Patientenrechte Recht auf eine zweite Arztmeinung

Patientenrechte Recht auf eine zweite Arztmeinung

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
08.04.2015
Auf einen Blick

Wann kann man eine zweite Arztmeinung einholen, welche Regeln sollte man kennen?

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Zweite Meinung

„Der Patient hat grundsätzlich das Recht, Arzt und Krankenhaus frei zu wählen und zu wechseln. Der Patient kann eine ärztliche Zweitmeinung einholen.“ So steht es in der „Charta der Patientenrechte“ aus dem Jahre 2003, unter anderem erarbeitet von der Bundesärztekammer und den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen. Klaus Rupp von der Techniker Krankenkasse erklärt: „Es geht dabei schließlich auch um Patientensouveränität.“ Ärzte würden heute ja Gott sei Dank nicht mehr als Halbgötter in Weiß angesehen, deren Urteil man nicht in Frage stellen dürfe.

Überweisung

Sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte können in der Regel ohne eigene Kosten eine zweite ärztliche Meinung einholen. Sinnvoll ist es allerdings in der Regel, hierbei den eigenen Hausarzt einzuschalten und sich von diesem eine Überweisung für den zweiten Kardiologen oder Orthopäden ausstellen lassen. Fachärzte können in der Regel nicht an einen Kollegen des gleichen Fachgebietes überweisen – außer wenn dieser besondere Untersuchungs- und Behandlungsmethoden anbietet, die erforderlich sind.

Unterlagen

Arztberichte, Blutwerte, Röntgenaufnahmen - wer eine Zweitmeinung einholt, sollte diese Unterlagen zum zweiten Arzt mitbringen, schon allein um Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Für den Arzt Nr. 1 sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, diese Unterlagen seinem Fachkollegen zur Verfügung zu stellen. „Die Behandlungsunterlagen sind dem mitbehandelnden Arzt zu übermitteln“, heißt es hierzu in der Patientencharta. Originalunterlagen kann der Patient in der Regel zwar nicht beanspruchen, wohl aber Kopien, für die Kosten kann er herangezogen werden. Auch Röntgenbilder müssen – unter Umständen leihweise – herausgegeben werden. Dies regelt die Röntgenverordnung (Paragraf 28 Abs. 8).

Zweitmeinungsangebote

Insbesondere im Umfeld der gesetzlichen Krankenkassen gibt es zahlreiche kostenlose Angebote zum Einholen einer zweiten Meinung: Vom Teledoktor der Barmer GEK über AOK Duo bis zu den Beratungsstellen der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen. 

Die Techniker Krankenkasse (TK) bietet beispielsweise bundesweit eine „Zweitmeinung vor operativen Eingriffen an der Wirbelsäule“ an. Die Kasse vermittelt ihre Versicherten an 33 Schmerzzentren, die auf die Behandlung von Rückenerkrankungen spezialisiert sind. „von 2010 bis Februar 2015 haben insgesamt 1.716 Versicherte mit Operationsempfehlung hier eine Zweitmeinung eingeholt, in 85 Prozent der Fälle wurde dabei von einer Operation abgeraten“, so Klaus Rupp.


Unser Tipp:
Bei der Suche nach einer kompetenten Zweitberatung hilft auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) mit 22 regionalen Beratungsstellen und einem bundesweiten Beratungstelefon: 0800 0 11 77 22 (kostenlos aus dem Festnetz).

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Berechnungsgrundlage/Modellfall: 
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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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