Steuererklärung 2015 Sonderausgaben

Steuererklärung 2015 Mantelbogen: So rechnen Sie Ihre Sonderausgaben ab

Brigitte Watermann
von Brigitte Watermann
02.05.2016
Auf einen Blick

Der Mantelbogen ist für alle ein Muss, die eine Steuererklärung abgeben. So sparen sie mit Ihren Sonderausgaben eine Menge Steuern.

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Wenn Sie in die Zeilen 36 bis 56 des vierseitigen Mantelbogens nichts eintragen, bekommen Sie automatisch den Pauschbetrag von 36 bzw. 72 Euro (ledige/ verheiratete Steuerzahler) angerechnet. Viel ist das nicht gerade. Für viele Steuerzahler kann sich daher die Mühe lohnen, hier ins Detail zu gehen, denn für manchen privat ausgegebenen Euro spendiert der Fiskus eine Steuererstattung.

So beteiligt sich Vater Staat an Ihren Unterhaltszahlungen an den geschiedenen oder getrennt lebenden Ehepartner. Bis zu 13 805 Euro sind als Sonderausgaben absetzbar (Zeilen 40/41). Für den Ex oder die Ex geleistete Beiträge zu einer Basiskranken- oder Pflegepflichtversicherung sind zusätzlich abzugsfähig. Dafür muss der Empfänger allerdings in Deutschland leben und über die Anlage U zur Steuererklärung zustimmen, denn er muss im Gegenzug den Unterhalt versteuern (Anlage SO).

Unser Tipp:
Zahlt der Expartner statt eines Versorgungsausgleichs eine Abfindung, ist die Zahlung seit 2015 abziehbar (Zeile 39). Ob das auch für die Jahre bis 2014 gilt, muss der Bundesfinanzhof erst noch klären (Revisions-Az. X R 41/14).

Haben Sie Kirchensteuern gezahlt, müssen Sie die Zahlung in Zeile 42 des Mantelbogens eintragen. Das lohnt sich besonders für Arbeitnehmer. Sie können die Kirchenabgaben direkt aus der Jahreslohnbescheinigung ihres Arbeitgebers übertragen.

Unser Tipp: Auch Kirchgeld, das einige Landeskirchen bei glaubensverschiedenen Ehepartnern erheben, ist abzugsfähig. Aber aufgepasst: Nur die Kirchensteuer, die von der Bank bereits auf Kapitalerträge zusammen mit der Abgeltungsteuer einbehalten wurde, darf nicht eingetragen werden.

Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung oder ein Erststudium lassen sich beim Finanzamt bis zu einem Höchstbetrag von 6 000 Euro als Sonderausgaben in Abzug bringen (Zeilen 43/44). Dazu gehört auch die Weiterbildung in einem erlernten, aber nicht ausgeübten Beruf.

Unser Tipp: Haben Sie in der Vergangenheit studiert oder eine Berufsausbildung absolviert, dann sollten Sie beim Fiskus zügig eine nachträgliche Verlustfeststellung für Ihre Bildungskosten beantragen. Die Verjährungsfrist läuft nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs nicht bereits nach vier Jahren, sondern erst nach sieben Jahren ab (Az. IX R 22/14).

Davon profitieren alle Studenten und Auszubildende, die in der Vergangenheit in Ermangelung eigener Einkünfte keine freiwillige Steuererklärung abgegeben haben. Sie können die versäumte Abrechnung für Jahre ab 2009 jetzt noch bis zum 31.12.2016 nachholen und Studiengebühren, Kosten für Fachliteratur und andere Bildungskosten beim Finanzamt als Werbungskosten auf der Anlage N geltend machen. Im Mantelbogen beantragen sie eine Verlustfeststellung. So bringen die früheren Studienkosten später einen Steuervorteil, wenn man das erste Geld verdient.

