Erbschaft 2016 So greift die gesetzliche Erbfolge

Erbschaft 2016 So greift die gesetzliche Erbfolge

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
24.01.2016
Auf einen Blick

Hinterlassen Sie weder Testament noch Erbvertrag oder sind diese lückenhaft oder unwirksam, so gilt automatisch die gesetzliche Erbfolge - mit diesen Konsequenzen.

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Wissen Sie eigentlich, wer Ihr Vermögen erbt, wenn Sie kein gültiges Testament hinterlassen? Die gesetzliche Erbfolge ist ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Erbrechts. Demnach werden im Erbfall ausschließlich Verwandte des verstorbenen Erblassers bei der Verteilung des Nachlasses berücksichtigt. Die Einteilung der Erben erfolgt dabei in verschiedene Ordnungen. Hier geben wir Ihnen einen kurzen allgemeinen Überblick zur gesetzlichen Erbfolge:
 

Gesetzliche Erbfolge - 1. Ordnung

Zur 1. Ordnung der gesetzlichen Erbfolge gehören die direkten Abkömmlinge des Erblassers, vorrangig die Kinder. Diese erben zu gleichen Teilen. Ist eines der Kinder zur Zeit der Erbschaft bereits gestorben, so können wiederum dessen Abkömmlinge für diesen Erbteil die Erbschaft antreten. Adoptivkinder erhalten automatisch die volle verwandtschaftliche Stellung und sind erbberechtigt. Wichtige Gesetzesänderung: Seit 1.4.1998 werden eheliche und nichteheliche Kinder im Erbrecht gleichgestellt. Für die vor dem 1. Juli 1949 geborenen Kinder bleibt es jedoch bei der alten Gesetzeslage, das heißt für diese Betroffenen: Nichteheliche Kinder sind nur im Verhältnis zur Mutter Erbberechtigte der 1. Ordnung.
 

Gesetzliche Erbfolge - 2. bis 5. Ordnung

Zur 2. Ordnung der gesetzlichen Erbfolge zählt das Gesetz die Eltern des Erblassers sowie deren Abkömmlinge. Dies sind demnach die Geschwister des Verstorbenen, sowie Nichten und Neffen. Zur 3. Ordnung gehören dann die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Tanten und Onkel sowie Vettern und Kusinen. Zur 4. Ordnung der gesetzlichen Erbfolge zählen die Urgroßeltern und deren Abkömmlinge und zur 5. Ordnung die noch entfernteren Voreltern und deren Nachfahren. Hinterlässt der Verstorbene keine der oben genannten Personen, dann erbt der Staat (allerdings nie die Schulden).

Grundsätzlich gilt im gesetzlichen Erbrecht folgendes Prinzip: Sind Verwandte einer vorhergehenden Ordnung vorhanden, sind alle Nachfolgenden ausgeschlossen. Ebenso schließt der Sohn des Erblassers wiederum seinen eigenen Sohn (also den Enkel) vorerst aus.

Beispiel: Hat der Erblasser drei Kinder, Adam, Berta und Claudia, so sind diese je zu einem Drittel gesetzliche Erben. Ist eines dieser Kinder verstorben, z. B. Adam, und hat dieser allerdings Abkömmlinge hinterlassen, so treten diese an die Stelle von Adam in dessen Stamm: Berta und Claudia erben zu je einem Drittel, und die beiden Kinder von Adam zu je einem Sechstel.

Rechnung: Herr X. stirbt, hinterlässt zwei Kinder Berta und Claudia und nach dem vorverstorbenen Sohn Adam von diesem auch zwei Enkelkinder. Das Vermögen beträgt 90.000 Euro. Erbverteilung: Die zwei lebenden Kinder bekommen je ein Drittel, also jeweils 30.000 Euro und die beiden Enkelkinder erben nach ihrem verstorbenen Vater Adam je 15.000 Euro, zusammen also die restlichen 30.000 Euro.

