Private Krankenversicherung Die besten Wege zur billigeren Police

Private Krankenversicherung Die besten Wege zur billigeren Police

von Peter Weißenberg
09.02.2014
Auf einen Blick

In der privaten Krankenversicherung (PKV) steigen gerade für bereits länger dort Versicherte die Kosten oft dramatisch – wenn sie nicht handeln. Wir zeigen fünf Wege aus der Tariffalle.

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Mit 25 Jahren kam noch Goldgräberstimung auf: Halb so bilig wie die Gesetzliche - aber mit besseren Leistungen; da fiel der Wechsel in die Private Krankenversicherung leicht. Doch 15 Jahre später sieht die Bilanz oft anders aus. Die Kosten sind erheblich gestiegen - und manche Leistungen hat der PKV-Kunde gar nicht benötigt. Privatversicherte müssen sich aber mit der Dauer-Kostensteigerung nicht abfinden.

„Wer PKV-Tarife vergleicht – auch bei seinem eigenen Anbieter –, der kann seine Kosten optimieren“, sagt Versicherungsberater Günther J. Brandt. Fünf klug gewählte Wege helfen privat Versicherten, ihre Kosten in den Griff zu bekommen. Wir erklären, wie sie funktionieren, für wen sie sich lohnen – und was dabei beachtet werden muss:


Weg Nummer 1: Auf zum neuen PKV-Anbieter

Ihre PKV hat den Beitrag erhöht? Dann haben Sie als Versicherter das Recht, den Vertrag außerordentlich zu kündigen. Sie können daraufhin sofort zu einem günstigeren Anbieter wechseln – theoretisch. Praktisch aber empfiehlt Experte Brandt das meist nur dann, wenn der Versicherte erst sehr kurz bei seiner PKV einen Vertrag hat. „Denn wer schon lange bei einer Gesellschaft Privatpatient ist, verliert seine gesamten Kapitalrücklagen, die während der bisherigen Vertragsdauer dort angespart wurden“, so Brandt. Und das können nach zwei Jahrzehnten PKV-Mitgliedschaft schnell mehrere zehntausend Euro sein.

Diese Rückstellungen aber bildet die Versicherung, damit die Beitragssteigerungen im Alter nicht so hoch ausfallen. Die neue Gesellschaft kann damit nicht kalkulieren; sie wird also schnell sehr teuer werden müssen – oder gleich einen schlechteren Preis bei gleichen Leistungen bieten.

Haben Sie Ihren Vertrag mit der PKV erst nach dem 1. Januar 2009 abgeschlossen? Dann können Sie beim Wechsel zu einem Wettbewerber einen Teil Ihrer Alterungsrückstellungen mitnehmen: Soviel nämlich, wie der sogenannte Basistarif auf dem rechnerischen Niveau des Höchstsatzes bei der GKV ausmacht. Weil alle Privaten diesen Tarif inzwischen anbieten müssen, ist dieser überall gleich – und damit sind das auch die Rücklagen. Versicherungen müssen dieses Geld einem Wechselwilligen mitgeben.

Für erst kurzfristig PKV-Versicherte kann der Wechsel zu einem billigeren Konkurrenten aber auch schwierig werden. Denn dort müssen sie sich oft einer neuen Gesundheitsprüfung stellen. Wer inzwischen etwa eine schwere oder gar chronische Krankheit hat, für den wird es den preiswerten Tarif beim neuen Anbieter also wohl nicht geben.

Durch niedrige Preise sollte sich der Wechselwillige ohnehin nicht blenden lassen, so Brandt; der Berater rät dringend, darauf zu achten, dass die PKV-Anbieter lange an Tarifen festhalten: „Die Wahl eines relativ tariftreuen Anbieters gerät bisweilen zur Ausdauerprobe, weil einige nur durch wirkliche Branchenkenntnis überhaupt zu finden sind und namhafte Anbieter es auch ablehnen, durch Mehrfachvertreter oder über Versicherungsmakler vermittelt zu werden“, so Brandt. Anbieterwechsel ist also selten die beste Methode zur PKV-Kostensenkung.

