Krankenversicherung Günstig privat versichert bleiben

Annette Jäger
von Annette Jäger
09.01.2015
Auf einen Blick

Die private Krankenversicherung ist berühmt für medizinische Top-Versorgung - und berüchtigt für steigende Beiträge. Versicherte können mit einem Tarifwechsel kontern.

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In manchen Tarifen der privaten Krankenversicherungen steigen die Beiträge ständig, in einigen Jahren sogar im Schnitt um sechs Prozent, wie eine Studie des Branchendienstes Map-Report belegt. Im Einzelfall wird die Privatversicherung sogar zweistellig teurer. Weil sich jeder Tarif selbst finanzieren muss, erhöhen sich bei steigenden Ausgaben für die medizinische Versorgung der Versicherten auch die Beiträge. Problematisch wird dies vor allem, wenn man sich in einem „geschlossenen Tarif“ befindet, sagt Charlotte Henkel, Patientenberaterin bei der Verbraucherzentrale Hamburg: Die Versicherer schließen den Tarif für Neuzugänge und der Bestand altert zunehmend, „der Tarif vergreist.“ Das verursacht immer höhere Kosten und die Beiträge explodieren im Laufe der Jahre.

Lösung Tarifwechsel

„Ein Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens ist die wichtigste und effektivste Möglichkeit, steigende Beiträge zu kontern“, sagt Henkel. Es gibt sogar ein gesetzlich garantiertes Tarifwechselrecht. Laut Versicherungsvertragsgesetz (Paragraf 204) darf man ohne Gesundheitsprüfung in einen Tarif gleicher Leistung wechseln. Ein Wechsel zu einem anderen Unternehmen ist dagegen in den meisten Fällen ein Minusgeschäft, warnt die Patientenberaterin. Die jahrelang angesparte Alterungsrückstellung der privaten Krankenversicherung, die die Beträge im Alter eigentlich stabil halten soll, geht dann verloren. Zudem wird man als Neuzugang behandelt. Höheres Alter und eventuelle Vorerkrankungen wirken sich negativ auf den Beitrag aus.

So gelingt der Tarifwechsel

Viele Unternehmen zeigen sich nicht kooperativ, wenn der Kunde einen Tarifwechsel anstrebt. Denn meist wollen sie die neuen, günstigen Tarife jungen Einsteigern vorbehalten. Hinzukommt, dass der Verbraucher überfordert ist, unter nicht selten mehr als hundert Tarifen einer privaten Krankenversicherung den richtigen zu finden. Deshalb sollte man sich vor einem Wechsel möglichst unabhängig beraten lassen - bei einem Versicherungsberater oder den Verbraucherzentralen.

Gesundheit
Die private Krankenversicherung ist berühmt für medizinische Top-Versorgung - und berüchtigt für steigende Beiträge. Versicherte können mit einem Tarifwechsel kontern.

Neue Leitlinien der privaten Krankenversicherungen

Um Privatpatienten einen Tarifwechsel zu erleichtern, hat der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) Leitlinien erarbeitet „für einen transparenten und kundenorientierten Tarifwechsel“, wie es heißt. Sie greifen spätestens ab 2016. Bislang haben sich 25 Unternehmen angeschlossen, darunter auch die großen privaten Krankenversicherungen wie Allianz, Axa, Barmenia, Debeka oder Gothaer. Die Unternehmen verpflichten sich unter anderem, Wechsel-Anfragen innerhalb von 15 Arbeitstagen zu beantworten sowie eine qualifizierte Beratung zu Tarifalternativen anzubieten. Zudem wollen sie Kunden ab 55 Jahren auf preiswertere Tarife hinweisen, wenn eine Prämienerhöhung ansteht.

Günstige Tarife in der privaten Krankenversicherung

Hausarzttarife der privaten Krankenversicherung sind häufig günstig: Dabei verpflichtet man sich, immer zuerst den Hausarzt aufzusuchen, bevor man zum Facharzt geht. Das meiste Sparpotential birgt jedoch der Standardtarif, den viele Ältere in Anspruch nehmen können. Er bietet Leistungen etwa auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung. Er kann erheblich günstiger sein, denn die Alterungsrückstellung aus dem alten, teureren Tarif wird komplett angerechnet. Im Durchschnitt fallen zwischen 400 und 450 Euro im Monat an. „Wer lange Vorversicherungszeiten in der Privaten vorweist, kann im Einzelfall sogar noch günstiger fahren“, sagt Henkel.

Tipp:In unserem sechsseitigen Dossier informieren wir Sie detailliert zum Thema "Private Krankenversicherung - mit einem Tarifwechsel Kosten reduzieren".

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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