Mein Tipp: Sie möchten, dass eines Ihrer Kinder nichts erbt? Lesen Sie, warum der Pflichtteil das Enterben schwierig macht.

Gesetzliche Erbfolge - die Stellung des Ehegatten

Durch Heirat entsteht übrigens keine Verwandtschaft. Die besondere Stellung des Ehegatten wird durch das spezielle Ehegattenerbrecht geregelt. Der Ehepartner des Erblassers ist ebenso gesetzlicher Erbe neben den Verwandten. Gleiches gilt für den eingetragenen Lebenspartner gemäß Paragraf 10 Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG). Die Höhe des Erbes des Ehegatten ist unter anderem auch abhängig von dem ehelichen Güterstand. Wurde nichts Gesondertes vereinbart, so kommt der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft zum Tragen (Normalfall). Mögliche andere Formen wären noch die Gütertrennung und die Gütergemeinschaft.

Allerdings ist der überlebende Ehegatte nur dann gesetzlich erbberechtigt, wenn zum Zeitpunkt des Todes auch eine gültige Ehe bestand. Waren bereits zur Zeit des Todes die Voraussetzungen für eine Ehescheidung gegeben, die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt oder hatte der Erblasser auf Aufhebung der Ehe geklagt, so entfällt der Erbanspruch. Ein rechtskräftiges Scheidungsurteil muss noch nicht ergangen sein (Paragraf 1933 BGB).

Übrigens: Auch wenn sich die Ehepartner vor mehr als 40 Jahren getrennt haben, ist der überlebende Ehegatte weiterhin gesetzlicher Erbe, wenn die Ehe nicht geschieden wurde.
 

Gesetzliche Erbfolge - so erbt Ihr Ehepartner

Die Höhe des Erbanteils des überlebenden Ehegatten bestimmt sich zum einen danach, neben welchen anderen Verwandten er erbt. Zum anderen ist es von Bedeutung, in welchem familienrechtlichen Güterstand die Ehegatten lebten.

Ein Beispiel: Herr X. stirbt und hinterlässt eine Ehefrau, drei Kinder und ein Vermögen von 90.000 Euro. Es existiert kein Testament. Das Ehepaar lebte im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Erbverteilung: Die Ehefrau erhält ein Halb, also 45.000 Euro, die drei lebenden Kinder von der anderen Hälfte je ein Drittel, also jeweils 15.000 Euro.

So hoch ist jeweils der gesetzliche Erbanteil des Ehegatten
Ehegattenerbteil beiZugewinngemeinschaftGütertrennungGütergemeinschaft
Erben der I. Ordnung bei:   
1 Kind1/21/21/4
2 Kindern1/21/31/4
3 Kindern1/21/41/4
nur Erben II. Ordnung oder wenigstens Großeltern vorhanden3/41/21/2
weder Erben I. noch II. Ordnung noch Großelternvorhanden1/11/11/1

 

Der „Voraus“ des Ehepartners

Nach Paragraf 1932 BGB kann der überlebende Ehepartner als gesetzlicher Erbe (aufpassen: nicht als testamentarischer!) seinen „Voraus“ verlangen. Das sind alle Gegenstände, die zum ehelichen Haushalt gehören sowie die Hochzeitsgeschenke. Damit soll der Ehepartner den zuvor gemeinsamen Haushalt weiterführen können. Diesen „Voraus“ erhält er immer neben den miterbenden Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern. Neben Verwandten der ersten Ordnung erhält er diese Gegenstände nur, soweit er diese zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt.

Mein Tipp:
Im Einzelfall kann es durchaus sinnvoll sein, kein Testament zu verfassen, wenn Eheleute außer ihrem Hausrat kein nennenswertes Vermögen besitzen.

Unser Tipp

Wichtig: Hinterlassen Sie ein Testament, sollte dieses auch gefunden werden. Durch das Zentrale Testamentsregister kommen Erben sicherer an den Nachlass.

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Fritz Himmel
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Fritz Himmel
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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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