Gesetzliche Krankenversicherung So senken Selbstständige ihre Beiträge

Gesetzliche Krankenversicherung So senken Selbstständige ihre Beiträge

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
11.02.2015
Auf einen Blick

Rund 320 Euro Monatsbeitrag allein für die Krankenversicherung. So viel müssen auch Selbstständige mit niedrigem Einkommen in der Regel zahlen, wenn sie freiwillig gesetzlich versichert sind. Wer Bescheid weiß, kann die Beiträge allerdings um bis zu ein Drittel senken.

Artikelbewertung
Schrift

Die Regel

Der Monatsbeitrag für Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung wird im Regelfall auf Grundlage der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 4.125 Euro berechnet. Das macht dann - je nach Höhe des Zusatzbeitrages, den die jeweilige Kasse erhebt -  bis zu 630 Euro (mit Anspruch auf Krankengeld) im Monat für die Krankenversicherung. Hinzu kommen noch die Beiträge für die Pflegeversicherung.

Ausnahme

Wer niedrigere Gewinne hat, muss dies nachweisen, die Kassen verlangen dann auch nur niedrigere Beiträge. Die Beiträge werden dann aber mindestens auf Grundlage von 75 Prozent der monatlichen Bezugsgröße berechnet. Diese entspricht etwa dem Durchschnittseinkommen der Versicherten. 75 Prozent hiervon sind 2015 immerhin 2126,25 Euro. Daraus ergibt sich ein monatlicher Beitrag von rund 330 Euro (mit Anspruch auf Krankengeld).

Härtefall-Einstufung möglich

Doch auch das ist für viele Selbstständige kaum tragbar. Wer niedrigere Einkünfte hat, sollte umgehend mit seiner Krankenkasse Kontakt aufnehmen. Nach Paragraph 240 Abs. 4 SGB V kann er nämlich eine Einstufung als Härtefall beantragen. Ein Alleinstehender, der beispielsweise einen Betriebsgewinn in Höhe von 1400 Euro hat, muss auf dieser Grundlage Beiträge entrichten. Mindestens werden die Beiträge aber auf Basis von  1.417,50 Euro berechnet, was einem Monatsbeitrag von rund  220 Euro (mit Anspruch auf Krankengeld) entspricht. Eine Härtefall-Neueinstufung ist erst ab dem Folgemonat nach der Beantragung möglich. „Die Feststellung der sozialen Härte sollte also umgehend beantragt werden“, rät Renate Marzioch von der Knappschaft.

Partnereinkommen

Komplizierter wird es für diejenigen, die in einer Partnerschaft leben, wobei auch die eheähnliche Partnerschaft zählt. Eine soziale Härte liegt dann vor, wenn die Hälfte des gesamten Einkommens der Bedarfsgemeinschaft geringer ist als 75 Prozent der monatlichen Bezugsgröße (2015: 2126,25 Euro). Für jedes in der Bedarfsgemeinschaft lebende Kind, das familienversichert ist, wird ein Betrag in Höhe von einem Fünftel der monatlichen Bezugsgröße (2015 = 567 Euro) vom Einkommen der Bedarfsgemeinschaft abgesetzt.

Beispiel

Eine Selbstständige erzielt nur noch einen monatlichen Gewinn in Höhe von 1.200 Euro. Das Einkommen ihres Ehemanns beträgt monatlich 2.800 Euro brutto, so dass die Bedarfsgemeinschaft (BG) nach den Rechen-Regeln der Krankenkassen über Einkünfte in Höhe von monatlich 4.000 Euro verfügt. Das Paar hat zwei Kinder. Bei der Berechnung des Einkommens der Bedarfsgemeinschaft werden für jedes Kind 567 Euro abgezogen. Das rechnerische Einkommen des Paars reduziert sich damit auf (4000 Euro minus 1134 Euro =) 2866 Euro. Die Hälfte davon, das sind 1433 Euro. Dieser Betrag liegt unterhalb von 75 Prozent der monatlichen Bezugsgröße. Somit ist diese Voraussetzung für das Vorliegen der sozialen Härte erfüllt. Die Beiträge werden dann auf Grundlage eines (fiktiven) Einkommens in Höhe von 1.417,50 Euro berechnet. Eine Berechnung auf Grundlage des tatsächlichen Gewinns in Höhe von 1.200 Euro ist nicht möglich, da dieser Betrag die Mindestbemessungsgrundlage von 1.417,50 Euro unterschreitet.

Vermögen

Wenn die Krankenkasse prüft, ob die Härtefallregelung anzuwenden ist, zählt allerdings – so die Knappschafts-Expertin – auch das Vermögen des Versicherten und seines Partners. Als Härtefall gilt 2015 niemand, dessen Vermögen höher als 11.340 Euro ist. Rücklagen fürs Alter zählen allerdings nicht mit. Als Härtefall gilt zudem nicht, wer steuerpflichtige Einnahmen aus Kapitalvermögen erzielt oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung.

Einkommensnachweis per Einkommensteuerbescheid

Die Einstufung von Selbstständigen durch die Krankenkassen erfolgt auf Basis des Gewinns, den die Betroffenen zuletzt laut Steuerbescheid erzielt haben. Zu Beginn der selbstständigen Tätigkeit wird die Grundlage der Beitragsbemessung zunächst nur vorläufig festgesetzt – und zwar in der Regel aufgrund von Erklärungen eines Steuerberaters bzw. Schätzungen der zu erwartenden Einnahmen durch den Versicherten. Endgültig abgerechnet wird dann erst später nach Vorlage des Steuerbescheids.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Rolf Winkel
Rolf Winkel
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Rolf Winkel
Rolf Winkel

ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Drucken
Zur Startseite
Rolf Winkel
Rolf Winkel

ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein: