Geldanlage und Steuern Wie Anleger Verluste geltend machen können

von Michael Schreiber
11.11.2011
Auf einen Blick

Das Finanzamt beteiligt sich auch weiterhin an Börsenverlusten. Anleger müssen aber komplizierte Regelungen beachten, um kein Bargeld zu verschenken.

Artikelbewertung
Schrift

Banken und Fiskus unterscheiden seit der Einführung der Abgeltungsteuer strikt zwischen Altverlusten, die bis Ende 2008 entstanden sind, und Verlusten, die unter der Abgeltungsteuerpflicht ab 2009 aus Neuanlagen entstehen. Für beide gelten völlig unterschiedliche Regelungen. Auch die Reihenfolge, in der Altverluste und Neuverluste mit Kursgewinnen ab 2009 verrechnet werden können, ist klar vorgegeben. Banken und Fondsgesellschaften dürfen unterjährig nur Gewinne und Verluste automatisch miteinander verrechnen, die aus Neuanlagen seit dem 1. Januar 2009 erzielt wurden. Blieb Ende 2010 aus allen Kapitalanlagen ein Verlust übrig, kann dieser zeitlich unbeschränkt in künftige Jahre vorgetragen und mit dort entstehenden Gewinnen und Kapitalerträgen verrechnet werden. Aktiensparer müssen allerdings mit einer Besonderheit leben – Verluste aus ab 2009 getätigten Aktienkäufen dürfen nur noch mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden.

Zwei Verlustverrechnungstöpfe

Um diese Spielregeln einhalten zu können, haben die Banken für jeden Anleger gedanklich zwei Verlustverrechnungstöpfe eingerichtet. Im ersten Topf landen realisierte Verluste aus Verkäufen von Aktien und REITs (Real Estate Investment Trusts – steuerbefreite Immobilienaktien), sofern der Anleger diese Papiere nach dem 31.12.2008 ins Depot gepackt hat. Die Einbußen aus Aktiengeschäften zählen ab 2009 zwar in voller Höhe bei der Steuer mit – die Miesen werden in diesem Speicher aber solange auf Eis gelegt, bis bei der gleichen Bank aus Aktiendeals ein verrechenbarer Gewinn entsteht.

Im zweiten Topf landen alle übrigen Wertpapieranlagen, die seit Neujahr 2009 getätigt wurden. Erfasst werden Gewinne und Verluste aus dem Handel mit Anleihen, Zertifikaten, Termingeschäften, Fondsanteilen sowie gezahlte Stückzinsen. Sämtliche Nebenkosten beim An- und Verkauf wie Bankspesen und Maklercourtage zählen mit. Die depotführenden Institute führen die beiden Töpfe unterjährig fort. Das hat für Anleger einen entscheidenden Vorteil – sie müssen ihrem einmal bezahlten Steuergeld nicht lange hinterherlaufen. Die Bank erstattet auch im laufenden Jahr zuviel gezahlte Steuern zurück – mancher Anleger kann sich deshalb das Ausfüllen komplizierter Steuerformulare ersparen.

Vorteil für Ehepaare

Seit 2010 darf die Depotbank für alle bei ihr geführten Konten und Depots von Ehegatten eine übergreifende Verlustverrechnung durchführen, wenn das Paar einen gemeinsamen Freistellungsauftrag erteilt hat. Für 2009 war dies noch nicht möglich. Führt das Paar Depots bei verschiedenen Banken, kommt es allerdings auch weiterhin um eine Steuererklärung nicht herum. Eine Verbesserung ergibt sich auch für Wertpapierübertragungen zwischen Einzel- und Gemeinschaftsdepots von Ehegatten. Anders als im Gesetz bisher vorgegeben, wird bei der Verschiebung von Wertpapierbeständen eine unentgeltliche Übertragung unterstellt. Bis Ende 2009 musste die Bank ohne anderslautende Weisung des Kunden einen Verkauf unterstellen und die Depotübertragung abgeltungsteuerpflichtig abrechnen.

Termin beachten: 15. Dezember

Anleger mit mehreren Bankverbindungen können sich ungenutzte Verluste aus beiden „Töpfen“ jeweils zum Jahresende von der Bank bescheinigen lassen. Der Anleger verrechnet dann auf eigene Initiative Verluste des einen Depots mit Gewinnen des anderen Depots über die jährliche Steuererklärung und lässt sich zuviel gezahlte Abgeltungsteuer vom Fiskus erstatten. Für die Steuerabrechnung 2010 hätte das allerdings bis zum 15. Dezember 2010 bei der Depotbank beantragt werden müssen.

Tipp: Auch für die Steuererklärung 2011 benötigen Anleger wieder eine Verlustbescheinigung, wenn sie rote Zahlen mit dem Fiskus abrechnen wollen. Börsianer sollten sich den Termin 15.12.2011 im Kalender vormerken.

