Private Renten und Steuern (2) Steuern auf ungeförderte private Rentenversicherungen

Private Renten und Steuern (2) Steuern auf ungeförderte private Rentenversicherungen

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
04.03.2015
Auf einen Blick

Wie viel Rente bleibt später netto übrig? Teil zwei des Biallo.de-Vorsorgechecks zeigt, wie der Fiskus auf nicht geförderte private Rentenzahlungen zugreift.

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Bei der privaten Rentenversicherung hat der Versicherte in der Regel bei Vertragsende die Wahl zwischen einer Kapital- oder einer Rentenauszahlung. So kann er zeitnah entscheiden, ob er den Gesamtbetrag wählt, um damit eine Investition zu tätigen oder doch lieber einen regelmäßigen Geldzufluss möchte. Wird die Kapitalauszahlung bevorzugt, so ist der erzielte Gewinn nur zur Hälfte steuerpflichtig. Voraussetzung: Der Vertrag ist wenigstens zwölf Jahre lang gelaufen und der Versicherte mindestens 62 Jahre alt. Als Gewinn gilt die Differenz zwischen der Summe aller eingezahlten Beiträge und der späteren Kapitalauszahlung.

Wird jedoch die lebenslange Rentenzahlung gewählt, winkt dagegen sogar lebenslang ein Steuerbonus. Während Riester- und Rürup-Renten später voll mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern sind, greift das Finanzamt hier lediglich auf den sogenannten Ertragsanteil zu. Dieser Ertragsanteil ist ein fester Prozentsatz der bezogenen Rente, der sich nach dem Alter bei Rentenbeginn richtet und während der gesamten Rentenbezugszeit gleich bleibt.

Beispiel: Herr A. ist zu Beginn seines Rentenbezugs 65 Jahre alt. Laut Ertragsanteils-Tabelle (Paragraf 22 EstG) beträgt der Ertragsanteil für seine private Rente 18 Prozent (siehe Tabelle unten). Das heißt, nur diese 18 Prozent der Rente gelten als Einkunft und wären in der Steuererklärung anzugeben. Erhält Herr A. pro Monat 400 Euro Zusatzrente braucht er davon nur 72 Euro (18 Prozent) zu versteuern. Unterstellt man im Ruhestand einen Steuersatz von 25 Prozent, so fallen tatsächlich für ihn nur 18 Euro an Steuern an. Da es aber für Rentner noch Freibeträge gibt, geht der Fiskus in der Regel komplett leer aus. "Ohne individuelle Nettobetrachtung kann heute niemand mehr solide entscheiden, welche Rentenart für ihn günstig ist", gibt daher Joachim Geiberger, Geschäftsführer des unabhängigen Analysehauses Morgen & Morgen, zu Bedenken.

Ertragsanteils-Tabelle (gültig seit dem 1.1.2005, § 22 EstG)

Rentenalter des
Rentenberechtigten

bei Beginn der
Rentenzahlung

(vollendete Lebensjahre)

Ertragsanteil
in Prozent


%

Rentenalter des  Rentenberechtigten

bei Beginn der
 Rentenzahlung

(vollendete Lebensjahre)

Ertragsanteil
in Prozent


%

50

30

60

22

51

29

61

22

52

29

62

21

53

28

63

20

54

27

64

19

55

26

65

18

56

26

66

18

57

25

67

17

58

24

68

16

59

23

69

15

Nur dieser Ertragsanteil einer Rente unterliegt der Besteuerung.

Quelle: Einkommensteuergesetzes (EStG)

Renten und Steuern: Die Sofortrente

Das gleiche Prinzip des Ertragsanteils gilt ebenfalls bei den Rentenzahlungen aus einer Sofortrente. Hier zahlt man einmalig einen größeren Betrag ein und erhält dafür umgehend eine lebenslange monatliche Rente ausbezahlt.

Hier ist nur ein Sonderfall zu beachten. Moderne Verträge bei der Sofortrente erlauben es, dass der Rentner bei Bedarf wieder eine (Teil-) Kapitalentnahme aus der vormals eingezahlten Summe entnehmen darf. Auch hierfür gibt es bestimmte Steuerregelungen.
In diesem Fall ist nicht die komplett entnommene Summe zu versteuern, sondern nur der Ertrag unterliegt der Abgeltungssteuer. Dieser Ertrag ist die Differenz zwischen der Höhe der Kapitelentnahme und anteiliger Prämie.

Vereinfachte Beispiele (Quelle: Swiss Life): Ein Versicherter hat 100.000 Euro als Einmalbeitrag angelegt und will 10.000 Euro entnehmen. Bei einer Kapitalentnahme wäre die anteilige Prämie
 

  • nach dem 1. Jahr ca. 9.920 Euro. Daraus folgt: Ertrag = 80 Euro, Abgeltungssteuer (25 Prozent) = 20 Euro,
     
  • nach dem 5. Jahr 9.365 Euro. Ertrag = 635 Euro, Abgeltungssteuer = 159 Euro,
     
  • nach dem 10. Jahr 8.160 Euro. Ertrag = 1.840, Abgeltungssteuer = 460 Euro.


Unser Fazit: Je nach Vorsorgemodell und Versichertenstatus kann einem Rentner von seiner Brutto-Rente ein stark abweichendes Netto übrig bleiben. „Neben einem Blick auf die Rendite in der Ansparphase, gilt es daher auch auf die Rentenzeit zu achten“, rät Joachim Geiberger.

Unser Tipp: Im ersten Teil "Private Renten und Steuern"lesen Sie: Steuern auf Riester- und Rürup-Renten.

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Berechnungsgrundlage/Modellfall: 
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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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