Pflegezusatzversicherungen Policen leisten bei Demenz

Annette Jäger
von Annette Jäger
04.02.2015
Auf einen Blick

Demenz wird zur Volkskrankheit. Weil die Leistungen der Pflegekasse im Krankheitsfall nicht ausreichen, sollte man privat vorsorgen.

Artikelbewertung
Schrift

Über eine Millionen Menschen mit Demenz leben heute in Deutschland – 2030 könnten es, Schätzungen zufolge, bereits doppelt so viele sein. Die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegekasse fangen den finanziellen Bedarf nicht auf, obwohl sie in den letzten Jahren verbessert wurden: Seit 2008 gibt es das Betreuungsgeld. Demenzkranke haben nämlich ein Dilemma: Sie benötigen oft umfangreiche Hilfe - sind aber körperlich noch so fit, dass sie keiner der Pflegestufen I, II oder III zuzuordnen sind. Sie erhalten Betreuungsleistungen von 100 Euro im Monat (Grundbedarf) oder auch 200 Euro (erhöhter Bedarf). Richtlinien, die die Spitzenverbände der Pflegekassen erarbeitet haben, legen fest, wann der Grundbedarf und wann der „erhöhte Bedarf“ gilt. Der Knackpunkt an der Leistung: Man bekommt das Geld nicht überwiesen, sondern muss Rechnungen vorlegen für Betreuungsleistungen, die dann erstattet werden. Demnach müssen professionelle Betreuungsdienstleister beauftragt werden, wie sie beispielsweise die Wohlfahrtverbände vermitteln.

Zusätzlich wurde die sogenannte Pflegestufe 0 eingeführt. Wer in seinen Alltagskompetenzen eingeschränkt ist, erhält 123 bzw. 231 Euro im Monat an Zuschuss aus der Pflegeversicherung, je nachdem, ob Angehörige oder ein ambulanter Pflegedienst die Versorgung des Betroffenen übernimmt.

Doch beide Maßnahmen reichen bei Weitem nicht aus, um den Betreuungsumfang, den Betroffene benötigen, zu finanzieren.

Pflegetagegeldpolicen sind flexibel

Die erste Wahl bei der privaten Pflegezusatzabsicherung fällt in der Regel auf Pflegetagegeldpolicen. Im Pflegefall erhält man hier einen bei Vertragsabschluss vereinbarten Tagessatz, den man flexibel einsetzen kann: Für die Pflege zuhause oder in einem Heim. Allerdings weisen viele Verträge in puncto Demenzabsicherung Lücken auf. „In vielen älteren Pflegezusatztarifen ist die Pflegestufe 0 noch nicht enthalten“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW. Es gibt aber inzwischen Ausnahmen: zum Beispiel der Tarif PZT Best der Allianz, der Tarif Pflege Top der Signal oder Pflege Premium der R+V. Sie leisten bei Demenz ein Betreuungsgeld. Es lohnt sich, bei den Versicherern nachzufragen, viele Tarife werden nachgebessert. (Siehe Tarifrechner unter www.biallo.de)

Tabelle: Pflegetagegeldversicherungen, die bei Demenz leisten (Auswahl)

Modellfall: Versicherungsnehmer 50 Jahre, Pflegetagegeld 50 Euro in Pflegestufe III, auch Leistungen in Pflegestufen I und II. Versicherungsbeginn: 01.06.2014

Anbieter

Tarif

Beitrag

pro Monat

Demenz-Leistung pro Monat

(max. versicherbare)*

Hallesche

50% OLGAflex.AR

50% OLGAflex.Ri

36,25 EUR

450 (1.350) EUR

Münchner Verein

430/10, 423/40

36,52

300 (1.200)

Ergo

KombiMed Pflegetagegeld KPET

45,50

150 (270)

Signal Kranken/ Deutscher Ring

PflegeTOP

52,43

150 (10 % des versicherten Tagessatz)

Axa

Flex 1, Flex 2, Flex 3

53,94

120 (450)

Allianz

PflegetagegeldBest (PZTB02)

57,65

450 (1.350)

Süddeutsche

 

PS0A, PS0S, PS1A, PS1S, PS2A, PS2S, PS3A, PS3S

58,52

480 (500)

R+V

Pflege premium (PKU)

60,-

450 (1.260)

Nürnberger

PTF1, 2, 3

65,92

300 (480)

Gothaer

MediP

66,60

750 (1.500)

Anm: Die Tarife variieren in den Bedingungen und Umfang der Leistung (u.a. in Pflegestufen I+II und in der Leistungshöhe bei ambulanter und stationärer Pflege). Preise sind deshalb nicht 1:1 zu vergleichen.

