Zahnzusatzversicherung Was die Klauseln wirklich bedeuten

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
16.10.2015
Auf einen Blick

Eine Zahnzusatzversicherung kann eine sinnvolle Ergänzung zur Kassenversorgung sein. Manche Klauseln hören sich gut an, entpuppen sich aber als teure Falle.

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Seitdem die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ihre Leistungen für Zahnersatz stark eingeschränkt haben, rückt eine private Zahnzusatzversicherung immer mehr in den Fokus der Kassenpatienten. Denn die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur einen festen Zuschuss, der sich jeweils an der günstigsten Zahnbehandlung orientiert – unabhängig davon, was der Patient wünscht und später tatsächlich gemacht wird.

Was viele Verbraucher dann bei der Suche nach einem geeigneten Zusatzversicherer vor einer Entscheidung vergleichen, ist in der Regel vorrangig der Preis einer Police. Die jeweiligen Versicherungsbedingungen liest dabei kaum jemand genau und wenn doch, kann man als Laie deren wirkliche Bedeutung oft gar nicht richtig erfassen. Was hinter mancher gutklingenden Klausel dann im Ernstfall steckt, merkt der Patient erst zusammen mit der Zahnarztrechnung.


Was 100-prozentige Kostenübernahme oft wirklich bedeutet

Die Art der Kostenübernahme zwischen den einzelnen Anbietern und Tarifen einer Zahnzusatzversicherung unterscheidet sich zum Teil deutlich. Grundsätzlich ist immer darauf zu achten, ob sich die in den Vertragsbedingungen angegebenen Prozent-Sätze inklusive oder exklusive der GKV-Leistungen verstehen. Gerade hier wird der Verbraucher gerne in die Irre geführt.

Ein beliebter Werbe-Slogan ist oft: „Verdopplung des Festzuschusses bis zu 100 Prozent der Gesamtrechnung“. Damit werben viele Anbieter, unter anderem beispielsweise auch die Ergo Direkt in ihrem Tarif "Zahn-Ersatz-Sofort". Hier denken die meisten erst einmal: Toll, bis zu 100 Prozent der Zahnarztrechnung wird erstattet. Die Realität dieser Aussage sieht jedoch anders aus: Der Patient möchte ein Inlay. Der Zahnarzt stellt ihm dafür 500 Euro in Rechnung, der gesetzliche Kassenzuschuss liegt aber lediglich zwischen 30 bis 50 Euro. In diesem Fall würde die Ergo Direkt-Police maximal die 50 Euro verdoppeln, der Patient würde auf einem hohen Eigenanteil von mindestens 400 Euro sitzen bleiben.

Es geht auch noch schlimmer. Nehmen wir an, ein Implantat kostet rund 3.000 Euro, der Kassenzuschuss liegt bei rund 375 Euro. Und genau diesen geringen Anteil würde auch die Ergo-Police übernehmen. Den gesamten Rest in Höhe von 2.250 Euro darf der Patient noch selbst bezahlen. Zudem gilt für den Ergo-Vertrag eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten. Der monatliche Beitrag liegt ab einem Alter von 21 Jahren bei 29,90 Euro. Der Versicherte muss für den Vertrag also insgesamt 717,60 Euro aufbringen – und darf im teuren Ernstfall den Großteil der Behandlungskosten selbst übernehmen. Einen Vorteil gibt es hier aber doch: Es existiert keine Wartezeit, die Ergo-Police erbringt Leistungen auch bei schon erstelltem Heil- und Kostenplan.

Leistungsausschluss in den ersten Monaten

Viele Zahnzusatzversicherungen schließen grundsätzlich Leistungen innerhalb der ersten Monate (meist acht) nach Abschluss der Police aus. Und fast alle Anbieter zahlen im ersten Jahr nur bis zu einem bestimmten Höchstbetrag, der sich dann langsam in den Folgejahren steigert bis zur vollen Leistung. Meist werden im ersten Versicherungsjahr höchstens 250 Euro erstattet, in den ersten beiden Jahren zusammen maximal 500 Euro, in den ersten drei Jahren 750 Euro und in den ersten vier Jahren zusammen höchstens 1.000 Euro. Erst mit Ablauf des vierten Versicherungsjahres entfällt die Leistungsbegrenzung. Hier gibt es aber auch je nach Tarif und Anbieter deutlich bessere Konditionen und Staffelungen.

Biallo-Tipp: Vergleichen Sie die jeweiligen Vertragsklauseln genau und erkennen Sie deren tatsächlichen Wert. Wichtig ist vor allem der Prozentsatz den eine Zahnzusatzversicherung leistet – und zwar unabhängig von der Kassenleistung! Beachten Sie auch mögliche Wartezeiten und Leistungsausschlüsse. Erst danach den Preis der Police berücksichtigen.

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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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