Jobbende Rentner Acht Antworten zum Hinzuverdienst

Jobbende Rentner Acht Antworten zum Hinzuverdienst

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
10.02.2015
Auf einen Blick

Knapp 1,4 Millionen Minijobber sind derzeit über 60 Jahre alt - Tendenz steigend. Was ist erlaubt, ohne dass die Rente gekürzt wird?

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Spielt das Alter eine Rolle für den erlaubten Hinzuverdienst?

Ja. Entscheidend ist derzeit noch das Regelrentenalter - und das liegt 2015 bei 65 Jahren und vier Monaten. Künftig steigt es bis auf 67 Jahre an - zunächst jedes Jahr um einen Monat. Die meisten Altersrentner sind im regulären Rentenalter. Sie dürfen unbegrenzt hinzuverdienen. Für die übrigen Altersrentner, die das Regelrentenalter noch nicht erreicht haben, ist bei 450 Euro Hinzuverdienst derzeit das Ende der Fahnenstange erreicht.

Und was gilt für Altersrentner, die die reguläre Altersgrenze noch nicht erreicht haben?

Ein 450-Euro-Job ist für die Betroffenen unschädlich. Diesen Betrag dürfen Bezieher eines vorgezogenen Altersruhegeldes „brutto für netto“ jeden Monat verdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. In zwei Monaten pro Jahr ist ein Hinzuverdienst bis zu 900 Euro möglich, ohne den Rentenbezug zu gefährden. Das Gleiche gilt für diejenigen, die eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalten.

Was passiert, wenn der Hinzuverdienst höher ist als 450 Euro?

Dann wird die Rente gekürzt – und zwar in jedem Fall um ein Drittel. Dies gilt selbst dann, wenn die 450-Euro-Grenze nur geringfügig überschritten wird. Beispiel: Ein Altersrentner, der 1.200 Euro als vorgezogenes Altersruhegeld erhält und drei Monate lang nebenher 451 Euro verdient, erhält nur noch eine sogenannte Teilrente – und zwar in diesem Fall eine Zwei-Drittel-Rente. Er bekommt also statt 1.200 nur noch 800 Euro ausgezahlt – so lange wie er die „zu hohen“ Arbeitseinkünfte erhält.

Wird die Rente immer um ein Drittel gekürzt?

Nein. Je nachdem, wie hoch das Nebeneinkommen ausfällt, wird die Rente möglicherweise sogar halbiert, auf ein Drittel zusammengestrichen oder ganz gestrichen. Wie viel man genau hinzuverdienen darf, wenn man wenigstens die halbe oder die Drittel-Rente erhalten will, kann man sich bei der Rentenversicherung ausrechnen lassen. Als Faustregel gilt: Wer einen halben Job ausübt, kann nebenher die halbe Rente erhalten. Wer einen Zwei-Drittel-Job ausübt, für den gibt es nebenher nur ein Drittel der Rente. Diese Bruchteil-Renten nennt man Teilrenten.

Spielen die Teilrenten bislang überhaupt eine Rolle?

Bisher jedenfalls nicht. Derzeit gibt es nur einige tausend Rentner, deren Altersruhegeld gekürzt wird, weil sie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit monatlichen Einkünften über 450 Euro ausüben. Rentner, die jobben, üben im Regelfall eine geringfügige Beschäftigung aus. Oder: Die Betroffenen verzichten zunächst ganz auf die Rente und arbeiten sozialversichert auch über das reguläre Rentenalter hinaus.

Schaden auch Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte bei der Rente?

Nein. Nur durch Arbeitseinkommen kann die Altersrente gekürzt werden. Bei der Hinterbliebenenrente gelten allerdings härtere Regeln.

Müssen Rentner von Arbeitseinkünften Rentenversicherungsbeiträge zahlen?

Das kommt darauf an. Von den Einkünften aus einem Minijob bis 450 Euro müssen die Rentner selbst niemals Sozialbeiträge zahlen. Wer bereits die reguläre Altersrente erhält, muss keine Rentenversicherungsbeiträge zahlen – egal wie hoch der Hinzuverdienst ist. Jüngere Rentner, die regelmäßig über 450 Euro im Monat verdienen, sind dagegen beitragspflichtig. Die Rentenversicherungsbeiträge, die sie zahlen, erhöhen auch noch ihre weiteren Rentenansprüche.

Und bleibt es bei diesen Regeln?

Erst einmal: Ja. Es sind allerdings großzügigere Regeln in der Diskussion. Mit Gesetzesänderungen ist allerdings frühestens im zweiten Halbjahr 2015 zu rechnen.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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