Erbengemeinschaft 2016 Wenn Konflikte das Erbe vernichten

Erbengemeinschaft 2016 Wenn Konflikte das Erbe vernichten

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
13.02.2016
Auf einen Blick

Ein Todesfall kann richtig Leben in die Bude bringen - vor allem wenn der Erblasser eine streitbare Erbengemeinschaft hinterlässt. Wir zeigen Ihnen Lösungswege.

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Erbengemeinschaften entstehen immer dann, wenn ein Erblasser nicht nur einen Alleinerben hinterlässt oder bestimmt, sondern mehrere. Hat er nichts anderes verfügt, wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen. Alle in der Erbengemeinschaft haben das gleiche Recht auf die ganze Immobilie, das ganze Auto, das ganze Unternehmen. „Keiner darf in einem solchen Fall ohne Zustimmung aller anderen Miterben einzelne Gegenstände an sich nehmen oder veräußern“, sagt Bernhard Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Vorstand des Netzwerks Deutscher Erbrechtsexperten e.V. aus München.

Mögliche Erbauseinandersetzungen – vor allem bei großen Familien oder Erben mit unterschiedlichen Interessen – bergen bei einer Erbengemeinschaft immer hohe Gefahren für das Gesamtvermögen. „In vielen Fällen kennen sich die Erben untereinander nicht einmal“, warnt Anwalt Klinger.

Kompliziert wird es bei einer Erbengemeinschaft immer bei schwer teilbaren Gegenständen wie beispielweise Grundbesitz. Ein Erbe möchte das Anwesen zur Weitervermietung behalten, der andere selbst darin wohnen, der nächste nur rasch sein Geld ausgezahlt bekommen. Doch bis es zu einer möglichen Teilungseinigung kommt, müssen alle den Nachlass gemeinschaftlich verwalten, wobei die Stimmenmehrheit nach der jeweiligen Größe der Erbteile zu berechnen ist. „Bereits hier beginnen oft die ersten Probleme, wenn der Streit über mögliche Reparaturen an einem Haus oder den Umgang mit Mietern losgeht“, bestätigt der Heinsberger Fachanwalt für Erbrecht, Hans-Oskar Jülicher. Solche Konflikte ziehen sich in einer Erbengemeinschaft schon mal über Jahre hin.

Mein Tipp: Wollen Sie als Miterbe das Ende dieser Auseinandersetzung nicht abwarten, so haben Sie mehrere Möglichkeiten, rascher an sein Geld zu kommen:

Lassen Sie sich Ihr Erbteil auszahlen

Ein Erbe möchte das Anwesen behalten, die Miterben sind jedoch nur am Wert interessiert und wollen ausgezahlt werden. Hier löst ein sogenannter Auseinandersetzungsvertrag das Problem. In diesem Fall wird festgelegt, wer neuer Hauseigentümer wird und wie viel Geld den Miterben zufließt. So ein Vertrag stellt den Regelfall bei der Teilung des Nachlasses dar und ist ein friedlicher und meist vermögensschonender Weg für die Erbengemeinschaft.
 

Verkaufen Sie Ihren Erbteil

Wenn Ihnen das alles zu lange dauert und Sie komplett aus der Erbengemeinschaft aussteigen wollen, so können Sie Ihren gesamten Anteil veräußern. Käufer können ein Miterbe, alle Miterben oder auch ein außenstehender Dritter sein. Eine Übertragung bezieht sich jedoch nur auf den entsprechenden Erbteil insgesamt, nicht auf bestimmte Vermögensgegenstände und bedarf der notariellen Beurkundung. Einen interessanten Weg der Veräußerung bietet seit kurzem die Plattform Erbanteile.de. Dort können sich willige Verkäufer und interessierte Käufer zusammenfinden.

Die anderen Miterben haben aber trotzdem immer ein Vorkaufsrecht. Dies soll das Eindringen unerwünschter Dritter in die Erbengemeinschaft verhindern und muss binnen einer Frist von zwei Monaten ausgeübt werden. „Wollen die Erben von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, können sie das innerhalb der Frist sogar noch tun, wenn der Vertrag über das Erbteil mit einem Außenstehenden bereits unterschrieben ist“, sagt Erbrechtsspezialist Jülicher. Der Käufer geht dann leer aus.
 

Letzter Ausweg für Erbengemeinschaften: Nachlass versteigern

Ist keine Einigung unter den Miterben zu erzielen, hat jeder in der Erbengemeinschaft das Recht, die sogenannte Teilungsversteigerung beim Amtsgericht zu beantragen. In diesem Fall wird die Zwangsversteigerung, etwa einer Nachlassimmobilie, angeordnet. Der Versteigerungserlös fließt dann in den Nachlass. „Oftmals genügt schon die Androhung einer Versteigerung, um die Miterben zur Vernunft zu bringen“, sagt Rechtsanwalt Klinger. „Denn meist geht dabei eine Immobilie unter Wert weg.“

Mein Tipp: Erbrechtsexperten empfehlen allen Erblassern, rechtzeitig durch entsprechende detaillierte Zusatzbestimmungen per Testament – wie etwa Teilungsanordnungen, Vermächtnisse oder Testamentsvollstreckung – das zunehmende Risiko von späteren teuren Streitigkeiten bei einer Erbengemeinschaft einzugrenzen. 

Unser Tipp

Wichtig: Hinterlassen Sie ein Testament, sollte dieses auch gefunden werden. Durch das Zentrale Testamentsregister kommen Erben sicherer an den Nachlass.

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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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