Außergewöhnliche Belastungen

Steuererklärung 2015 So setzen Sie außergewöhnliche Belastungen ab

Brigitte Watermann
von Brigitte Watermann Michael Schreiber
11.04.2016
Auf einen Blick

Hatten Sie im vergangenen Jahr besondere Lasten zu tragen, beteiligt sich vielleicht der Fiskus daran. So rechnen Sie zu Ihren Gunsten richtig ab.

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Hatten Sie im letzten Jahr besondere Lasten zu tragen hatten, können Sie über die detaillierte Angabe der so genannten außergewöhnlichen Belastungen einen Steuernachlass bekommen. Die entsprechenden Eingabezeilen finden Sie auf Seite 3 des Mantelbogens ab Zeile 61.

Diese Belastungen können verschiedenster Natur sein:

Krankheits- und Kurkosten,aber etwa auch Aufwendungen für die Beseitigung von Unwetterschäden gehören in die Zeilen 67-68. Das lohnt sich aber nur dann für Sie, wenn die Kosten hoch genug sind und nicht ersetzt wurden. Denn je nach Einkommen und Familienstand verlangt Vater Staat einen Eigenanteil, bevor sich die Kosten steuerlich auswirken. Klagen gegen diese „zumutbare Eigenbelastung“ hatten jüngst vor dem Bundesfinanzhof keinen Erfolg (Az. VI R 32 und 33/13).
Wichtig: Haben Sie dagegen Erstattungen erhalten – zum Beispiel von der Krankenkasse – müssen Sie diese in der Zeile 67 deklarieren. Zuzahlungen für ärztlich verordnete Medikamente, Zahnspangen und Zahnersatz sowie Hilfsmittel wie Brillen und Einlagen sind hier ebenfalls steuerlich absetzbar.

Seit 2013 hat der Gesetzgeber den Steuerabzug für zivile Prozesskosten als außergewöhnliche Belastungen gestrichen. Ob das auch für die im Zusammenhang mit einer Scheidung angefallenen Gerichts- und Anwaltskosten gilt, ist allerdings umstritten. Vor dem Bundesfinanzhof sind derzeit drei Musterverfahren anhängig (Az. VI R 66/14, 81/14 und 19/15).

Unser Tipp

Als betroffener Steuerzahler machen Sie Ihre Ausgaben im Mantelbogen der Steuererklärung geltend und berufen sich auf die genannten Verfahren. Auch ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Köln vom 13.1.2016 (Az.: 14 K 1861/15) erlaubt Ihnen den Abzug der Kosten eines Scheidungsverfahrens als außergewöhnliche Belastung, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, Revision wurde gestattet.

Zumutbare Eigenbelastung: So viel müssen Sie selbst schultern


Gesamtbetrag der
Einkünfte

Bis 15 340 Euro

Bis 51 130 Euro

Über 51 130 Euro

Ledige ohne Kinder

5 %

6 %

7 %

Verheiratete ohne Kinder

4 %

5 %

6 %

Mit 1 oder 2 Kindern

2 %

3 %

4 %

Mit 3 oder mehr Kindern

1 %

1 %

2 %

Quelle: Einkommensteuergesetz


Manchmal gewährt das Finanzamt Pauschbeträge – etwa bei Pflege und Behinderung. So gibt es für behinderte Menschen ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 25 Prozent den Behindertenpauschbetrag (Zeilen 61-64). Die Höhe reicht von 310 Euro (bis zu 30 Prozent GdB) bis hin zu 1 420 Euro bei einem GdB von 100 Prozent. Dauerhaft hilflose Menschen oder Blinde erhalten sogar einen Freibetrag von 3700 Euro. Als Nachweis verlangen die Prüfer vom Amt bei einem GdB von mindestens 50 Prozent eine Ablichtung des Schwerbehindertenausweises vom Versorgungsamt.

Wenn Sie einen Angehörigen bei sich oder in dessen Wohnung pflegen, erhalten Sie einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro (Zeile 65/66). Voraussetzung: Der Gepflegte hat die Pflegestufe II oder ein „H“ im Schwerbehindertenausweis und die Pflege erfolgt kostenlos.
Aufgepasst: Der Gepflegte darf nicht sein Pflegegeld weiterreichen, sonst streichen die Beamten den Freibetrag.

Auch haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen sowie Handwerkerleistungen lassen sich übrigens steuersparend geltend machen.

