Verträge werden automatisch umgestellt

Pflegezusatzversicherung Verträge werden automatisch umgestellt

Annette Jäger
von Annette Jäger
01.11.2016
Auf einen Blick
  • Ab Januar gelten fünf Pflegegrade.
  • Menschen mit Demenzerkrankungen werden künftig besser berücksichtigt.
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Es ist eine einschneidende Neuerung in der gesetzlichen Pflegeversicherung: Ab Januar gelten fünf Pflegegrade. Die bisherigen drei Pflegestufen haben dann ausgedient. Das bringt für viele Menschen Vorteile. Denn erstmals werden auch ihr geistiger und psychischer Zustand in die Bewertung der Pflegebedürftigkeit miteinbezogen und nicht nur allein der körperliche. Menschen mit Demenzerkrankungen werden künftig besser berücksichtigt.


Pflegezusatzversicherungen orientieren sich an gesetzlichen Vorgaben

Bislang haben sich private Pflegezusatzversicherungen an den gesetzlichen Vorgaben orientiert: Die Auszahlungssummen gibt es gestaffelt, analog zu den drei Pflegestufen. Am häufigsten haben Versicherte Pflegetagegeldversicherungen abgeschlossen. Der Kunde legt bei Vertragsabschluss ein Tagegeld fest. Die volle Summe erhält er bei Pflegestufe III. In den niedrigeren Pflegestufen erhält er anteilig Geld, beispielsweise 50 Prozent in Pflegestufe II und 30 Prozent in Pflegestufe I. Hier hat jeder Versicherer seine eigene Staffelung festgelegt.

Ihr persönlicher Tagessatz wird angepasst

"Was mit bestehenden Pflegezusatzversicherungen nun geschieht, ist nicht verbindlich geregelt", sagt Stephan Caspary vom Verband der Privaten Krankenversicherung. Eine Anpassung der Versicherungsbedingungen ist möglich, aber nicht verpflichtend für die Unternehmen. Es zeichnet sich jedoch ab, dass viele Anbieter die Policen an die neuen Pflegegrade anpassen, ohne dass Sie als Versicherter dafür etwas tun müssen. Die Allianz hat ihren Pflegezusatztarif bereits angepasst. Auch die Universa garantiert wie viele andere Unternehmen eine automatische Umstellung, ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Beispiel:

Wie das funktioniert, zeigt ein Beispiel: Die Allianz hat bislang im Tarif „PflegetagegeldBest“ bei ambulanter Pflege in Pflegestufe I 30 Prozent des Tagessatzes gewährt. Mit der neuen Regelung wird der Patient in Pflegegrad 2 eingeteilt, er erhält ebenfalls 30 Prozent des Tagessatzes. Er ist also nicht schlechter gestellt als vorher.

Doch es gibt auch einen Nachteil: Ein Patient, der bislang in Pflegestufe III das volle Tagesgeld erhalten hat, wird künftig dem Pflegegrad 4 zugeordnet und erhält nur noch 80 Prozent der Summe. Das volle Tagegeld erhält er nur, wenn er zusätzlich eine Demenzerkrankung oder eine ähnliche Einschränkung hat.

Manche Anbieter berücksichtigen Pflegegrad 1

Dafür gibt es an anderer Stelle wieder ein Plus an Leistung: Die Allianz berücksichtigt Pflegegrad 1 – eine Form der Hilfebedürftigkeit, die bislang nicht in der gesetzlichen Pflegeversicherung vorgesehen war. In diesem Fall gewährt das Unternehmen 20 Prozent des Tagegeldes. Ob alle Versicherer das so handhaben, ist offen.

Sie müssen mit höheren Beiträgen rechnen

Einen Wermutstropfen bringt die Reform: Sie müssen als Versicherter ab dem kommenden Jahr mit höheren Beiträgen in der privaten Zusatzversicherung rechnen. Durch die Erweiterung des Pflegebegriffs haben nun mehr Menschen Zugang zur gesetzlichen Pflegeversicherung, so werden auch mehr Menschen Leistungen aus ihrer privaten Pflegezusatzversicherung in Anspruch nehmen. Das hat in logischer Konsequenz höhere Beiträge zur Folge.

Beispiel:

Wer bei der Allianz als 50 Jahre alter Versicherungsnehmer bislang 46,80 Euro im Monat für 1.200 Euro Gesamtleistung im Monat bezahlt hat, muss künftig 48,08 Euro bezahlen.

Versorgungslücke bleibt

Auch wenn künftig viele Pflegebedürftige mehr Geld als vorher von der gesetzlichen Pflegeversicherung erhalten, macht das eine private Zusatzabsicherung nicht überflüssig. "Auch die neue gesetzliche Pflegeabsicherung ist keine Vollkaskoversicherung", sagt Caspary.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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