der Banken sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Hierdurch könnten die teuren Dispozinsen nicht erklärt werden. Zudem sei weder der Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand gestiegen, noch rechtfertige die Ausfallquote - also die Nichtbegleichung der Schuld durch den Kunden - hohe Preise. Die Quote der Kreditausfälle in diesem Bereich liege bei 0,3 Prozent – im Vergleich zu 2,5 Prozent bei Ratenkrediten.
Verbraucherministerin Ilse Aigner forderte bereits im Sommer fairere Konditionen und kündigte ein Spitzengespräch mit den Vertretern von Banken, Verbrauchern und Schuldnerberatungen an. Verbraucher müssen jedoch nicht so lange warten, bis das Verbraucherschutzministerium etwas bewegt hat - oder die Banken und Sparkassen von sich aus ein Einsehen mit ihren Kunden haben.

Anlässlich einer Auswertung der Stiftung Warentest, die ebenfalls zum Ergebnis kam, dass die Dispozinsen zu hoch seien, erklärte die Deutsche Kreditwirtschaft, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Höhe des EZB-Leitzinses einerseits und den Dispozinsen andererseits gebe. Daher sei die Differenz zwischen EZB-Leitzins und Dispozins nicht mit der Gewinnmarge der Kreditinstitute gleichzusetzen, so eine Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft (DK). Bei der DK handelt es sich um die Nachfolgerin des Zentralen Kreditausschusses (ZKA). Darin zusammengeschlossen sind die Verbände der Volks- und Raiffeisenbanken, der deutschen Banken und dem Sparkassen- und Giroverband.   
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Mit diesen vier Tipps brauchen Sie sich künftig nicht mehr über teure Dispozinsen ärgern:


1. Passendes Girokonto wählen

Wer dazu neigt, immer wieder mal zu überziehen, sollte mit Bedacht sein Girokonto wählen: Der Biallo-Girokonto-Vergleich zeigt: Während bei teuren Konten der Dispozins bis zu 14 Prozent betragen kann, verlangen günstige Anbieter acht Prozent und weniger. So fallen bei der Deutschen Skatbank 5,00 Prozent an, bei der DAB Bank 7,50 und bei der DKB 7,90 Prozent. Sind beim alten Konto noch dazu häufig Gebühren fürs Geldabheben fällig, kann sich der Umzug zu einem anderen Anbieter rasch bezahlt machen.

2. Dispokredit in Ratenkredit umschulden
Eigentlich überziehen Sie Ihr Konto nicht, aber die teure Autoreparatur hat ordentlich ins Kontor geschlagen und nun wird das Minus nur langsam weniger? Dann kann ein Ratenkredit die bessere Alternative zum Dispo sein. Der Biallo-Index für Ratenkredite weist im Moment für zwölf Monate Laufzeit einen Durchschnittszins von 5,95 Prozent aus – erheblich weniger als bei den allermeisten Dispokrediten. Beispielsweise die Santander bietet einen Kredit über 2.500 Euro bei einem Jahr Laufzeit für 2,99 Prozent effektiv an. Beim Onlinekredit von Targobank und Bank 11 sind 4,99 bzw. 4,44 Prozent fällig.

3. Abrufkredit statt Dispokredit
Rutscht das Girokonto immer mal wieder in die roten Zahlen, lässt sich durch einen Abrufkredit viel Geld sparen. Dahinter steckt ein zusätzliches Kreditkonto, das dauerhaft eine gewisse Kreditlinie bereitstellt. Der Abrufkredit – manchmal wird er auch Rahmenkredit genannt – kann auch bei einer anderen Bank abgeschlossen werden als bei der, bei der man sein Girokonto hat. Die Kreditlinie kann man beliebig oft in Anspruch nehmen und die Tilgung ist bei vielen Banken frei wählbar. Einige Banken verlangen aber auch eine monatliche Mindesttilgung. Zinsen werden nur für das tatsächlich abgehobene Geld fällig. Einen Kreditrahmen von 5.000 Euro gibt es bereits ab 4,85 Prozent (Bank 11). Ausführlich informiert der Biallo.de-Abrufkredit-Vergleich über die aktuellen Konditionen. Aber aufgepasst: Man sollte den Abrufkredit nicht zusätzlich zum Dispo in Anspruch nehmen. Rasch werden die Schulden sonst unüberschaubar. Steigt der Zinssatz für den Rahmenkredit, kann die Schuldenfalle drohen. Auch wenn die Bank keine feste Tilgung vorschreibt, sollten Kreditnehmer sich disziplinieren und monatlich einen festen Betrag per Dauerauftrag zurückzahlen.

4. Hilfe der Schuldnerberatung annehmen
Millionen Deutsche sind bereits hoffnungslos überschuldet. Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Klettert Ihr Kontostand immer weiter in die Miesen? Besteht tatsächlich Aussicht auf schwarze Zahlen? Sollte dies nicht der Fall sein, leisten die rund 950 kostenlosen Schuldenberatungsstellen der Verbraucher- und Wohlfahrtverbände in Deutschland Hilfe: www.meine-schulden.de
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Leserkommentare
Kommentare können sich auf eine ältere Version des Artikels beziehen.
29.11.2013 - von erasmus
Dispokredit
Es ist so wie immer. Da werden Vereinbarungen getroffen, die am Ende nichts wert sind. Handlungsbedarf wäre längst gegegeben, den Banken die Grenzen aufzuzeigen. Der Dispokredit wird weiterhin teuer bleiben und Viele werden abgezockt, die mal etwas mehr Geld brauchen, als es der Kontostand hergibt. Es werden weiterhin faule Anlagen verkauft. Trotz Finanzkrise bleibt alles beim alten. Wenn wieder eine Bank fast an die Wand gefahren wird, wir Steuerzahler werden in die Haftung genommen.
21.11.2012 - von Erwin Meyer
@ W.Wiedemann
Herr/Frau Wiedemann - mit welchen illegalen Machenschaften zwingt die Volksbank Ebingen eG Sie denn dort ein Konto zu unterhalten und dieses auch noch zu überziehen? Das müssen ja wirklich böse Piraten sein wenn Sie so unter Druck gesetzt werden.
17.10.2012 - von W.Wiedemann
Überziehungs-Sollzinssatz noch unverschämter
Meine Bank die Volksbank Ebingen eG verlangt für eine geduldete Überziehung einen Sollzinssatz von sage und schreibe 17,15%. Ein grandioses Piratenstück.
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