Geld aus der Lebensversicherung Rente aufstocken oder Eigenheim entschulden?

Max Geißler
von Max Geißler
17.04.2014
Auf einen Blick

Kapital-Lebensversicherungen zählen trotz sinkender Renditen nach wie vor zu den Stützen der privaten Altersvorsorge. Doch wie verwendet man das Geld bei Auszahlung?

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Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) überweisen die Lebensversicherungen hierzulande ihren Kunden jährlich mehr als 70 Milliarden Euro an finanziellen Leistungen. In der Regel betragen die Ablaufleistungen der Lebensversicherungen mehrere Zehntausend Euro pro Vertrag. Nicht wenige Kunden stehen dann vor der Frage, wie sie das Geld sinnvoll einsetzen. Abhängig von den eigenen Wünschen und der individuellen Lebensplanung gibt es zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten.

Lebensversicherung startet lebenslange Sofortrente

Reicht die gesetzliche Rente zum Lebensunterhalt nicht aus, lohnt das Einzahlen der Lebensversicherung in eine Sofortrente. Dabei schreibt der Versicherer gegen Zahlung eines Einmalbetrags jährlich 1,75 Prozent Mindestzinsen gut, zusätzlich hat der Versicherte Anspruch auf Überschussbeteiligung. Diese erreicht oft mehr als drei Prozent, etwa bei Allianz und Debeka 3,6 Prozent oder Axa und Ergo 3,4 Prozent. Positiv: Sofortrenten leisten lebenslang Rentenzahlungen, bei dynamischem Rentenbezug steigt die Rentenleistung mit der Zeit kontinuierlich an. Damit das Kapital im Todesfall nicht an die Versicherung fällt, kann man Kapitalrückzahlung oder eine befristete Rentengarantiezeit vereinbaren. Wie der Biallo-Sofortrente-Vergleich zeigt, ist ein Investment bei leistungsstarken Versicherern durchaus lohnenswert. Zahlt ein 60-jähriger zum Beispiel 100.000 Euro aus seiner Lebensversicherung in eine Sofortrente ein, erhält er bei Ergo direkt eine monatliche Anfangszahlung von 317 Euro, die Europa Versicherung überweist knapp 314 Euro, Canada Life 310 Euro und Cosmos direkt 308 Euro. Nach zehnjähriger Laufzeit prognostizieren beispielsweise Ergo und Cosmos, dass die Monatsbeträge um etwa 50 bis 70 Euro höher liegen werden als anfänglich.

Lebensversicherung für Fondsauszahlplan nutzen

Wer nicht zwingend auf lebenslange Rentenleistungen angewiesen ist, kann sich ein Fondsdepot zusammenstellen und daraus regelmäßig Geld entnehmen. Hierbei sollte man aber vorsichtig agieren, denn private Fondsdepots bieten weder eine Garantie auf lebenslange Zahlungen noch auf das eingesetzte Kapital. Infrage kommt ein Depotmix aus Aktien- und Rentenfonds. Über Jahre erfolgreiche Topfonds finden Sie in den Biallo-Fondstabellen. Hilfe bei der Zusammenstellung des Depots bieten sogenannte Anlageplaner, wie sie zum Beispiel Consorsbank bereitstellen. Das Modul erfasst den Anlagebetrag, den Anlagezeitraum und ermittelt Ihre Risikobereitschaft. Dabei können Sie live verfolgen, wie sich der empfohlene Sparmix entsprechend Ihrer Eingaben ändert: Wählen Sie geringes Risiko oder einen kurzen Sparhorizont, empfiehlt der Anlageplaner vorrangig sichere Sparanlagen, wandern die Schieberegler in die andere Richtung, wird’s risikoreicher. Problem: Das Modul sagt zwar, wie viel Geld in die einzelnen Anlagen fließen soll und welche Rendite zu erwarten ist, die konkrete Produktauswahl muss man allerdings selbst treffen und auch das Depot selbst überwachen – das setzt eine hohe Erfahrung voraus.

Tipp

Weniger erfahrene Anleger sollten sich besser beraten lassen, etwa von den Fondsexperten der Hamburger Sutor Bank. Das Geldhaus offeriert seinen Kunden strukturierte Fondsdepots, die je nach Risikoneigung risikoarm oder chancenreicher ausgerichtet sind. Positiv: Die Depots beinhalten ausschließlich kostengünstige Indexfonds, das hält die Gebühren in Grenzen.

Lebensversicherung entschuldet Eigenheim

Eine dritte Option für das Geld aus der Lebensversicherung besteht in der Entschuldung des Eigenheims. Die eingesparte Miete bzw. die eingesparten Kreditraten sind eine sehr sichere Form der privaten Altersvorsorge. „Allein die eingesparte Miete kann die bei der gesetzlichen Rente zu erwartende Versorgungslücke ganz oder teilweise schließen“, betont Philipp Gruhn von der OVB Vermögensberatung. Positiv: Eigenheime und vermietete Immobilien sind wertstabil. Eigentümer profitieren von steigenden Grund- und Bodenpreisen, außerdem unterliegen Immobilien nicht der Spekulation an den Kapitalmärkten. Darüber hinaus bietet das sogenannte Betongold einen angemessenen Inflationsschutz, denn die Wertentwicklung von Immobilien orientiert sich an der allgemeinen Preisentwicklung. Vermieter profitieren von Mieteinkünften und Steuervorteilen. Wichtig ist, die Entschuldung des Eigenheims zeitlich gut zu planen. So sollte die Tilgung des Hypothekendarlehens mittels Lebensversicherung nicht durch Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank geschmälert werden.

Tipp

Entweder Sie zahlen das Geld aus der Lebensversicherung als jährliche Sondertilgungen in den Vertrag ein oder es fließt nach dem Zinsbindungsende auf das Kreditkonto. Nach dem zehnten Kreditjahr können Sie die Baufinanzierung unter Einhaltung der sechsmonatigen Kündigungsfrist ohne Stornogebühr beenden. In der Zwischenzeit kann man das Kapital auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto zwischenlagern.

Kinder beschenken und Steuern sparen

Überweist die Lebensversicherung eine sehr hohe Ablaufleistung, ist oft nicht das gesamte Kapital für die Optimierung der privaten Altersvorsorge nötig. „Eltern sollten in diesem Fall auch an die Kinder denken, indem sie dem Nachwuchs einen Teil des Geldes schenken“, empfiehlt Vorsorgeexperte Gruhn. Wegen des hohen „persönlichen Freibetrags“ ist dies auch steuerlich sinnvoll. So dürfen Eltern jedem Kind alle zehn Jahre Vermögen im Gegenwert von 400.000 Euro schenken, ohne dass dafür Schenkungssteuer bzw. Erbschaftssteuer fällig wird.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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