Gesundheit Wie Sie das beste Krankenhaus wählen

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
28.09.2016
Auf einen Blick

Knie-Operation, neue Hüfte, Bypass-OP: Es gibt viele Operationen, bei denen Zeit und Ort geplant werden können. So liegen Sie richtig.

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„Ich bin im letzten Jahr an einem Aneurysma, einer Aussackung der Bauch-Schlagader, operiert worden. Eine gefährliche Sache“, erklärt der 70-jährige Hans S., der in einem kleinen Ort am Süddeutschland lebt. „Diese Operation hätte ich nie in einem kleinen Krankenhaus bei uns in der Nähe machen lassen, das im Jahr höchstens zehn solcher OP’s durchführt.“ Der Wahlspruch des Rentners: „Geh nicht zum Schmiedle, wenn es einen Schmied gibt.“ Hans S. hat sich deshalb entschieden, den Eingriff in einem für solche OPs gut bewerteten Krankenhaus in Heidelberg durchführen zu lassen. Bei der Suche hat er sich auf eines der Klinik-Such-Portale gestützt, die man – wie etwa die „Weisse Liste“ – im Internet findet. Nun ist er wieder ganz gesund.

Freie Krankenhauswahl: Privat Versicherte können grundsätzlich das Krankenhaus frei wählen. Aber auch gesetzlich Versicherte haben die freie Krankenhauswahl. Fast jedenfalls. Sie können in Deutschland unter rund 1.800 Krankenhäusern wählen. Lediglich 180 Privatkliniken, mit denen die gesetzlichen Kassen keinen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben, kommen für sie – außer in Notfällen – nicht in Frage.

Einweisung erforderlich: Liegt kein Notfall vor, so brauchen Patienten eine Krankenhauseinweisung, um in eine Klinik aufgenommen zu werden. Diese stellen niedergelassene Ärzte aus. Dabei sollen sie – laut Gesetz – die beiden nächsten erreichbaren und geeigneten Krankenhäuser angeben. Doch auch eine „Blanko-Verordnung“ ist im Ausnahmefall möglich, „wenn der Arzt meint, dass die Angabe eines konkreten Krankenhauses nicht sinnvoll ist“, erklärt Michael Ihly von der Techniker Krankenkasse.

Eigene Wünsche: Hans S. hat sich gründlich informiert, welche Krankenhäuser die Aneurysma-Operation häufig vornehmen und wo es wenig Komplikationen gibt. „Ich habe auch mit den operierenden Ärzten gesprochen und dann meinem Hausarzt gesagt, wo ich operiert werden möchte. Es war für den Arzt völlig selbstverständlich, die gewünschte Klinik auf der Überweisung einzutragen. Er hat sogar in der Klinik noch angerufen“, berichtet der 70-jährige. Doch selbst wenn der Arzt auf dem Formular ein nahes Krankenhaus am Bodensee eingetragen hätte, wäre der Rentner hieran nicht gebunden gewesen. Die Behandlung kann nämlich – so der TK-Experte – „soweit es sich um ein zugelassenes Krankenhaus handelt, auch in einer anderen geeigneten Klinik erbracht werden“.

Anruf bei der Kasse: „Entscheidet sich ein Patient für eine andere als die auf dem Einweisungsschein vermerkte Klinik, sollte er sich mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzen“, rät Ihly.

Keine Mehrkosten: Wer sein Recht auf freie Krankenhauswahl wahrnimmt und wie etwa Hans S. ein gut 300 Kilometer entferntes Krankenhaus wählt, muss für die Behandlung – so Ihly – in der Regel mit keinen Zusatzkosten rechnen, außer für die An- und Abreise. Die Fahrtkosten übernehmen die Kassen nur in der Höhe, „die bei Inanspruchnahme eines der beiden nächstgelegenen Krankenhäuser angefallen wären“, erklärt der TK-Experte. Wahlleistungen – etwa für ein Einzelzimmer – müssen gesetzlich Versicherte allerdings selbst tragen. Ebenso fällt in allen Krankenhäusern eine Zuzahlung von zehn Euro pro Tag an für maximal 28 Tage.

Private Zusatzversicherung: Gesetzlich Versicherte können eine private Zusatzversicherung für die Krankenhausbehandlung abschließen. So können sie sich beispielsweise die Chefarztbehandlung oder ein Einzelzimmer sichern. Mehr Freiheit bei der Krankenhauswahl garantiert diese Zusatzpolice aber nicht. Die Versicherungen sagen zwar meist zu, „Mehrkosten bei stationärer Behandlung“ zu übernehmen, die „dem Versicherten vom Träger der GKV auferlegt werden, weil er ein anderes als das in der ärztlichen Einweisung genannte Krankenhaus wählt“. Doch da solche Mehrkosten in der Regel gar nicht entstehen, geht dieses Leistungsversprechen ins Leere.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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