Unser Tipp

Zum Hintergrund: Das Bundesverfassungsgericht muss noch abschließend klären, ob Kosten für Erststudium und Ausbildung als Werbungskosten absetzbar sind (Az. 2 BvL 22, 23 und 27/14). Das Finanzamt will diese Kosten bisher nur als Sonderausgaben anerkennen – in Jahren ohne eigenes Einkommen gibt es dann keinen Steuervorteil.

Geldspenden an mildtätige, kirchliche, religiöse oder gemeinnützige Organisationen sind ebenfalls als Sonderausgaben absetzbar (Zeilen 45/46).

Tipp: Bei Spenden von mehr als 200 Euro benötigen Sie man normalerweise eine Spendenbescheinigung der jeweiligen Organisation - darunter reicht als vereinfachter Zahlungsnachweis auch der Kontoauszug oder beim Online-Banking der eigene PC-Ausdruck.

Bei Mitgliedsbeiträgen und Spenden an politische Parteien und unabhängige Wäh-lervereinigungen (Zeile 47/48) ermäßigt sich die Steuerschuld um 50 Prozent der Ausgaben, höchstens um 825 Euro (Ehegatten 1 650 Euro).

Tipp:

Extra: Flüchtlingshilfe

Um das finanzielle und persönliche Engagement von Bürgern und Unternehmen bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu honorieren, hat das Bundesfinanzministerium per Erlass vom 22. September 2015 (Az. IV C 4 – S 2223/07/0015:015) bestimmt, dass der vereinfachte Spendennachweis bei Zuwendungen im Rahmen der Flüchtlingshilfe ohne Betrags-Einschränkung gilt.

Wer Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen hat und aufgrund einer abgegebenen Verpflichtungserklärung alle Kosten des Aufenthalts privat trägt, kann ohne Belege einen Höchstbetrag von 8 472 Euro pro Person als außergewöhnliche Belastung geltend machen (Formular Anlage Unterhalt 2015).

Zunächst einmal müssen Sie ganz vorne natürlich Ihre persönlichen Angaben eintragen. Daneben sind vor allem besonders die Abschnitte „Sonderausgaben“ (ab Zeile 36), aber auch die „Außergewöhnliche Belastungen“ (Seite 3/ab Zeile 61) von großer Wichtigkeit. In beiden steck viel Potenzial für eine schöne Steuerrückerstattung.

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Brigitte Watermann
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Für meine Leser bin ich stets auf der Suche nach neuen Angebots- und Konditionen-Trends bei Direkt- und Filialbanken. Denn mein Ziel ist es, dass Anleger wohl durchdachte Entscheidungen treffen können, welchen Anbietern sie ihr Vertrauen schenken. Außerdem schreibe ich seit vielen Jahren zu den Themen Vermögensaufbau und Altersvorsorge, aber auch Anlegerschutzrecht und Steuern. Private Geldanleger und ihre Bedürfnisse stehen dabei für mich immer im Fokus.  

In München und Washington, D.C., habe ich Diplom-Journalistik und Diplom-Volkswirtschaftslehre studiert, außerdem meine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert. Nach meinem Berufseinstieg als Redakteurin beim Anlegermagazin Börse Online arbeitete ich von 1998 bis 2000 als Investor Relations Managerin bei der HypoVereinsbank. 2000 kehrte ich als Ressortleiterin zu Börse Online zurück und verantwortete dort bis 2009 die Bereiche “Geld und Vorsorge” sowie die Portrait- und Interviewstrecke “Börsianer und Anleger”. In dieser Zeit habe ich mehrere renommierte Journalistenpreise gewonnen.  

Seit 2009 schreibe ich für biallo.de, aber auch für Capital, Euro am Sonntag, Euro und weiterhin für Börse Online sowie für andere bekannte überregionale Wirtschaftsmedien. Gemeinsam mit früheren Börse Online-Kollegen betreibe ich den börsentäglichen Blog finanzjournalisten.blogspot.com. Daneben bin ich als Referentin für Wirtschaftsjournalismus an der Deutschen Journalistenschule München sowie als Moderatorin von Podiumsdiskussionen tätig.

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