Steigen seit einigen Jahren Ihre Beiträge in der PKV drastisch an? Das ist oft kein Zufall: Denn viele Gesellschaften legen regelmäßig neue Tarifgruppen auf, die sehr günstige Konditionen haben. Mit diesen neuen Tarifen werden gezielt junge, gesunde und zahlungskräftige Kunden geworben. Umgekehrt aber werden dadurch in den Alt-Tarifen die dort Versicherten tendenziell älter, sind länger und schwerer krank – und verursachen so höhere Kosten. Die Folge: Beitragsexplosion in der PKV.

Doch das muss der langjährige Kunde nicht mitmachen. Sein Versicherer darf ihm den Umstieg in den vergleichbaren Neu-Tarif nicht einfach verbieten. Und da er dabei seine vollen Rücklagen mitnehmen darf, lohnt sich das sofort.

Stellt sich die PKV-Gesellschaft beim gewünschten Wechsel in einen vergleichbaren, aber billigeren Tarif quer, sollte sich der Kunde im Zweifel innerhalb eines Jahres an den Ombudsmann der privaten Krankenversicherung wenden. Zuweilen wird schon nach der Drohung mit diesem Schritt der Wechsel möglich.

Fühlen Sie sich eigentlich auch im Zweibettzimmer ganz wohl, wenn Sie mal ins Krankenhaus müssen? Dann können Sie ohne spürbare Einbußen bei der Gesundheitsversorgung auf einige Leistungen verzichten. Das geht manchmal innerhalb eines Tarifs – oder bei Abschluss eines preiswerteren Angebotes bei Ihrem bisherigen Versicherer. Die Rücklagen bleiben auch dann in jedem Fall erhalten.

Aber seien Sie dabei ehrlich: Wackeln die Zähne? Oder droht Ihnen der Burnout – und damit eventuell eine psychotherapeutische Behandlung? Dann sollten Sie solche Leistungen nicht für den kurzfristigen Vorteil einsparen. Und selbst wer noch gesund ist, der sollte die obengenannten Schritte sehr gut überlegen.

Der Verzicht auf den Zuschuss zur neuen Brille oder das Einbettzimmer wird dagegen die Gesundheit oder Genesung wohl nicht existenziell beeinträchtigen. Und auch, wer auf das sogenannte Primärarzt-Prinzip umsteigt, kann ohne echte Einbußen bei der Behandlung sparen: Dabei bekommt der Kunde nur dann die volle Leistungserstattung seiner PKV, wenn er vor dem Facharztbesuch immer zuerst zum Hausarzt geht und der ihn überweist. So sparen die Gesellschaften – und ihre Kunden, die einen dementsprechenden Tarif wählen.

Aber: Möchten Sie später mal doch wieder die alte, höherwertige Leistung in seinem Vertrag abgesichert haben, dann wird Sie die PKV wahrscheinlich vorher einer Gesundheitsprüfung unterziehen. Fällt die schlecht aus, kann der Versicherer die Aufwertung verweigern – oder dafür einen saftigen Aufpreis verlangen.

Alle Leistungen bleiben gleich - nur wird der Versicherer erst ab einer höheren Summe des Eigenanteiles diese Behandlungen oder Arzneikosten bezahlen. Das kann sich aber durchaus lohnen. Denn selbst, wenn der Versicherte den Selbstbehalt in einem Jahr mal voll ausschöpfen muss, sind die Tarife oft noch billiger als in der Ursprungsvariante der PKV mit weniger Selbstbehalt.

Zudem kann der Versicherte einen Teil dessen anlegen, was er monatlich durch die erhöhte Selbstbeteiligung spart. So bildet er etwa mit der Anlage in Tagesgeld selbst eine Rücklage, mit der er in Zeiten schlechterer Gesundheit den höheren Eigenanteil finanzieren kann. „So viel Disziplin sollte der PKV-Kunde haben“, meint Versicherungsberater Brandt. Allerdings haben nur Selbstständige den vollen monatlichen Spareffekt - denn Angestellte zahlen ja den höheren Selbstbehalt allein. Beim niedrigeren PKV-Tarif kassiert indes der Arbeitgeber die Hälfte mit.