Eine Neuerung müssen Anleger verdauen, die in ihrem Depot Auslandsaktien in Form von ADR´s oder GDR´s (American, Global bzw. International Depositary Receipts) halten. Bis Ende 2009 wurden realisierte Verluste aus dem Verkauf dieser Wertrechte in den normalen Verlustverrechnungstopf eingestellt. Sie konnten damit uneingeschränkt mit Zinsen und Dividendenerträgen verrechnet werden.

Für Veräußerungsvorgänge seit Anfang 2010 hat das Bundesfinanzministerium (BMF) seine bisherige Meinung zu Lasten der Anleger allerdings geändert. Die Depotbank hat realisierte Verluste im Aktientopf verbucht. Damit ist eine Verlustverrechnung nur noch eingeschränkt mit künftigen Gewinnen aus Aktienverkäufen möglich. Auch die Besitzer von Vollrisikozertifikaten mit Andienungsrecht wurden bei Fälligkeit ihrer Papiere im letzten Jahr kalt erwischt. Der Fiskus hatte bereits mit dem Jahressteuergesetz 2009 den Steuervorteil dieser Papiere gestrichen, sofern diese nach dem 14. März 2007 angeschafft wurden.

Seit Anfang 2010 gilt folgende Regelung: Erhalten Anleger bei Laufzeitende des Papiers anstelle des Nennwertes die unter den vereinbarten Schwellenwert gefallenen Aktien als Tilgungsersatz ins Depot gebucht, können sie den erlittenen Kapitalverlust nicht mehr wie bisher mit Zins- und Dividendenerträgen verrechnen. Die ins Depot gebuchten Aktien gelten künftig einfach als mit dem ursprünglich bezahlten Kaufpreis des Zertifikates als angeschafft. Der Umtauschverlust zählt damit erst, wenn die erhaltenen Aktien wieder mit Gewinn verkauft werden. Geht das Geschäft wiederum nur mit Verlust über die Bühne, greift die nächste Steuerfalle.

Denn Verluste aus Aktiengeschäften dürfen nur noch mit Gewinnen aus anderen Aktiendeals verrechnet werden. Bisher galt diese negative Regelung seit 2009 nur für Aktienanleihen. Vermeiden kann man diesen Malus nur, indem man beide Arten von Derivaten kurz vor der Fälligkeit mit Verlust verkauft. Dann kann die Depotbank die roten Zahlen mit anderen abgeltungsteuerpflichtigen Einkünften verrechnen.

Mit Altverlusten aus der Zeit bis Ende 2008 haben Depotbanken und Fondsgesellschaften nichts zu schaffen – dennoch sind sie nicht wertlos. Anleger müssen diese nur bei ihrem Finanzamt geltend machen. Anleger durften ihre roten Zahlen aus der Zeit bis 2008 zwar in das neue Steuersystem der Abgeltungsteuer hinüberretten. Allerdings können sie diese Altverluste nur noch zeitlich befristet bis zum 31. Dezember 2013 über die Steuererklärung mit Kursgewinnen aus allen Wertpapiergeschäften ab 2009 verrechnen. Dazu zählen also auch Profite aus dem Verkauf von Anleihen, Zertifikaten und Fondsanteilen – nicht jedoch Zinserträge oder Dividenden sowie Auszahlungen aus Lebensversicherungen oder Fondsausschüttungen. Anleger benötigen für eine Verlustverrechnung das Formular „Anlage KAP 2010“ – für eine Verrechnung neuer Gewinne mit alten Verlusten tragen sie in den Zeilen 59 oder 60 des Vordrucks eine „1“ ein.

Ab 2014 können noch nicht verwertete Altverluste nur noch mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften wie dem steuerpflichtigen Verkauf von Immobilien, Edelmetallen wie Goldbarren oder -münzen oder Antiquitäten verrechnet werden.

Tipp: Anleger mit mehreren Bankverbindungen sollten ihre Altverluste wegen ihrer zeitlich begrenzten Verwertbarkeit vorrangig mit Gewinnen aus Neuanlagen verrechnen lassen und Verluste aus Neuanlagen in neue Jahre vortragen lassen. Peinlich: Aufgrund eines Programmierfehlers konnten die Finanzämter im letzten Jahr Verlustverrechnungsanträge über die Steuererklärung 2009 zunächst nicht bearbeiten – Anleger mussten monatelang auf ihre Steuerrückzahlung warten. Doch die Softwarepanne ist seit Oktober 2010 behoben.