Die Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen, etwa für die Putzfrau, die Pflegerin oder den Gärtner tragen Sie in die Zeilen 69–73 des Mantelbogens der Steuererklärung ein. Bei Handwerkerrechnungen (Zeile 73) sind neben den reinen Arbeitskosten auch Maschinen- und Fahrtkosten sowie die Umsatzsteuer abzugsfähig. Sogar Kleinbeträge für Verbrauchsmittel wie Schmierstoffe, Putz- und Streumittel gehen durch. Nur die Ausgaben fürs Material können Sie nicht geltend machen.

Unser Steuertipp:

Das Finanzamt beteiligt sich auch an den Reparaturkosten von Haushaltsgeräten wie Waschmaschine, Geschirrspüler, Computer oder Fernseher. 20 Prozent der Rechnung, maximal aber nur 1.200 Euro dürfen von der Steuerlast abgezogen werden. Dafür müssen Sie aber nachweisen, dass die Rechnung überwiesen wurde, Barzahlungen werden nicht akzeptiert.

Eine Kehrtwende gab es Ende 2015 für den Steuerabzug von Schornsteinfegerleistungen. Der Fiskus berücksichtigte bisher nur die Kosten für Kehrdienste, Reparatur- und Wartungsdienste, nicht aber für Feuerstättenschau, Mess- und Überprüfungsarbeiten. Mit Schreiben vom 10.11.2015 ordnete das Bundesfinanzministerium an, dass auch diese Kosten ab sofort wieder abziehbar sind.

Tipp: Selbst als Mieter dürfen Sie Teile ihrer Nebenkostenabrechnung absetzen – nämlich die Kosten, die auf Hausmeister, Treppenhausreinigung, Schneeräumdienst, Gartenpflege oder Schornsteinfeger entfallen. Auch für private Umzugskosten gibt es einen Steuerbonus.

Lese-Tipp:

Muss ich eine Steuererklärung abgeben?

Nicht jeder muss eine Steuererklärung machen. Erfahren Sie, wann Sie dazu verpflichtet sind – und wann sich die freiwillige Abgabe lohnt.

Steuervorteile für haushaltsnahe Dienstleistungen im Überblick

Die Steuerboni für alle drei Arten von haushaltsnahen Dienstleistungen können bis zu einem Maximalrabatt von 5 710 € kombiniert werden

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Begünstigt

Rechnungen bis 20 000 €

Steuerbonus

20 Prozent der Kosten, maximal 4 000 €

Minijobs

Begünstigt

Rechnungen bis 2 550 €

Steuerbonus

20 Prozent der Kosten, maximal 510 €

Handwerkerleistungen

Begünstigt

Rechnungen bis 6 000 €

Steuerbonus

20 Prozent der Kosten ohne Material, max 1 200 €

Quelle: Bundesministerium der Finanzen, eigene Recherche

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
100,00
1,00%
2.
90,00
0,90%
3.
85,00
0,85%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate
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Für meine Leser bin ich stets auf der Suche nach neuen Angebots- und Konditionen-Trends bei Direkt- und Filialbanken. Denn mein Ziel ist es, dass Anleger wohl durchdachte Entscheidungen treffen können, welchen Anbietern sie ihr Vertrauen schenken. Außerdem schreibe ich seit vielen Jahren zu den Themen Vermögensaufbau und Altersvorsorge, aber auch Anlegerschutzrecht und Steuern. Private Geldanleger und ihre Bedürfnisse stehen dabei für mich immer im Fokus.  

In München und Washington, D.C., habe ich Diplom-Journalistik und Diplom-Volkswirtschaftslehre studiert, außerdem meine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert. Nach meinem Berufseinstieg als Redakteurin beim Anlegermagazin Börse Online arbeitete ich von 1998 bis 2000 als Investor Relations Managerin bei der HypoVereinsbank. 2000 kehrte ich als Ressortleiterin zu Börse Online zurück und verantwortete dort bis 2009 die Bereiche “Geld und Vorsorge” sowie die Portrait- und Interviewstrecke “Börsianer und Anleger”. In dieser Zeit habe ich mehrere renommierte Journalistenpreise gewonnen.  

Seit 2009 schreibe ich für biallo.de, aber auch für Capital, Euro am Sonntag, Euro und weiterhin für Börse Online sowie für andere bekannte überregionale Wirtschaftsmedien. Gemeinsam mit früheren Börse Online-Kollegen betreibe ich den börsentäglichen Blog finanzjournalisten.blogspot.com. Daneben bin ich als Referentin für Wirtschaftsjournalismus an der Deutschen Journalistenschule München sowie als Moderatorin von Podiumsdiskussionen tätig.

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