Abgeltungsteuer und Anlage KAP Sieben Tipps für die Steuererklärung

Abgeltungsteuer und Anlage KAP Sieben Tipps für die Steuererklärung

Brigitte Watermann
von Brigitte Watermann
23.10.2016
Auf einen Blick

Seit 2009 gelten die Regeln der Abgeltungsteuer. Eigentlich sollten sie die Besteuerung von Kapitalerträgen einfacher machen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

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Durch die Abgeltungsteuer ist die Einkommensteuer auf Kapitalerträge – wie es der Name sagt – grundsätzlich abgegolten. Die Bürger können auf die Abgabe der Anlage KAP (Einkünfte aus Kapitalvermögen) bei ihrer Steuererklärung eigentlich verzichten. Doch die Realität sieht anders aus: Manche Anleger sind weiterhin verpflichtet, ihre Kapitalerträge detailliert dem Fiskus zu offenbaren. Und für andere wiederum kann sich die freiwillige Abgabe der Anlage KAP lohnen. Biallo.de erläutert, wer abgeben muss und wer abgeben sollte.

So mancher ist in der Pflicht, die Anlage KAP abzugeben


Tipp 1 - Anleger mit Auslandsdepot

Sie führen Ihr Depot nicht bei einer deutschen Bank, sondern im Ausland? Dann interessiert sich der deutsche Fiskus trotzdem dafür. Allerdings schert sich die ausländische Bank nicht um die deutsche Abgeltungsteuer und führt sie folglich nicht ab. Anleger müssen daher ihre Auslandserträge detailliert in der deutschen Steuererklärung angeben; sie werden dann dem Abgeltungssatz von 25 Prozent unterworfen. Hinzu kommen noch der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent der Abgeltungsteuer sowie die Kirchensteuer (in Bayern und Baden-Württemberg acht Prozent, im übrigen Bundesgebiet neun Prozent der Abgeltungsteuer).


Tipp 2 - Anleger mit thesaurierenden Auslandsfonds im Inlandsdepot

Anleger, die ihre Anteile an thesaurierenden Auslandsfonds verkaufen, müssen auf der Hut sein. Denn die deutsche Depotbank behält auf den gesamten aufgelaufenen Wertzuwachs sämtlicher Vorjahre Abgeltungsteuer ein. Wenn der Anleger jedoch in den Vorjahren seine Steuererklärung richtig gemacht hat, hat er die jährlich thesaurierten Erträge bereits in den Vorjahren versteuert. Denn auch thesaurierte laufende Erträge unterliegen jährlich der Abgeltungsteuer. Es droht also eine Doppelbesteuerung, wenn Anleger nicht aufpassen. In der Steuererklärung des Verkaufsjahres muss der Anleger deshalb die überhöhten Steuerabzüge bei ausländischen thesaurierenden Fonds zurückverlangen.


Tipp 3 - Anleger, die Zinsen aus privaten Darlehen kassiert haben

Der Fiskus interessiert sich nicht nur für Zinsen, die auf Bankkonten aufgelaufen sind, sondern auch für privat kassierte Zinsen – mit der Folge, dass sie in der Anlage KAP zu deklarieren sind. Aufgepasst: In zwei Fällen verlangt der Fiskus auf privat erwirtschaftete Zinserträge Steuern nach dem individuellen Steuersatz und nicht nach dem Abgeltungsatz: 1)  Wenn ein Gesellschafter seiner Firma ein Darlehen gibt und daraus Zinsen kassiert; 2) Wenn sich ein naher Angehöriger Geld leiht, den Kredit zur Erzielung von Einkünften einsetzt und  Werbungskosten  geltend macht. Nutzt der Angehörige den Kredit anderweitung und setzt die Schuldzinsen nicht ab, zahlt der verwandte Darlehensgeber auf seine Zinserträge den Abgeltungssatz von 25 Prozent. Übrigens: Bei Kapitalerträgen, die dem normalen Steuertarif unterliegen, dürfen sogar weiterhin Werbungskosten geltend gemacht werden.


Tipp 4 - Manche kirchensteuerpflichtigen Anleger

Kirchenmitglieder sind in der Pflicht, ihre Kapitalerträge beim Fiskus anzugeben, sofern sie für das jeweilige Steuerjahr ihre Bank nicht angewiesen hatten, die Kirchensteuer auf ihre Kapitalerträge direkt mit einzubehalten. Wer dagegen seine Konfession bekannt gegeben hatte, dem hat die Bank nur eine ermäßigte Abgeltungssteuer von 24,44 Prozent berechnet. Darin spiegelt sich wieder, dass der Anleger die gezahlte Kirchensteuer als Sonderausgaben steuerlich geltend machen darf.

