Erben und Vererben im Ausland Das neue EU-Erbrecht

von Michael Schreiber
24.02.2016
Auf einen Blick

Möchten Sie Ihren Lebensabend im Ausland verbringen, sollten Sie Ihr Testament überprüfen. Sonst drohen den Erben böse Überraschungen. Das neue EU-Erbrecht:

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Träumen auch Sie von einem Altersruhesitz im sonnigen Süden? Immer mehr Deutsche verbringen ihren Lebensabend im Ausland oder besitzen dort Bankkonten oder ein Ferienhaus. Der jenseits der deutschen Grenzen angehäufte Wohlstand bringt spätestens im Erbfall unübersehbare rechtliche Schwierigkeiten mit sich. Denn innerhalb der EU gab es bisher keine Harmonisierung rund um erbrechtliche und erbschaftsteuerliche Fragen.

Ein einheitliches EU-Erbrecht gibt es nicht. Die Nachkommen vermögender Ruheständler mit Auslandswohnsitz müssen deshalb im Erbfall komplizierte Rechtsprobleme lösen. Denn wie regelt man einen Nachlass auf Mallorca? Nach deutschem oder spanischem Recht? Braucht man in Spanien einen Erbschein, um sein Erbe anzutreten? Wird ein Testament im Ausland anerkannt? Wer erbt, wenn es kein Testament gibt?

Bei Auslandsbesitz können Sie im Erbfall böse Überraschungen erleben

Bei zivilrechtlichen Erbfragen gleicht Europa bislang einem Flickenteppich. Das kann zu bösen Überraschungen führen, zum Beispiel weil in vielen Ländern Pflichtteilsansprüche höher ausfallen und nicht mit Geld abgefunden werden können. Die Erben erhalten dann anteilig Grundbesitz, was die Abwicklung des Erbfalls erschwert.

Ärger ist bereits dann vorprogrammiert, wenn eine deutsche Besonderheit greifen soll – das „Berliner Testament“. Bei der äußerst beliebten Erbregelung verfassen Eheleute ein gemeinsames Schreiben, in dem sie sich gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Erst wenn beide verstorben sind, geht das Vermögen an die Kinder. Das Problem: Das gemeinsame Testament wird in einigen EU-Staaten nicht anerkannt. Das gilt vor allem für die beliebtesten Altersruhesitze der Deutschen - in Frankreich, Italien und Spanien. Dort gilt dann die gesetzliche Erbfolge.

In der Folge kann es passieren, dass die Kinder alles erben und der überlebende Partner nur ein Nutzungsrecht am Ferienhaus im sonnigen Süden zugesprochen bekommt. Andere Rechtsordnungen bieten dagegen im Erbfall auch Vorteile. Das englische Erbrecht kennt zum Beispiel überhaupt keine Pflichtteilsansprüche. Kinder können also vollständig enterbt werden.
 

Neues EU-Erbrecht: Bürokratische Hürden beseitigt

Seit August 2015 ist eine neue EU-Erbrechtsverordnung (Nr. 650/2012) in Kraft, die die Erbschaft über die Landesgrenzen hinweg vereinfachen soll. Das wurde auch höchste Zeit, denn die Europäer werden immer älter und immer mobiler. Fast zehn Prozent aller Erbschaften in Europa werden über die Grenze hinweg abgewickelt. Die neue Verordnung gilt für alle Todesfälle ab dem 17. August 2015 und bestimmt zunächst, dass sich nach dem Tod die gesamte Abwicklung des Nachlasses nach dem Recht des Staates richtet, in dem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte.

Auch die Zuständigkeit von Gerichten und Behörden richtet sich danach, so das neue EU-Erbrecht. Neu ist auch ein europäisches Nachlasszeugnis, mit dessen Hilfe sich Erben künftig in allen EU-Mitgliedstaaten ohne weitere Formalitäten als Berechtigte über den Nachlass ausweisen können. Da Beglaubigungen und Übersetzungen entfallen, soll die Abwicklung von Nachlässen kostengünstiger und schneller erfolgen.

Mein Tipp:

Wenn Sie sich ganz oder zeitweise im Ausland aufhalten, sollten Sie mit Hilfe eines Fachmanns ein Testament errichten oder ein bestehendes Testament überprüfen. Wer nicht will, dass sein Nachlass nach ausländischem Recht abgewickelt wird, sollte schon zu Lebzeiten testamentarisch bestimmen, dass nach seinem Tod das deutsche Erbrecht angewendet werden soll. Das Bundesministerium der Justiz hat zur EU-Erbrechtsverordnung einen Informationsflyer herausgegeben, der im Internet erhältlich ist.

Steuerprobleme lässt das neue EU-Erbrecht weiter ungelöst

Die neue EU-Verordnung ist gut gemeint – sie löst aber nicht alle Probleme im Erbfall. In Großbritannien, Irland und Dänemark gilt das neue EU-Erbrecht zunächst gar nicht. Die Neuregelung umfasst außerdem nur das zivile Erbrecht, für das Erbschaftsteuerrecht gibt es weiter keine Harmonisierung. Die Besteuerung grenzüberschreitender Nachlässe bleibt deshalb weiter kompliziert und für die Erben brisant.

In Deutschland gilt das Wohnsitzprinzip: Es fällt bei Erbschaftsteuer an, wenn entweder der Erbe oder der Verstorbene seinen Wohnsitz im Bundesgebiet hatte. Auch der Staat, in dem das Vermögen liegt, erhebt oft eine Abgabe auf den Nachlass. Im schlimmsten Fall wird das Erbe von zwei Staaten besteuert. Doppelbesteuerungsabkommen sollen das zwar vermeiden – davon hat die Bundesrepublik aber nur sechs abgeschlossen. In bestimmten Fällen kann die im Ausland gezahlte Erbschaftsteuer auf die deutsche Steuerschuld angerechnet werden.

Bankguthaben auf spanischen Konten sind für deutsche Rentner und Pensionäre eine potentielle Steuerfalle. Denn nach ihrem Tod greifen Spanien und Deutschland mit Erbschaftsteuer gleich doppelt auf das Vermögen zu. Der deutsche Fiskus rechnet die in Spanien bezahlte Steuer auf Bankguthaben nicht auf die deutsche Steuerschuld an.

Mein Tipp:

Transferieren Sie größere Geldbestände zurück nach Deutschland und halten Sie auf spanischen Konten nur soviel Geld, wie sie vor Ort unbedingt benötigen.

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