Verbleiben nach dem 31. Dezember 2013 unverbrauchte Altverluste aus Wertpapieranlagen, dürfen sie ab 2014 nur noch mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften – zum Beispiel aus dem Verkauf vermieteter Immobilien innerhalb der dafür geltenden zehnjährigen Spekulationsfrist – verrechnet werden. Da die meisten Steuerzahler derartige Geschäfte nicht tätigen, werden viele Altverluste damit steuerlich ungenutzt bleiben. Doch soweit muss es gar nicht kommen. Clevere Steuersparer können in Eigenregie eine optimale steuerliche Verrechnung von Altverlusten bis Silvester 2013 herbeiführen. Das einfachste wäre natürlich, in diesem Jahr an der Börse Gewinne zu realisieren und diese mit den Altverlusten zu verrechnen. Wer nicht allein auf seinen Riecher für gute Geschäfte vertrauen will, kann dem Glück aber auch etwas nachhelfen.

Trick 1: Jetzt Nullkuponanleihen (Zerobonds) mit einer Laufzeit bis maximal Ende 2013 kaufen. Diese Anleihen zahlen keine laufenden Zinsen aus, sondern sammeln den Zinsertrag kontinuierlich über die Laufzeit im Kurswert an. Werden die Papiere später verkauft oder bei Endfälligkeit zum Nennwert getilgt, fließen die aufgespeicherten Zinserträge auf einen Schlag in die Tasche des Anlegers. Der Clou: Seit Anfang 2009 gelten die bei Verkauf oder Einlösung einkassierten Zinsen als Teil des Verkaufspreises – und dürfen deshalb - als Kursgewinne verpackt - in voller Höhe mit Altverlusten aus der Zeit bis 2008 verrechnet werden. Um den alten Verlustvortrag optimal zu verwerten, muss der Zerobond Zinserträge in gleicher Höhe bringen. Anleger können sich unter Seiten wie www.bondboard.de ein passendes Wertpapier heraussuchen und abgestimmt auf die Höhe ihres Verlustvortrags vom 31. Dezember 2008 maßgeschneidert investieren. Sobald im Kurswert des Zeros der entsprechende Betrag erreicht ist, kann man das Wertpapier wieder verkaufen und die im Kurswert enthaltenen Zinserträge durch Verrechnung mit den Altverlusten unter dem Strich steuerfrei einkassieren. Die Bank wird zwar beim Verkauf im laufenden Jahr erst mal Abgeltungsteuer einbehalten, weil der alte Verlustvortrag nur beim Fiskus eingefordert werden kann. Spätestens mit dem nächsten Steuerbescheid klingelt dann aber die Kasse des Sparers und die Altverluste haben sich in bare Münze zurückverwandelt.

Trick 2: Der Trick funktioniert auch mit normalen Anleihen, abgezinsten Sparbriefen oder Bundesschatzbriefen Typ B – über den Ausweis von Stückzinsen. Anleger dürfen künftig nur nicht den Zahlungstermin abwarten. Mit reinen Zins- und Dividendenerträgen dürfen Altverluste bekanntlich nicht saldiert werden. Hier hilft ein Verkauf der Papiere kurz vor dem Ausschüttungstermin. Die bis zum Verkauf bereits verdienten Zinsen bescheinigt die Bank in Form von Stückzinsen wiederum als Teil des Verkaufspreises. Damit ist – wie bei den Zerobonds – eine Verrechnung mit Altverlusten möglich.

Trick 3: Einige Aktiengesellschaften wie die Deutsche Post, Deutsche Telekom, Euroshop und Deutsche Wohnen zahlen regelmäßig „steuerfreie“ Dividenden aus. Allerdings sind diese Erträge nur deshalb auf den ersten Blick steuerfrei, weil die Firmen keine Gewinne sondern ihre Kapitalrücklagen ausschütten. Wirklich steuerfrei ist diese Dividende deshalb nur für Anleger, die diese Papiere bereits vor 2009 erworben haben. Bei Aktienkäufen ab 2009 vermindert die Depotbank in Höhe der ausgezahlten Dividenden die Einstandskurse der Aktien. Beim späteren Verkauf der Papiere ist der abgeltungsteuerpflichtige Kursgewinn damit höher – Anleger erhalten deshalb nur einen zeitlich befristeten Steueraufschub. Diese realisierten Kursgewinne kann man über die Steuererklärung 2011 mit alten Verlusten aus der Zeit bis 2008 verrechnen und sich damit die vorausbezahlte Abgeltungsteuer über den Steuerbescheid zurückholen. Unter dem Strich sind die Dividenden dann wirklich steuerfrei.

Unser Tipp

Service des Bundeszentralamtes für Steuern

Unter www.steuerliches-info-center.de erhält man zahlreiche nützliche Informationen rund um das Thema ausländische Quellensteuern: 

Eine Übersicht über die ausländischen Quellensteuersätze auf Dividenden und Zinsen und Hinweise auf Besonderheiten einzelner Wertpapiere.

Die notwendigen Erstattungsformulare zum Download.

Eine Ansässigkeitsbescheinigung zum Nachweis, dass man in Deutschland als Steuerzahler registriert ist.

Eine Anschriftenliste der ausländischen Behörden für die Erstattung von Quellensteuern.

 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Michael Schreiber
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Drucken
Zur Startseite
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein: