Anlage R So füllen Rentner die Steuererklärung aus

Anlage R So füllen Rentner die Steuererklärung aus

von Michael Schreiber
13.09.2015
Auf einen Blick

Das Formular schaut schlimmer aus, als es ist. Wir erklären Schritt für Schritt, wie Rentner die Anlage R der Steuererklärung ausfüllen.

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In der Einkommensteuererklärung müssen Rentner und Pensionäre auf dem Formular Anlage R detaillierte Angaben zu ihren Altersbezügen machen. Auf insgesamt 58 Zeilen sollen alle Zahlungen von Rentenversicherern, Versorgungswerken, Pensionskassen oder Lebensversicherungen haarklein aufgeführt werden. Werkspensionäre und Beamte im Ruhestand füllen für ihre Altersbezüge, die der ehemalige Arbeitgeber über Lohnsteuerkarte abrechnet, die Anlage N aus. Dank vieler Freibeträge und Steuervergünstigungen müssen jedoch nicht alle Senioren auch wirklich Steuern zahlen.

Tipp: Viele ältere Menschen sind mit dem Ausfüllen ihrer Steuerklärung überfordert. Finanzbeamte dürfen zwar fremde Steuererklärungen nicht komplett ausfüllen – sie sind aber bei konkreten Fragen zur kostenlosen Hilfestellung verpflichtet, wenn man beim örtlichen Service-Center des Finanzamts darum bittet. Gegen Honorar helfen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine weiter.

Steuererklärung und Leibrenten

Angeben müssen Rentner in den Zeilen 4 bis 10 der Anlage R sämtliche Altersrenten, Renten aus landwirtschaftlichen Alterskassen und berufsständischen Versorgungseinrichtungen. In Zeile 4 der Anlage R muss zunächst die Art der Rente mit einer Schlüsselzahl definiert werden. Wird die Hauptrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt, trägt man hier eine „1“ ein.

In Zeile 5 ist der Rentenbetrag anzugeben. Maßgebend ist der Bruttobetrag der Rente, bei Pflichtversicherten also der Betrag vor Abzug des eigenen Beitrags zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Tipp: Freiwillig Versicherte erhalten neben ihrer Rente noch Zuschüsse zu ihren eigenen Krankenversicherungsaufwendungen. Diese Zuschüsse sind steuerfrei und dürfen nicht dem Rentenbetrag hinzugerechnet werden. Nachzahlungen für mehrere Jahre müssen zusätzlich auch in Zeile 10 eingetragen werden. Das Finanzamt prüft für diese Beträge dann eine ermäßigte Besteuerung.

Viele Mütter erhalten seit Juli 2014 mehr gesetzliche Rente, wenn sie Kinder erzogen haben, die vor 1992 geboren wurden. Von der Rentenerhöhung ist derselbe Prozentsatz steuerfrei wie von der bisherigen Rente. Der steuerfreie Betrag hängt vom ursprünglichen Rentenbeginn ab.

Beispiel: Eine Mutter erhält seit 2010 Rente. Sie muss 60 Prozent ihrer Rente versteuern – 40 Prozent bleiben steuerfrei. Bekam sie in 2013 12.000 Rente, waren davon 4.800 Euro steuerfrei. Von Juli bis Dezember 2014 hat die Rentnerin für zwei Kinder zusätzlich 343,32 Euro Mütterrente bezogen. Der Rentenfreibetrag steigt deshalb um 137,33 Euro (40 Prozent von 343,32 Euro). In 2015 wird die zweite Hälfte der Mütterrentenerhöhung ausgezahlt. Dann steigt der Freibetrag um weitere 137,33 Euro. Künftig bleibt von Ihrer Jahresrente also ein Betrag von 5 075 Euro steuerfrei.

Steuererklärung und private Zusatzrenten

Renten aus privaten Rentenversicherungen oder aus sonstigen Verpflichtungsgründen (zum Beispiel Renten aus dem Verkauf eines Mietshauses) sind in den Zeilen 14 bis 20 der Anlage R einzutragen. Diese Leibrenten unterliegen nur mit einem niedrigen Ertragsanteil der Steuerpflicht. Dessen Höhe richtet sich nach dem Alter des Versicherten zu Rentenbeginn und gilt lebenslang. Auch Leibrenten mit befristeter Laufzeit (etwa Berufs- und Erwerbsminderungsrenten) sind hier einzutragen. Für sie gelten sogar noch günstigere Ertragsanteile. So greift der Fiskus bei einer zehnjährigen Rentendauer nur auf zwölf Prozent der Zahlung zu.

Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen

Staatlich geförderte private Renten zum Beispiel aus Riester-Verträgen oder einer betrieblichen Altersversorgung werden auf der Rückseite der Anlage R vermerkt. Sie sind je nach Vertragstyp in voller Höhe oder nur zum Teil steuerpflichtig.

Tipp: Jeder Vertragsanbieter erteilt seinen Kunden jährlich eine „Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt“. Diese Bescheinigung kann als Ausfüllhilfe für die Seite 2 der Anlage R genutzt werden. Dort sind nicht nur alle steuerlich relevanten Beträge aufgeführt – die Bescheinigung enthält auch einen Hinweis, in welche Zeile des Steuerformulars die jeweilige Rente einzutragen ist. Man kann also praktisch nichts falsch machen.

Steuerfreie Renten

Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung, Kriegs- und Schwerbeschädigtenrenten sowie Geldrenten, die unmittelbar zur Wiedergutmachung erlittenen nationalsozialistischen oder DDR-Unrechts geleistet werden, sind steuerfrei. Sie brauchen in der Steuererklärung deshalb nicht angegeben zu werden.

Auch Rentner können Werbungskosten geltend machen

Steuer sparende Werbungskosten sind auch für Rentner ein Thema. Gibt man nichts an, schreiben die Finanzbeamten automatisch 102 Euro als Pauschbetrag gut. Mit Belegen sind Gewerkschaftsbeiträge, Honorare für einen Rentenberater oder Schuldzinsen für eine auf Kredit finanzierte Einzahlung aufs Rentenkonto abzugsfähig – die Eintragung erfolgt in den Zeilen 50 bis 57 der Anlage R.

Steuertipp für 2015 – NV-Bescheinigung beantragen

Für viele Rentner ist die jährliche Steuererklärung eine lästige Pflicht. Berechnet das Finanzamt tatsächlich keine Steuerschuld, kann man sich von der Abgabepflicht befreien lassen. Am besten geht das mit einem Antrag auf Erteilung einer Nichtveranlagungsbescheinigung. Das Formular gibt es beim Finanzamt. Wird es erteilt, hat man die nächsten drei Jahre seine Ruhe.

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