Das kommt auf Bundesbürger zu

Neuerungen 2017 Das kommt auf Bundesbürger zu

Max Geißler
von Max Geißler
21.11.2016
Auf einen Blick

Mit dem Jahreswechsel treten wieder zahlreiche Änderungen für Arbeitnehmer, Steuerzahler und Verbraucher in Kraft.

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Eine Ausnahmeregelung dürfte nächstes Jahr alle Arbeitnehmer freuen: Anlässlich des Reformationsjubiläums ist der 31. Oktober 2017 bundesweit Feiertag. An diesem Tag jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der Thesen Martin Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg. Der bundesweite Feiertag ist auf das Jahr 2017 beschränkt. Ab 2018 gilt er – wie bisher – nur in den protestantischen Bundesländern. Was sich ab kommendem Jahr dauerhaft ändert, lesen Sie im Folgenden:

Weniger Einkommensteuern für alle Bürger

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) möchte Steuerzahler entlasten, indem er einen Teil der staatlichen Mehreinnahmen ab 2017 an die Bürger zurückgibt. Geplant sind Steuererstattungen von insgesamt 6,3 Milliarden Euro. Eine Erleichterung betrifft alle Steuerzahler: Der Grundfreibetrag steigt Anfang des nächsten Jahres um 170 Euro auf dann 8.822 Euro für Ledige bzw. 17.644 Euro für Verheiratete. Bis zu diesem Betrag verlangt der Staat keine Steuern auf Einkommen, sei es Arbeitslohn, Gehalt, Pension oder Mieteinkünfte. Ab 2018 soll der Freibetrag um weitere 200 Euro für Ledige bzw. 400 Euro für Eheleute steigen.

Steuerprogression wird entschärft

Weitere Entlastung winkt Beschäftigten durch die Verschiebung der Steuerkurve. Damit von künftigen Lohnsteigerungen mehr bei den Beschäftigten ankommt, sollen die Eckwerte des Einkommensteuertarifs nach oben verschoben werden. Folge: Die Steuerprogression fällt schwächer aus, höhere Steuersätze greifen jeweils erst später. Für 2017 ist eine Verschiebung der Steuerkurve um 0,73 Prozent geplant, für 2018 von 1,65 Prozent.

Steuererklärung hat mehr Zeit

Ab 2017 gelten neue Fristen für die Abgabe der Steuererklärung: Die Erklärung muss erst zwei Monate später als bislang beim Finanzamt eingehen. Die Steuererklärung für 2017 also erst zum 31. Juli 2018. Übernimmt ein Steuerberater die Arbeit, muss die Erklärung erst Ende Februar des übernächsten Jahres fertig sein. Aber Achtung: Mit der Verlängerung steigen auch die Verspätungszuschläge! Künftig müssen Sie keine Belege mehr beim Finanzamt einreichen, sondern diese nur noch zu Hause vorhalten und auf Forderung an das Finanzamt senden.

Höherer Kinderfreibetrag und mehr Kindergeld für Eltern

Eine weitere, verfassungsrechtlich gebotene Anpassung, ist die Erhöhung des Kinderfreibetrags. Dieser greift bei gut verdienenden Eltern, wenn die Steuerentlastung durch den Kinderfreibetrag höher ist als das erhaltene Kindergeld. Der Freibetrag steigt ab Januar 2017 von derzeit 4.608 Euro auf 4.716 Euro – ein Plus von 108 Euro. Ab 2018 sollen weitere 72 Euro hinzukommen. Damit Eltern mit geringem bzw. durchschnittlichem Einkommen nicht leer ausgehen, wird das Kindergeld um zwei Euro pro Kind angehoben.

Hartz IV-Sätze für Kinder steigen deutlich

Hartz IV-berechtigte Schulkinder unter 14 Jahren erhalten ab Januar mehr Geld: Der Regelsatz für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren steigt von 270 auf 291 Euro. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren erhalten hingegen nur fünf Euro mehr im Monat und kommen dann auf 311 Euro. Das gleiche gilt für ledige Erwachsene. Ehepaare bekommen ab nächstem Jahr 368 statt bisher 364 Euro.