Wenn Sie den Eigenanteil wieder senken wollen, kann der Versicherer zudem wieder eine Gesundheitsprüfung verlangen. Und dann kann die PKV wieder teuer werden; jedenfalls teurer als im Ursprungstarif.

Die PKV ist trotz aller Optimierungen einfach zu teuer? Dann müssen Kunden nicht selten Weg Nummer fünf wählen: Basis- oder Standardtarif.

Den Basistarif müssen alle Versicherer bieten – und er bietet auch ein Einheitsniveau, nämlich das der gesetzlichen Krankenkasse. Dafür dürfen alle PKV nicht mehr verlangen als den monatlichen Höchstbeitrag zur GKV. Das sind derzeit 592,88 Euro. Wer lange bei seinem bisherigen Versicherer unter Vertrag ist, der kann allerdings auch hier seine Rückstellungen geltend machen. Der tatsächliche Beitrag im Basistarif wird also niedriger sein. Und wer auch damit nachweisbar überfordert ist – zum Beispiel als chronisch kranker und mittelloser Hartz-IV-Empfänger –, der kann bei seinem Versicherer einen Antrag stellen, diesen Beitrag noch zu halbieren. Im Einzelfall gibt es überdies auch weitere Hilfe durch das Sozialamt.

Wer schon vor 2009 Kunde einer PKV war, der kann außer dem Basis- auch in den Standardtarif wechseln. Er ist dem Basistarif von der Leistung her vergleichbar – aber kann wegen der anderen Einrechnung der Altersrückstellungen für langjährige Altkunden noch einmal erheblich billiger sein. Für beide Tarife gilt: Der Antragsteller muss mindestens 55 Jahre alt sein (oder beim Basistarif seinen Vertrag nach dem 1. Januar 2009 abgeschlossen haben). In den Basistarif kann außerdem wechseln, wer schon vorher sozial hilfsbedürftig ist, Rente oder Pension bekommt. Um in den Standardtarif zu kommen, muss der Kunde bereits zehn Jahre bei seiner PKV sein.

Wer sich per Basistarif auf das Niveau der Gesetzlichen Krankenversicherung begibt, der muss überdies nicht den Traum vom Privatversicherungsschutz aufgeben. Genau wie jeder GKV-Kunde kann er seine Absicherung wieder erhöhen: mit einer privaten Zusatzversicherung. PKV light sozusagen.

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Peter Weißenberg

Jahrgang 1965, ist für Produktchecks, Auto- und Geldanlage-Themen sowie Print-Kooperationen zuständig. In mehr als 20 Jahren im Wirtschafts- und Verbraucherjournalismus hat er für die verschiedensten Leserkreise Themen aus diesen Bereichen aufbereitet. Nach einem Doppelstudium (Volkswirtschaften, Politikwissenschaften, Geschichte, Journalistik) und der Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule hat Weißenberg als Reporter und in Leitungsfunktionen für verschiedene Wirtschaftsmagazine,Tageszeitungen, Online-Medien und Radiosender gearbeitet. Weißenberg hat auch fünf Bücher zu Wirtschaftsthemen verfasst.

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Jahrgang 1965, ist für Produktchecks, Auto- und Geldanlage-Themen sowie Print-Kooperationen zuständig. In mehr als 20 Jahren im Wirtschafts- und Verbraucherjournalismus hat er für die verschiedensten Leserkreise Themen aus diesen Bereichen aufbereitet. Nach einem Doppelstudium (Volkswirtschaften, Politikwissenschaften, Geschichte, Journalistik) und der Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule hat Weißenberg als Reporter und in Leitungsfunktionen für verschiedene Wirtschaftsmagazine,Tageszeitungen, Online-Medien und Radiosender gearbeitet. Weißenberg hat auch fünf Bücher zu Wirtschaftsthemen verfasst.

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