* der genannte Beitrag pro Monat bezieht sich auf die Angaben vor der Klammer.

Quelle: biallo.de, Daten wurden von den Anbietern zur Verfügung gestellt, Stand April 2014


Pflegerentenpolicen leisten umfangreicher

Pflegerententarife sichern das finanzielle Risiko der Demenzerkrankung besser ab. Eigentlich alle Tarife sehen Leistungen bei Demenz vor und zwar meist in Höhe der vereinbarten Leistung von Pflegestufe II. Der Vorteil: Man hat das Geld zur freien Verfügung und kann damit auch privat engagierte Betreuer bezahlen. Die Kehrseite: Die Pflegerentenversicherungen sind deutlich teurer als Pflegetagegeldpolicen. Dafür bieten sie auf der Leistungsseite Extras: In der Regel entfällt die Beitragszahlung, wenn man zum Pflegefall wird, und man kann von Überschüssen profitieren, die neben der garantierten Leistung ausbezahlt werden. Allerdings ist deren Höhe bei Vertragsabschluss ungewiss.

Ein weiterer Vorteil gegenüber Tagegeldpolicen: Steigt man vorzeitig aus dem Vertrag aus, hat man in der Regel ein Rückkaufsrecht, so dass nicht die gesamten eingezahlten Beiträge verloren sind. Nach einer gewissen Laufzeit kann man die Policen auch häufig beitragsfrei stellen, so dass man im Pflegefall auf jeden Fall eine reduzierte Leistung abrufen kann.

Beispiele für Kosten einer Pflegerentenversicherung:

Versicherungsnehmer, 50 Jahre, garantierte Rente 1.000 Euro im Monat in Pflegestufe III sowie Leistungen in Stufe I und II. Alle Beiträge ohne Todesfallleistung. Alle Policen leisten auch bei Demenz.

Tabelle: Beispiele für Beiträge einer Pflegerentenversicherung (Auswahl)

Versicherungsnehmer, 50 Jahre, garantierte Rente 1.000 Euro im Monat in Pflegestufe III sowie Leistungen in Stufe I und II. Alle Beiträge ohne Todesfallleistung. Alle Policen leisten auch bei Demenz.

Anbieter

Tarif*

Leistungen in Pflegestufen I, II** in % von 1.000 Euro in Stufe III.

Beitrag im Monat in EUR

Ideal

PflegeRente Exklusiv

25/50

64,70

Zurich

PflegeRente Exklusiv

25/50

64,70

Nürnberger

NP2610

25/50

70,54***

WWK

PflegeRente Flexi

25/50

75,02

Volkswohl Bund

SPV Exklusiv

25/50

82,47

Signal Iduna

PflegeExklusiv

30/70

92,11

*Anm.: Die Bedingungen und Leistungen der einzelnen Tarifen variieren, v.a. Beitragszahlungsdauer oder ob Sofortleistung im Pflegefall gewährt wird u.ä.

**Leistung in Stufe II entspricht der Leistung bei Demenz.

***Bei Wartezeit von 12 Monaten nach Vertragsabschluss. Ohne Wartezeit 84,09 EUR.

Quelle: biallo.de, Daten wurden von den Anbietern zur Verfügung gestellt, April 2014

In vollem Umfang wird man das Risiko Demenz oder Pflegefall selten absichern können. „Man muss wegkommen von der Vollkaskomentalität“, sagt Verbraucherschützerin Weidenbach. Vor Abschluss einer Versicherung sollte man auch immer die eigene finanzielle Situation analysieren: „Rentenansprüche bleiben auch im Krankheitsfall bestehen“, sagt die Versicherungsexpertin. Vielleicht genügt dann ja auch eine geringere monatliche Summe, die man über eine Police absichern kann.

3
Berechnungsgrundlage/Modellfall: 
Ihre Meinung ist uns wichtig
Annette Jäger
Annette Jäger
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Annette Jäger
Annette Jäger

während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Drucken
Zur Startseite
Annette Jäger
Annette Jäger

während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein: