Steuertipps Steuern sparen zum Jahresende

Steuertipps So sparen Sie zum Jahresende Steuern

Brigitte Watermann
von Brigitte Watermann
04.11.2016
Auf einen Blick

In der Vorweihnachtszeit bieten sich Ihnen gute Chancen, noch für 2016 Steuern zu sparen, aber auch schon für 2017 die Weichen zu stellen. Die wichtigsten Tipps für Sparfüchse.

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Die letzten Wochen des Jahres sind bei vielen Deutschen auch die teuersten. Schließlich wollen die Weihnachtsgeschenke besorgt werden. Doch wenn Sie sich nicht nur über die Geschenke, sondern auch um Ihre steuerliche Situation ein paar Gedanken machen, können Sie einiges an Geld wieder einsparen. Hier die wichtigsten Tipps für den Jahresendspurt 2016:

Lohnsteuerklasse überprüfen

Verheiratete oder verpartnerte Arbeitnehmer sollten bis zum Jahresende checken, ob ihre Lohnsteuerklassen noch günstig verteilt sind. Die „Kombination IV/IV“ bringt dann den geringsten monatlichen Lohnsteuerabzug, wenn Sie und ihr Partner etwa gleich viel verdienen. Die Steuerklassen-Kombination „IV/IV plus Faktor“ ist noch vergleichsweise neu und hat sich daher noch nicht so weit herumgesprochen. Sie sorgt aber dafür, dass der laufende Lohnsteuerabzug ziemlich genau der tatsächlichen Steuerschuld beider Partner entspricht. Größere Überraschungen – vor allem ärgerliche Nachzahlungen – können Sie so vermeiden.

Bei größeren Lohnunterschieden ist die „Kombination III/V“ in der Regel für Sie vorteilhaft. Zu beachten ist allerdings, warnt der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL), dass sich bei dieser Steuerklassenkombination häufig Nachzahlungen ergeben. Zum Teil verlangt der Fiskus sogar unterjährige Vorauszahlungen, so dass der Liquiditätsvorteil schnell dahin ist.

Gut zu wissen: Falls einer der Partner im kommenden Jahr mit Arbeitslosigkeit rechnet, kann er durch eine günstigere Steuerklasse seine Lohnersatzleistungen erhöhen. Entscheidend ist die Steuerklasse, die zu Jahresbeginn gilt. Deshalb müssen Sie noch vor Januar den Wechsel vollziehen.

Alleinerziehenden steht die Steuerklasse II zu. Wenn jedoch zum Haushalt ein neuer Partner oder andere erwachsene Personen gehören, entfällt die Steuerklasse II. Umgekehrt sollten sich Alleinerziehende, die bisher die Steuerklasse I hatten, nach dem Auszug solcher Personen die Vorteile der Steuerklasse II sichern.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
58,33
1,00%
2.
57,57
0,75%
3.
49,22
1,10%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 9 Monate

Steuerfreibeträge neu beantragen

Wenn Sie höhere Werbungskosten geltend machen können, Sonderausgaben (zum Beispiel Unterhaltszahlungen für den oder die Ex), außergewöhnliche Belastungen oder andere abzugsfähige Aufwendungen bei der Steuer ansetzen möchten, können Sie sich Freibeträge eintragen lassen. So streichen Sie noch während des Jahres mehr Netto ein.

Früher mussten die Freibeträge aber in den meisten Fällen jährlich beantragt werden – Ausnahmen waren Kinderfreibeträge und Behinderten-Pauschbeträge. Seit Oktober 2015 gibt es Erleichterungen: Seither dürfen Sie als Arbeitnehmer Freibeträge für zwei Jahre im Voraus beim zuständigen Finanzamt beantragen. Noch bis zum 30. November können Sie außerdem auch noch über einen „Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“ Freibeträge für das laufende Jahr eintragen - so werden Ihnen im Dezember deutlich weniger Steuern abgezogen – und die Weihnachtsgeschenke lassen sich besser finanzieren.

Ausgaben strategisch planen

Als Arbeitnehmer sollten Sie sich jetzt überlegen, ob sich Zahlungen für Arbeitsmittel, Fortbildung oder andere Werbungskosten noch dieses Jahr oder erst 2017 steuerlich günstiger für Sie auswirken. Die Daumenregel lautet: Wer schon jetzt weiss, dass er wohl 2016 deutlich mehr verdienen wird als 2017, sollte die Ausgaben möglichst vorziehen – ist es anders herum, sollte man sie aufs nächste Jahr verschieben.

Arbeitnehmer sollten dabei auch auf den jährlichen Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro achten. Nur höhere Werbungskosten sorgen für Zusatzentlastung. Durch Vorziehen oder Verschieben von Werbungskosten über den Jahreswechsel lässt sich manchmal der Arbeitnehmerpauschbetrag überschreiten – zumindest in einem der beiden Jahre.

