Geringfügige Beschäftigung Rentenversicherung bei Minijobs

Geringfügige Beschäftigung Rentenversicherung bei Minijobs

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
13.09.2016
Auf einen Blick

Wer einen neuen Minijob aufnimmt, wird automatisch rentenversicherungspflichtig. Man kann sich aber auch dagegen entscheiden und die Versicherungspflicht abwählen. Was empfiehlt sich?

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Durch die neue Rentenversicherungspflicht gehen Minijobbern in Gewerbebetrieben in der Regel maximal 16,65 Euro im Monat verloren. Dieser Betrag gilt bei einem vollen 450-Euro-Job. So viel sollte Jobbern die Rentenversicherungspflicht wert sein.


Dies gilt jedenfalls dann, wenn sie nicht ohnehin über einen sozialversicherten Hauptjob rentenversichert sind.


So viel kostet die Rentenversicherungspflicht

Ein Minijobber im gewerblichen Bereich – also in einem normalen Betrieb und nicht im Privathaushalt – muss die Pauschale von 15 Prozent, die der Arbeitgeber für seine Rentenversicherung zahlt, um 3,7 Prozentpunkte aufstocken. Das sind bei einem vollen 450-Euro-Job monatlich 16,65 Euro und bei einem Job mit monatlichen Einkünften von 200 Euro ganze 7,40 Euro im Monat. Diese Beträge werden vom Lohn abgezogen.

Volle Leistungen der Rentenversicherung

Die Jobber erwerben dadurch den vollen Versicherungsschutz mit allen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung – einschließlich Reha-Maßnahmen, Erwerbsminderungsrenten und der Möglichkeit, Riester-Renten staatlich gefördert zu bekommen. Zum Vergleich: Wer einen 200-Euro-Minijob in einem Betrieb hat, muss dafür in einem Jahr insgesamt 88,80 Euro an die Rentenkasse abführen. Da ist schon die Riester-Zulage, die ein Alleinstehender dadurch vom Staat erhalten kann, mit 154 Euro pro Jahr deutlich höher. Zudem fällt natürlich auch die eigene gesetzliche Rente durch die Beiträge etwas höher aus. Andere Vorteile sind aber noch wichtiger:


Versicherungsjahre "sammeln"

So gilt die Zeit des Minijobbens als ganz normale rentenversicherungspflichtige Beschäftigungszeit. Wer viele gesetzliche Versicherungsjahre zusammenbekommt, hat deutliche Vorteile: Dadurch kann man möglicherweise schon vor dem regulären Rentenalter die volle Altersrente erhalten – ohne Abschläge. Das funktioniert über die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Dies gilt aber nur für Rentenversicherte, die besonders viele Versicherungsjahre vorweisen können.

Nach 45 Versicherungsjahren hat man nämlich derzeit als Angehöriger des Jahrgangs 1953  mit 63 Jahren und zwei Monaten Anspruch auf das Altersruhegeld für besonders langjährig Versicherte. Künftig steigt diese Altersgrenze Schritt für Schritt auf 65 Jahre an. Zeiten mit versicherungspflichtigen Minijobs zählen bei den erforderlichen 45 Versicherungsjahren  mit, Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld in den letzten zwei Jahren vor Renteneintritt und Studienjahre aber nicht.

Auch für den Anspruch auf eine Frührente bringt die Versicherungspflicht Vorteile: Mit 63 gibt es für langjährig Versicherte nach 35 Versicherungsjahren ein vorzeitiges Altersruhegeld (allerdings mit erheblichen Abschlägen). Auch hier zählen Zeiten mit versicherungspflichtigen Minijobs voll mit.


Besonders wichtig für Studenten, Hausfrauen und Arbeitslose

Das "Sammeln" von Versicherungsjahren ist für einige Personengruppen besonders wichtig, etwa für Studenten. Wer studiert, wird im Normalfall die Rente für besonders langjährig Versicherte nicht erhalten können, also erst mit 67 abschlagfrei in Rente gehen können. Denn Studienjahre zählen nicht als Versicherungsjahre. Deshalb ist gerade für Studenten der Minijob eine gute Möglichkeit, um schon frühzeitig Versicherungsjahre zu sammeln. Das Gleiche gilt für Hausfrauen.
 

Arbeitsämter finanzieren Rentenversicherungsbeiträge

Wichtig ist dabei noch: Indirekt finanzieren die Arbeitsagenturen bzw. die Jobcenter den Betrag, den die Betroffenen an die Rentenversicherung abführen. Denn der Versicherungsbeitrag zählt nicht zum anrechenbaren Einkommen. Anders ausgedrückt: Sinkt das Einkommen durch die Versicherungsbeiträge, so fällt das Arbeitslosengeld II oder die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I entsprechend höher aus.
 

"Normale" Arbeitnehmer können sich zusätzlichen Rentenbeitrag sparen

Arbeitnehmer, die einen Minijob neben einer regulären sozialversicherten Beschäftigung ausüben, bringt die neue Rentenversicherungspflicht dagegen wenig. Sie sind ja ohnehin in der gesetzlichen Rentenversicherung abgesichert. Wer einen gut dotierten Hauptberuf hat, kann daher in einem Nebenjob durchaus auch auf die Rentenversicherungspflicht verzichten – und einige Euro sparen. Die Pflicht zur Zahlung von Rentenbeiträgen kann ganz einfach durch eine ausdrückliche schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber abgewählt werden.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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