Höhere Grunderwerbsteuer bei Immobilienkauf

Seitdem die Bundesländer die Grunderwerbsteuer selbst festlegen dürfen, wird kräftig an der Steuerschraube gedreht. Bereits 26-mal wurde die Steuer in den vergangenen Jahren erhöht. Dadurch stieg die Grunderwerbsteuer von einstmals bundesweit 3,5 Prozent auf bis zu 6,5 Prozent in den Ländern Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Schleswig-Holstein. Und die nächste Erhöhung ist bereits beschlossen: Ab Januar 2017 wird Thüringen ebenfalls 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer kassieren. Bei einer Immobilie über 400.000 Euro sind dann 26.000 Euro für den Fiskus fällig! Lediglich Bayern und Sachsen begnügen sich noch mit dem ehemaligen Steuersatz von 3,5 Prozent.

Höhere Umzugspauschale

Wenn Sie beruflich bedingt umziehen, können Sie die Kosten entweder pauschal oder einzeln aufgelistet steuerlich absetzen. Das Finanzamt akzeptiert den Wohnungswechsel dann steuermindernd, wenn sich die tägliche Gesamtfahrtzeit um mindestens eine Stunde verkürzt. Auch die Auslagen für einen durch den Umzug bedingten Zusatzunterricht für die Kinder sind steuerlich absetzbar. Die Umzugspauschalen erhöhen sich ab Februar 2017 für Verheiratete von 1.493 Euro auf 1.528 Euro. Ledige genießen jeweils den halben Betrag. Für jedes weitere zum Haushalt gehörende Kind oder andere Personen spendiert der Fiskus 337 Euro extra.

Tipp: Auch wenn Sie aus privaten Gründen umziehen, können Sie das Finanzamt beteiligen. Speditions- und Umzugskosten sind bis zur Höhe von 20.000 Euro im Jahr als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzbar. 20 Prozent davon, maximal 4.000 Euro verringern direkt die persönliche Steuerschuld.

Spenden steuerlich absetzen

Möchten Sie Spenden oder Mitgliedsbeiträge als Sonderausgaben absetzen, fordert das Finanzamt eine Zuwendungsbestätigung oder einen Spendennachweis. Bei Kleinspenden unter 200 Euro genügt ein vereinfachter Nachweis, etwa ein privater Ausdruck der Online-Überweisung. Durch das Gesetz zur „Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“ ändert sich ab 2017 diese Praxis. Künftig müssen Sie Spendennachweise nur noch vorlegen, wenn der Fiskus explizit danach fragt. Das Finanzamt kann die Vorlage bis zum Ablauf eines Jahres ab Bekanntgabe des Steuerbescheids verlangen. Alternativ können Spender den Spendenempfänger bevollmächtigen, den Spendennachweis elektronisch an das Finanzamt zu übertragen. Dann muss man die Zuwendungsbestätigung nicht mehr selbst aufbewahren.

Höhere Sozialabgaben für Besserverdiener

Mehr Abgaben kommen auf Beschäftigte mit hohem Einkommen zu. Die Beitragsbemessungsgrenzen in den Sozialkassen steigen wie fast jedes Jahr deutlich an.

Rentenversicherung: In der Renten- und Arbeitslosenversicherung West klettert der Satz, bis zu dem Pflichtbeiträge anfallen, von 6.200 Euro auf 6.350 Euro Monatsbrutto. Im Osten steigt der Satz gleich um 300 Euro, und zwar von 5.400 auf 5.700 Euro pro Monat. Beim aktuellen Beitragssatz von 18,7 Prozent müssen Gutverdiener im Westen mit einer Mehrbelastung von 14 Euro im Monat rechnen, im Osten sind es satte 28 Euro. Den gleichen Betrag steuert der Arbeitgeber bei.

Kranken- und Pflegeversicherung: Hier geht es vergleichsweise moderat zu. Die bundesweit einheitliche Beitragsbemessungsgrenze steigt von 4.237,50 Euro auf 4.350 Euro. Das entspricht einem Jahreseinkommen von 52.200 Euro. Für Beitragszahler bedeutet dies eine Mehrbelastung von Minimum 9,50 Euro im Monat, wenn das Gehalt die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt. Zudem erheben fast alle Krankenkassen Zusatzbeiträge. Die Verdienstgrenze, bis zu der Arbeitnehmer pflichtversichert sind klettert auf 4.800 Euro pro Monat. Wer zwei Jahre hintereinander mehr verdient, kann sich privat krankenversichern.

