Steuer und Rente So belohnt der Staat pflegende Angehörige

von Michael Schreiber
18.09.2014
Auf einen Blick

Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt, hat Anspruch auf Steuervorteile und bekommt einen Rentenzuschlag. Jedes Jahr Pflege steigert die Monatsrente um bis zu 21 Euro.

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Über zwei Millionen ältere Menschen sind in der Bundesrepublik dauerhaft pflegebedürftig. 1,7 Millionen Pflegebedürftige – das sind rund 85 Prozent – werden von ihren Angehörigen zu Hause versorgt. Die soziale Ader der Pflegekräfte honoriert Vater Staat mit Steuervorteilen und Rentenzuschüssen. Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt, kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro in der Einkommensteuererklärung geltend machen. Um sich den Steuervorteil zu sichern, muss die Pflege unentgeltlich erfolgen. Das Pflegegeld der gesetzlichen oder privaten Pflegeversicherer bleibt dabei außen vor, wenn der pflegende Angehörige das Geld nachweislich nicht für sich behält, sondern nur treuhänderisch verwaltet, um zum Beispiel Pflegehilfsmitteln oder eine zusätzliche familienfremde Pflegekraft zu finanzieren. Um in den Genuss der Steuervorteile zu kommen, muss der Pflegebedürftige außerdem im täglichen Leben dauerhaft auf Pflege angewiesen sein.

Steuervorteile nur gegen Nachweis

Zum Beweis der Pflegebedürftigkeit akzeptieren die Finanzbeamten einen Schwerbehindertenausweis des Versorgungsamtes mit dem Merkzeichen „H“ oder alternativ einen Bescheid der Pflegekasse über die Einstufung als Schwerstpflegebedürftiger der Stufe III. Wer für einen Angehörigen im Pflegeheim aufkommen muss, kann das Finanzamt ebenfalls finanziell an den Zuzahlungen zur Pflege beteiligen – über die Rubrik „außergewöhnliche Belastungen“ in der jährlichen Steuererklärung.

Die enge Familienbande wirkt sich auch auf die spätere Rente der Angehörigen aus. Denn wer pflegebedürftige Angehörige versorgt, muss die eigene Berufstätigkeit oft einschränken oder ganz aufgeben. Um Nachteile für die spätere Rente auszugleichen, leistet die Pflegeversicherung des Angehörigen Beiträge zur gesetzlichen Rente der Pflegekraft. Voraussetzung ist aber, dass die wöchentliche Dauer der Pflege mindestens 14 Stunden beträgt und die eigene Berufstätigkeit nicht mehr als 30 Wochenstunden umfasst. Der zeitliche Umfang der notwendigen Pflege wird vom medizinischen Dienst der Krankenkasse festgelegt.

Rentenzuschuss hängt vom Aufwand der Pflege ab

Der Rentenzuschuss für die Pflege wird bei der Pflegekasse extra beantragt. In welcher Höhe dann Beiträge auf das Rentenkonto des pflegenden Angehörigen gezahlt werden, richtet sich nach dem zeitlichen Aufwand und dem Grad der Pflegebedürftigkeit. In der Pflegestufe I wird zum Beispiel für das Beitragsjahr 2014 und für 14 Stunden wöchentliche Pflege ein fiktives Einkommen von 737,33 Euro (West) bzw. 625,33 Euro (Ost) zur Berechnung der Rentenbeiträge zugrunde gelegt. Die darauf für ein volles Jahr Pflege gezahlten Beiträge steigern die monatlichen Rentenansprüche um 7,14 Euro (West) bzw. 6,58 Euro (Ost). Für höhere Pflegestufen mit größerem Pflegeaufwand gibt es entsprechend mehr Rentenzuschüsse.

Die Deutsche Rentenversicherung bietet im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de eine Broschüre zum Thema „Rente für Pflegepersonen“ zum Herunterladen oder kostenlos zum Bestellen an. Auch für einen behindertengerechten Umbau der Wohnung können Pflegebedürftige finanzielle Unterstützung erhalten. Die Pflegekasse zahlt auf Antrag Zuschüsse von bis zu 2 557 Euro für die rollstuhlgerechte Verbreiterung von Türen oder den Bau von Rampen. Sogar der Umzug in eine behindertengerechte Wohnung wird gesponsert.

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