Erbschaftsregelung 2016 Sechs Antworten zum Testamentsregister

Erbschaftsregelung 2016 Sechs Antworten zum Testamentsregister

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
08.01.2016
Auf einen Blick

Damit Ihr Testament auch wirklich gefunden wird, gibt es das Zentrale Testamentsregister. Künftige Erben kommen so schneller und sicherer an den Nachlass.

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Wenn Sie Ihr Vermögen außerhalb der normalen gesetzlichen Erbfolge vererben möchten, müssen Sie ein Testament errichten. Dieses ist häufig auch bei mehreren möglichen Erben sinnvoll, um so später konfliktbeladene Erbengemeinschaften zu vermeiden. Einzeltestamente und Ehegattentestamente können Sie sowohl notariell als auch privat errichten. Ein privatschriftliches Testament dürfen Sie zu Hause oder bei Bekannten aufbewahren - besser jedoch gegen eine geringe Gebühr beim Amtsgericht oder Notar. Denn dann sind Sie auf der sicheren Seite und Ihre Verfügung kann nicht unbefugt verschwinden.
 

Wie läuft der sicherste Weg für Sie genau ab?

2012 hat die Bundesnotarkammer das Zentrale Testamentsregister (ZTR) für Deutschland eingerichtet. Hier laufen in einem einzigen großen Datenspeicher alle relevanten Informationen über alle Testamente zusammen, die bei einem Notar erstellt oder einem Amtsgericht hinterlegt wurden.

Wird ein Testament oder ein Erbvertrag erstellt oder hinterlegt, benachrichtigen Notare und Amtsgerichte nun direkt auf elektronischem Weg das Zentrale Testamentsregister. Bei einer besonderen amtlichen Verwahrung beim Nachlassgericht können auch eigenhändig errichtete Testamente im Testamentsregister aufgenommen werden. „Damit soll vor allem gewährleistet sein, dass ein Testament im Erbfall auch schnell gefunden wird“, sagt Dominik Hüren von der Bundesnotarkammer.

Die Bundesnotarkammer wird von den Standesämtern automatisch über alle inländischen Sterbefälle informiert. Sie benachrichtigt dann im Sterbefall das Nachlassgericht und, wenn Verwahrangaben vorhanden sind, ebenfalls die Verwahrstelle der entsprechenden Urkunde.

Welche Daten werden im Zentralen Testamentsregister aufgenommen?

Im Zentralen Testamentsregister erfasst werden Angaben zur Person des Erblassers, zum Verwahrort und zur Urkunde. Nicht gespeichert wird dagegen der Inhalt einer erbfolgerelevanten Urkunde. Sie müssen also nicht befürchten, dass Ihr letzter Wille öffentlich werden könnte. Das eigentliche Testament verbleibt auch immer dort, wo es hinterlegt wurde, also beim Notar oder beim Amtsgericht. Zugelassen sind folgende Typen: Testament, gemeinschaftliches Testament, Erbvertrag und sonstige Urkunde. Nicht registriert werden alle privat aufbewahrten Testamente – also etwa zuhause oder bei Bekannten.

Wer darf die Daten im Zentralen Testamentsregister abfragen?

Die Abfrage im Zentralen Testamentsregister erfolgt ausschließlich elektronisch und nur durch Amtsträger wie Notare und Gerichte unter Angabe des Geschäftszeichens. Wichtig dabei: Sie setzt zu Lebzeiten des Erblassers immer dessen Einverständnis voraus!
 

Welche Gebühren fallen für Sie an?

Die Eintragungen in das Zentrale Testamentsregister kosten 15 Euro je Registrierung. Die Gebühr wird einmalig erhoben und deckt sämtliche Kosten der Registrierung, eventueller Berichtigungen, Ergänzungen und Folgeregistrierungen sowie der Benachrichtigungen im Sterbefall ab.
 

Wo finde ich mehr Informationen zum Zentralen Testamentsregister?

Die Bundesnotarkammer hat eine informative Internetseite zum neuen Testamentsregister eingerichtet. Gebührenfreies Service-Telefon für Bürger: 0800 / 35 50 700.
 

Woran sollten Sie als Erblasser jetzt denken?

Überlassen Sie das „Thema Erbschaft“ nicht dem Zufall. Juristischer und steuerlicher Ratschlag ist immer anzuraten, wenn es um höhere Vermögenswerte geht. Ein Notar oder Anwalt sorgt für die richtige Formulierung in den Verträgen. Der Steuerprofi kennt alle Varianten und Lücken in Sachen Erbschaftssteuer.

Doch auch beim einfachen Testament begehen viele noch immer entscheidende Fehler, wodurch das Schriftstück dann rechtlich nicht wirksam wird:

  • So müssen die Verfügungen handschriftlich niedergeschrieben werden.
  • Bei einem gemeinschaftlichen Testament müssen immer beide Ehepartner unterschreiben.
  • Wenn Sie nicht möchten, dass unliebsame (aber in der gesetzlichen Erbfolge vorgesehene) Mitverwandte voll miterben, müssen Sie dies durch ein Testament zum Ausdruck bringen. Damit verbleibt jenen Erben maximal nur der Pflichtteil, also lediglich die Hälfte ihres gesetzlichen Erbanteils.

Die Verfügung sollten Sie besser bei einem Notar oder beim Nachlassgericht hinterlegen: Das gibt Ihnen die Sicherheit, dass das Dokument nicht verloren geht oder gar heimlich beiseite geschafft wird. Die Kosten hierfür sind überschaubar. Das Gericht verlangt dafür eine vermögensabhängige Gebühr. Bei einem durchschnittlichen Nachlass sind das in etwa 50 bis 60 Euro.

Auch wer sein Testament vom Notar erstellen lässt, zahlt eine Gebühr. Bei einem Geschäftswert von 50.000 Euro sind das etwa 165 Euro für ein Einzeltestament, bei einem Vermögen von 500.000 Euro etwa 950 Euro plus Mehrwertsteuer.

Mein Tipp: Sie möchten Ihre Finca in Spanien vererben? Lesen Sie hier, welche Veränderungen das neue EU-Erbrecht mit sich bringt.

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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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