Höherer Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung

Zum 1. Januar tritt das neue Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Es ersetzt die bisherigen drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade. Damit wird vor allem Versicherten mit geistiger Beeinträchtigung besser Rechnung getragen. Geistige und körperliche Einschränkungen werden künftig gleichermaßen erfasst und in die Pflegebedürftigkeit einbezogen. Positiv: Die Leistungen der Pflegeversicherung erhöhen sich auf breiter Front. Dafür müssen gesetzlich Versicherte einen Wermutstropfen schlucken: Der Beitrag zur Pflegeversicherung steigt um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent, Kinderlose zahlen künftig 2,80 Prozent.

Licht und Schatten bei der privaten Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge: Die steigende Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung hat Auswirkungen auf die betriebliche Altersvorsorge (bAV). So erhöht sich der förderfähige Höchstbetrag, also der Lohnanteil, den man ohne Abzug von Steuer- und Sozialversicherungsbeiträgen in Betriebsrente umwandeln darf, auf monatlich 254 Euro. Eine Anhebung bis auf acht Prozent ist in der Diskussion.

Basis-Rente: Einzahlungen bei der sogenannten Rürup-Rente können Sie zu einem bestimmten Teil steuerlich geltend machen. Ab 2017 steigt der dazu mögliche Höchstbetrag auf 23.632 Euro für Ledige bzw. 46.724 Euro für Verheiratete mit zwei Rürup-Verträgen. Davon können Versicherte 84 Prozent steuerlich ansetzen. Im Maximalfall wirken also bis zu 19.624 bzw. 39.248 Euro steuermindernd. Ab 2025 sind dann einhundert Prozent der Einzahlungen absetzbar.

Übergang in den Ruhestand wird flexibler

Das sogenannte Flexi-Rentengesetz ermöglicht künftig Arbeitnehmern zwischen 63 und 67 Jahren durch eine bessere Kombination von Teilrente und Teilzeitarbeit einen individuell gestaltbaren Übergang in die Rente. Wer sich für die Teilrente entscheidet, der kann eine anrechnungsfreie Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro jährlich in Anspruch nehmen. Darüber liegende Verdienste sollen zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet werden. Das gilt auch für Erwerbsminderungsrenten. Die bisherigen starren Teilrentenstufen und Verdienstgrenzen entfallen. Wer eine vorgezogene Vollrente bezieht und trotzdem weiterarbeitet, erhöht mit den Beitragszahlungen seine künftigen Rentenansprüche. Außerdem können Versicherte früher und flexibler als bisher zusätzliche Beiträge in die Rentenkasse einzahlen und so Rentenabschläge ausgleichen.

Garantiezins für Lebensversicherung sinkt

Schlechte Nachrichten für Vorsorgesparer: Wenn Sie ab 2017 eine klassische Lebens- oder private Rentenversicherung abschließen wollen, dann erhalten Sie nicht mehr eine Garantieverzinsung von 1,25 Prozent, sondern nur noch von 0,90 Prozent. Auf bestehende Versicherungsverträge hat die Neuregelung allerdings keinen Einfluss. Positiv: Die Ablaufleistungen der Policen sind vom sinkenden Garantiezins nur bedingt betroffen, da zu den garantierten Leistungen die erwirtschafteten Überschüsse hinzukommen. Die Beteiligung der Versicherten an den Risikoüberschüssen der Versicherungsgesellschaften ist zuletzt bis auf 90 Prozent angestiegen.

Rauchmelderpflicht in mehreren Bundesländern

Ab 2017 müssen sowohl Altbauten als auch Neubauten in NRW und dem Saarland mit Rauchmeldern ausgestattet sein. Zudem führt Berlin zum 1. Januar eine Rauchmelderpflicht für Neubauten ein. Wichtig: Eigentümer und Vermieter, die der Pflicht zur Installation von Rauchmeldern nicht nachkommen, begehen nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern gefährdet unter Umständen auch den Schutz ihrer Hausratversicherung oder Gebäudeversicherung.

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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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