Gruppenversicherungen Gemeinsam günstiger

von Horst Peter Wickel
08.01.2014
Auf einen Blick

Gruppenversicherungen, jüngst durch Medienberichte über eine Vereinbarung zwischen Axa und CDU bei privaten Krankenversicherungen wieder mal in Korruptions- und Begünstigungsverdacht geraten, können Mitgliedern von Vereinen, Verbänden oder Parteien durchaus Vorteile bringen.

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Der wirtschaftliche Grundgedanke ist einfach, verständlich und hat sich in der Vergangenheit bereits tausendfach bewährt. Solidarität und gemeinsames Handeln macht stark – ob bei Genossenschaften, die beim gemeinsamen Einkauf reduzierte Preise durchsetzen können, oder bei befreundeten Nachbarn, die zusammen Heizöl für die nächste Tankfüllung einkaufen.

Sparen durch gemeinsamen Versicherungsvertrag

Auch bei Versicherungen funktioniert das Solidar-Prinzip: so wird in einer Gruppenversicherung eine Gruppe von Personen (Firmen, Vereine, Verbände), Tieren (Hunde) oder Sachen (Kraftfahrzeuge, Musikinstrumente) gegen ein für diese Gruppe definiertes Risiko (Unfallversicherung, Berufsunfähigkeit, Krankenversicherung, KFZ-Flottenversicherung, Haftpflichtversicherung) in einem gemeinsamen Versicherungsvertrag versichert.

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass nicht nur die Mitglieder von Parteien durch Gruppenversicherungen Beiträge sparen können. So gewährleistet zum Beispiel der Deutsche Chorverband durch einen Gruppenversicherungsvertrag mit der Arag Allgemeine Versicherungs-AG, dass alle Chorverbände, Sängerbünde und die Deutsche Chorjugend durch eine Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung abgesichert sind.

Und der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) bietet allen Mitgliedern von VDH-Mitgliedsvereinen mit der DEVK eine günstige Tierhalterhaftpflichtversicherung mit einem Monatsbeitrag von fünf Euro, jährlich 59 Euro (Deckungssumme zehn Millionen Euro für Personen- und Sachschäden sowie eine Million Euro für Vermögensschäden). Ähnliche Versicherungen bei anderen Anbietern wie Allianz, Axa oder Gerling sind weitaus teurer, z.B. Allianz 131,35 Euro pro Jahr, Axa 105,32 Euro pro Jahr.

Sparen bei der privaten Krankenversicherung

Zu erheblichen Einsparungen können auch die Mitarbeiter eines Unternehmens kommen, wenn der Arbeitgeber für sie beispielsweise eine private Krankenversicherung als Gruppenversicherung abschließt. Der Hamburger Krankenversicherungsexperte Ralf Poggensee erklärt: „Die Gruppenversicherung kalkuliert bestehende Tarifwerke mit Einbeziehung der Ersparnisse aus den reduzierten Vertriebs- und Abschlusskosten neu. Daraus ergeben sich Beitragsnachlässe zwischen drei und zwölf Prozent.“

Die Gruppenversicherung wird vom Versicherungsnehmer - z.B. einer Firma oder einem Verband - verwaltet. Dieser zieht die Beiträge bei den versicherten Mitgliedern oder Arbeitnehmern ein und führt sie geschlossen an den Gruppenversicherer ab. Die sich daraus ergebenden Einsparungen an Verwaltungskosten führen regelmäßig zu geringeren Beiträgen für die jeweilige Versicherung als in der Einzelversicherung. Je nach Versicherungsart, Tarif, Eintrittsalter und anderen Details können die Mitarbeiter oder Mitglieder einer Gruppe nach Angaben von Experten durchaus bis zu 15 Prozent oder mehr des Beitrags im Vergleich zu einer Einzelversicherung sparen.

Zahlreiche Verbände und Vereine bieten ihren Mitgliedern keine Gruppenversicherung an, sondern haben mit Versicherungsunternehmern einen Rahmen- oder Mantelvertrag abgeschlossen, der günstigere Versicherungsbedingungen bietet. Die Versicherungen selbst sind allerdings einzeln und individuell abzuschließen.

Längst nicht bei allen Versicherungen, die als Gruppenversicherung von Vereinen, Verbänden oder Arbeitgebern angeboten werden, sind die Versicherungsbedingungen und -tarife nach Beobachtungen von Verbraucherschützern günstiger als bei individuellen Verträgen. Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) warnt: „Vor dem Abschluss sollten Verbraucher auf jeden Fall überprüfen, ob sie bei Gruppenversicherungen wirklich bessere Bedingungen oder günstigere Beiträge vorfinden. Vor allem sollten sie hinterfragen, ob sie die angebotene Versicherung überhaupt benötigen.“ Nach Rudniks Erfahrungen werden gerade Senioren viele in dieser Form überflüssige Versicherungen „angedreht“, zum Beispiel Sterbegeldversicherungen oder Unfallversicherungen für Senioren.

Kündigung wie bei einem normalen Versicherungsvertrag


Für die Abmeldung von der Gruppenversicherung gelten ähnliche Bedingungen wie bei der Einzelversicherung. Die normale Kündigung kann zum Ende eines jeden Versicherungsjahres mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten erfolgen. Ein Hauptversicherter kann nach erfolgter Zustimmung des Versicherungsnehmers ganz oder teilweise von der Teilnahme am Gruppenversicherungsvertrag abgemeldet werden. Bei einer Prämienerhöhung ist das Recht zur außerordentlichen Kündigung unter Einhaltung der Kündigungsfrist ebenfalls gegeben.

Wenn ein Versicherter aus dem Kreis der berechtigten Mitarbeiter eines Unternehmens oder Mitglieder eines Vereins ausscheidet, muss der Versicherungsnehmer ihn aus dem Gruppenversicherungsvertrag abmelden. Eventuell mitversicherte Personen scheiden dann ebenfalls aus dem Gruppenversicherungsvertrag aus. In der Regel geht der Versicherungsschutz nicht verloren, aber nach Angaben des BdV werden die Versicherungsbedingungen tariflich verändert, also den Konditionen eines Einzelvertrags angepasst.

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