Viele Vorteile – kaum Nachteile für heute Pflegebedürftige

Pflegereform 2017 Viele Vorteile – kaum Nachteile für heute Pflegebedürftige

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
04.08.2016
Auf einen Blick

Knapp drei Millionen Pflegebedürftige gibt es in Deutschland. Ab 2017 erhalten sie vielfach höhere Leistungen. Was ändert sich? Wer kann schon jetzt etwas tun, um künftig mehr zu bekommen?

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Neue Regeln

Ab 2017 gibt es statt der bisherigen Pflegestufen fünf Pflegegrade. Auch die Begutachtungsregeln ändern sich. Bislang geht es dabei vor allem um körperliche Probleme. Künftig kommt es genauso auf geistige und psychische Beeinträchtigungen an.

Kein neuer Antrag nötig

„Niemand, der heute bereits pflegebedürftig ist, muss sich um eine neue Begutachtung bemühen, die Überleitung ins neue Recht geschieht automatisch nach einfachen Rechenregeln“, erklärt Markus Siegmann, Pflegeberater bei der Knappschaft in Lünen. Besonders erfreulich findet er: „Die meisten werden deutlich bessere Leistungen erhalten.“

Stufensprünge

Besonders vorteilhaft ist die Neuerung für verwirrte bzw. demenzkranke Menschen. Das Gesetz spricht hier von „Einschränkung der Alltagskompetenz“ (EA). Für davon betroffene Pflegebedürftige gilt 2017 ein Zweistufensprung: Aus der derzeitigen Pflegestufe 0 wird der Pflegegrad 2. Aus Pflegestufe I wird bei gleichzeitiger EA der Pflegegrad 3. Bei Pflegebedürftigen ohne EA gilt nur der Sprung um eine Stufe: So wird etwa aus Pflegestufe II der Pflegegrad 3.

Höhere Leistungsbeträge

Die automatische Neueinstufung zum Jahreswechsel bringt den Betroffenen oft weit bessere Leistungen. Wer derzeit in Pflegestufe 0 eingestuft ist, bekommt 2017 z.B. statt bisher 125 Euro künftig 316 Euro Pflegegeld. Alternativ dazu können auch Leistungen eines Pflegedienstes im Wert von 689 Euro monatlich abgerufen werden. Derzeit gibt’s dafür bei Stufe 0 nur 231 Euro.

Bestandsschutz

Es gibt einige Fälle, in denen den 2016 bereits Pflegebedürftigen nach dem Stufensprung zum Jahreswechsel eigentlich weniger Leistungen zustünden als bisher. Doch dann greift ein Bestandsschutz: Wer heute bereits als pflegebedürftig anerkannt ist, wird durch die Reform also keinesfalls schlechter gestellt.

Neuanträge können lohnen

Oft rentiert es sich deshalb, noch in diesem Jahr einen Antrag auf die Pflegebedürftigkeits-Anerkennung bzw. eine Höherstufung zu stellen. Solche Anträge sind bis zum Jahresende jederzeit möglich. „Meldungen von einem Antragstopp sind unsinnig“, erklärt Siegmann. Besonders für Personen mit einer EA lohnt sich der Erstantrag. Siegmann rät Angehörigen etwa auf folgende Anzeichen zu achten: „Hat der Vater oder die Mutter öfter Kochplatten angelassen? Lässt er die Haustür offen stehen? Läuft er unkontrolliert über die Straße?“ In solchen Fällen wird jetzt vielfach die Pflegestufe 0 zuerkannt, was 2017 automatisch zu Pflegegrad 2 mit den entsprechend höheren Leistungen führt.

Heimbewohner

Für Heimbewohner mit einer EA erhöhen sich ab 2017 die Leistungssätze beträchtlich. Wer dagegen nur körperlich pflegebedürftig ist, müsste dagegen ab 2017 häufig mit niedrigeren Leistungen im Heim rechnen. Das wird durch den Bestandsschutz verhindert, der auch dafür sorgt, dass die pflegebedürftigen Heimbewohner von 2016 im kommenden Jahr nicht schlechter gestellt werden. Für diejenigen, die erst 2017 in ein Pflegeheim ziehen, greift dieser Bestandsschutz dagegen nicht. Wenn ohnehin bald ein Umzug in ein Heim geplant ist, kann es sich für Pflegebedürftige mit Pflegestufe I deshalb lohnen, diesen Umzug noch in diesem Jahr vorzunehmen. So sichern sie sich ab 2017 monatlich knapp 300 Euro mehr Geld von der Pflegekasse.

Mein Tipp: Erfahren Sie in unserem kostenlosen sechsseitigen Dossier alles Wissenswerte zum Thema Pflegereform 2017.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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