Wichtig: Seit Januar 2015 behalten die Banken grundsätzlich automatisch auch die auf Kapitalerträge fällige Kirchensteuer ein und führen sie direkt an den Fiskus ab. Wer damit nicht einverstanden ist, kann beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) einen sogenannten Sperrvermerk setzen und damit die Informationsweitergabe untersagen. Die Banken nehmen in der Folge dann keinen Kirchensteuerabzug vor. Allerdings wird das BZSt zu Kontrollzwecken die Steuerbürger mit Sperrvermerk an ihre zuständigen Finanzämter melden – damit sichergestellt wird, dass jeder auch seiner Pflicht nachkommt, die Kirchensteuer zu zahlen. Denn wer den automatischen Abzug ablehnt, muss der Kirchensteuerpflicht über die jährliche Steuererklärung nachkommen. Das ist natürlich mit einigem Aufwand verbunden.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
58,33
1,00%
2.
57,57
0,75%
3.
49,22
1,10%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 9 Monate

Tipp 5 - Steuerzahler mit geringem Einkommen

Anleger mit niedrigem Einkommen und einem Grenzsteuersatz von weniger als 25 Prozent sollten ihre gesamten Kapitalerträge freiwillig mit dem Fiskus abrechnen. Denn dann werden auf Kapitalerträge nicht 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig, sondern nur der individuelle, niedrigere Steuersatz. Über die so genannte Günstigerprüfung berechnen die Steuerbeamten automatisch, ob man mit dem Individualtarif oder mit der Abgeltungsteuer besser fährt. Zuviel gezahlte Abgeltungsteuer gibt es dann zurück.


Tipp 6 - Vergessener oder falscher Freistellungsauftrag

Haben Anleger den Freistellungsauftrag vergessen oder ihrer Bank nicht in ausreichender Höhe erteilt, können sie zuviel einbehaltene Steuer nur über die Steuererklärung zurückholen. Bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags, der bei Einzelpersonen 801 Euro, bei Verheirateten 1.602 Euro beträgt, dürfen Bürger ihrer Bank einen Freistellungsauftrag erteilen. Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags sind dann vollständig steuerfrei.


Tipp 7 - Depotübergreifende Verlustverrechnung

Anleger mit Depots bei mehreren Banken oder Fondsgesellschaften können ihre Börsenverluste nur über die jährliche Steuererklärung für das betreffende Jahr mit anderen positiven Kursgewinnen verrechnen lassen. Allerdings müssen sie dazu bis zum 15. Dezember des jeweiligen Jahres eine Verlustbescheinigung bei der Depotbank beantragen. Wer diesen Stichtag verpasst hat, braucht Geduld. Die Bank hat die Verluste auf neue Rechnung für das Folgejahr vorgetragen. Verloren geht also nichts. Wer dann Verluste über die Steuerklärung verrechnen möchte, sollte rechtzeitig vor dem nächsten Stichtag 15. Dezember eines jeden Jahres bei der Depotbank die Verlustbescheinigung für das Folgejahr beantragen.

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Für meine Leser bin ich stets auf der Suche nach neuen Angebots- und Konditionen-Trends bei Direkt- und Filialbanken. Denn mein Ziel ist es, dass Anleger wohl durchdachte Entscheidungen treffen können, welchen Anbietern sie ihr Vertrauen schenken. Außerdem schreibe ich seit vielen Jahren zu den Themen Vermögensaufbau und Altersvorsorge, aber auch Anlegerschutzrecht und Steuern. Private Geldanleger und ihre Bedürfnisse stehen dabei für mich immer im Fokus.  

In München und Washington, D.C., habe ich Diplom-Journalistik und Diplom-Volkswirtschaftslehre studiert, außerdem meine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert. Nach meinem Berufseinstieg als Redakteurin beim Anlegermagazin Börse Online arbeitete ich von 1998 bis 2000 als Investor Relations Managerin bei der HypoVereinsbank. 2000 kehrte ich als Ressortleiterin zu Börse Online zurück und verantwortete dort bis 2009 die Bereiche “Geld und Vorsorge” sowie die Portrait- und Interviewstrecke “Börsianer und Anleger”. In dieser Zeit habe ich mehrere renommierte Journalistenpreise gewonnen.  

Seit 2009 schreibe ich für biallo.de, aber auch für Capital, Euro am Sonntag, Euro und weiterhin für Börse Online sowie für andere bekannte überregionale Wirtschaftsmedien. Gemeinsam mit früheren Börse Online-Kollegen betreibe ich den börsentäglichen Blog finanzjournalisten.blogspot.com. Daneben bin ich als Referentin für Wirtschaftsjournalismus an der Deutschen Journalistenschule München sowie als Moderatorin von Podiumsdiskussionen tätig.

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