Minijob oder Midijob Ein Euro mehr Lohn bringt volle Sozialleistungen

Minijob oder Midijob Ein Euro mehr Lohn bringt volle Sozialleistungen

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
16.09.2016
Auf einen Blick

Minijobs mit bis zu 450 Euro pro Monat sind beliebt. Oft allerdings zu Unrecht. Denn mit einem 451-Euro-Job stehen Arbeitnehmer und Arbeitgeber oft besser da.

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„Mehr als zehn Stunden pro Woche kann ich nicht jobben, da passt eben mein Minijob genau“, sagt Petra K. Die Mutter von zwei Kindern im Kindergartenalter hilft zweimal in der Woche je fünf Stunden in einem Buchladen aus und verdient dabei inzwischen genau 450 Euro brutto im Monat. Abzüge muss sie nur für die Rentenversicherung hinnehmen, da sie sich für die Beitragspflicht des Minijobs entschieden hat. Dafür behält ihr Arbeitgeber monatlich 16,65 Euro von ihrem Lohn ein und überweist diese an die Minijob-Zentrale. Ansonsten ist der Minijob für Petra K. sozialversicherungs- und steuerfrei.

Unter den knapp sieben Millionen Minijobbern sind fast viereinhalb Millionen Frauen, darunter viele Mütter. Die kleinen Teilzeitjobs können sie mit der Kindererziehung in Einklang bringen. Allerdings: Wenn sie krank oder schwanger werden oder ihren Job verlieren, bekommen sie alle Nachteile der Minijobs zu spüren. Denn falls sie nicht anderweitig abgesichert sind, gibt es für sie keinen Schutz der Sozialversicherungen. Ganz anders ist dies, wenn sie mit ihrem Arbeitgeber eine Lohnerhöhung  auf 451 Euro vereinbaren.

Midijob: Vorteile eines 451-Euro-Jobs

Mit Einkünften von 451 Euro pro Monat sind die Jobber voll sozialversichert. Nach zwölf Beschäftigungsmonaten haben sie bei einem Verlust ihrer Arbeit Anspruch auf die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I – und zwar (bei Steuerklasse I oder IV) auf 235,50 Euro pro Monat. Bei einem 450-Euro-Job gehen sie dagegen leer aus. Im Krankheitsfall können 451-Euro-Jobber bis zu 78 Wochen Krankengeld von der gesetzlichen Kasse erhalten – und zwar rund 278 Euro pro Monat.

Minijobber haben dagegen – wie alle Arbeitnehmer – lediglich Anspruch auf die sechswöchige Lohnfortzahlung bei Krankheit durch den Arbeitgeber. Bei Schwangerschaft erhalten 451-Euro-Jobberinnen das Mutterschaftsgeld ihrer Krankenkasse in Höhe von 13 Euro pro Kalendertag. In der Mutterschutzfrist kommen dabei mindestens 1.287 Euro zusammen. Für 450-Euro-Kräfte gibt es stattdessen lediglich einmalig 210 Euro Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt.

Midijob: Kosten und Sozialabgaben

451-Euro-Jobber müssen allerdings – anders als bei einem Minijob – Abgaben an alle Sozialversicherungen zahlen. Bei einem monatlichen Arbeitsentgelt von 451 Euro fallen in der sogenannten Gleitzone (bis 850 Euro) dafür aber nur verminderte Beiträge an. Bei 451 Euro Monatsverdienst sind es derzeit  rund 48 Euro pro Monat. Zudem wird das Arbeitseinkommen – anders als in der Regel beim Minijob – steuerpflichtig. Steuern werden in der Regel nur für diejenigen fällig, die einen besser verdienenden Ehepartner haben.

Spareffekt für den Arbeitgeber

Auch für den Chef von Petra K. rechnet es sich, wenn er seiner 450-Euro-Jobberin eine Lohnerhöhung um einen Euro zugesteht. Bei einem 450-Euro-Job muss der gewerbliche Arbeitgeber monatlich 141,39 Euro an die Minijob-Zentrale abführen. Bei einem 451-Euro-Job sinken seine zusätzlichen Belastungen für die Sozialversicherungen auf 87,16 Euro im Monat. Wird der Lohn von Petra K. um einen Euro erhöht, so spart der Arbeitgeber hierdurch mehr als 50 Euro pro Monat bei der Sozialversicherung.

Mehr Anerkennung als beim Minijob 

Für Minijobber bringt eine Lohnerhöhung auf 451 Euro zudem auch faktisch mehr Rechte im Job. Denn 450-Euro-Jobber haben zwar theoretisch die gleichen Rechte wie alle anderen Arbeitnehmer. Also beispielsweise auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaub. Doch faktisch stehen diese Rechte häufig nur auf dem Papier. Wird der Job dagegen sozialversicherungspflichtig, so gelten diese Rechte weit eher als Selbstverständlichkeit.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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