Es kann auch zweckmäßig sein, wenn Sie Ihre Krankheitskosten in einem der beiden Jahre bündeln. Der Fiskus beteiligt sich erst oberhalb der sogenannten „zumutbaren Belastung“ an Krankheitskosten. Der zumutbare Eigenanteil beträgt für Sie je nach Einkommen und Familienstand zwischen einem und sieben Prozent Ihrer Einkünfte. Wer die Zahlung für eine teure Zahnbehandlung oder eine große Medikamentenbestellung vorzieht oder verschiebt, kann diese Hürde leichter nehmen.

Für Handwerkerleistungen im Haushalt lassen sich pro Jahr bis zu 6.000 Euro geltend machen. Wird eine Reparatur noch in diesem Jahr durchgeführt und bezahlt, können Sie als Mieter oder Wohnungseigentümer Ihre Steuerschuld für 2016 um bis zu 1.200 Euro (6.000 mal 20 Prozent) verringern. Nächstes Jahr steht derselbe Betrag erneut zur Verfügung. Auch kann beispielsweise eine Anzahlung für Malerarbeiten, die erst 2017 erfolgen, die Steuerschuld für 2016 verringern, wenn die erste Rate vor Neujahr überwiesen wird.

Stichtage nicht versäumen

Nur bis zum 15. Dezember können Sie bei Ihren Banken eine Verlustbescheinigung für Ihre Wertpapierdepots beantragen. Das ist dann sinnvoll, wenn man mehrere Depots bei mehreren Banken führt und Gewinne bei einer Bank mit Verlusten bei der anderen Bank verrechnen möchte. Diese Verrechnung funktioniert allerdings nur über die jährliche Steuererklärung. Keine Sorge: Wenn Sie den Termin verpassen, verschenken Sie nichts – die Bank schreibt Ihre Verlustverrechnungstöpfe dann einfach 2016 fort und verrechnet die Verluste mit künftigen Gewinnen oder Zinsen und Dividenden.

Mit einem Riestervertrag (sieheRiester Rente) lässt sich eine staatlich geförderte Altersversorgung aufbauen, und Gutverdiener profitieren von Steuervorteilern. Um maximal zu profitieren, zahlen Sie als Lediger vier Prozent des letztjährigen Bruttoeinkommens abzüglich der staatlichen Grundzulage (154 Euro) und etwaiger Kinderzulagen (pro Kind 185 Euro, für ab 2008 Geborene sogar 300 Euro) auf den Vertrag. Bis zu 2.100 Euro an Einzahlungen werden staatlich gefördert. Wenn Sie noch keinen Vertrag haben und die Summe noch bis Silvester auf einen Schlag einzahlen, können Sie von der Förderung profitieren. Wichtig: Wer bereits einen Vertrag bespart, sollte unbedingt darauf achten, sich die staatlichen Zulagen nicht durch die Lappen gehen zu lassen: Bis Ende 2016 müssen Sie die Zulagen für 2014 beantragt haben, sonst verfällt Ihr Anspruch.


Steuer-ID auf Freistellungsaufträgen und beim Kindergeld

Ihre Freistellungsaufträge bei Ihrer Bank sollten Sie ebenfalls noch bis Jahresende gegenchecken, damit Sie 2017 den Sparerpauschbetrag von 801 / 1.602 Euro (Ledige / Verheiratete) sinnvoll verteilen und möglichst ausschöpfen können. Wichtig zu wissen: Seit Januar 2016 haben Freisteller ohne Angabe der persönlichen Steuer-Identifikationsnummer keine Wirksamkeit mehr.

Biallo-Tipp:

Auch die Kindergeldkassen benötigen seit 2016 die Steuer- ID des Elternteils, der Kindergeld bezieht, und des Kindes. Durch automatischen Datenabgleich lagen schon zum Start der neuen Regelung den örtlichen Familienkassen das Gros der Steuer-IDs vor – falls nein, wurden die Kindergeldberechtigten im Lauf des Jahres 2016 von den Familienkassen kontaktiert. Das Kindergeld wurde trotzdem erst einmal weitergezahlt.

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Brigitte Watermann
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Für meine Leser bin ich stets auf der Suche nach neuen Angebots- und Konditionen-Trends bei Direkt- und Filialbanken. Denn mein Ziel ist es, dass Anleger wohl durchdachte Entscheidungen treffen können, welchen Anbietern sie ihr Vertrauen schenken. Außerdem schreibe ich seit vielen Jahren zu den Themen Vermögensaufbau und Altersvorsorge, aber auch Anlegerschutzrecht und Steuern. Private Geldanleger und ihre Bedürfnisse stehen dabei für mich immer im Fokus.  

In München und Washington, D.C., habe ich Diplom-Journalistik und Diplom-Volkswirtschaftslehre studiert, außerdem meine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert. Nach meinem Berufseinstieg als Redakteurin beim Anlegermagazin Börse Online arbeitete ich von 1998 bis 2000 als Investor Relations Managerin bei der HypoVereinsbank. 2000 kehrte ich als Ressortleiterin zu Börse Online zurück und verantwortete dort bis 2009 die Bereiche “Geld und Vorsorge” sowie die Portrait- und Interviewstrecke “Börsianer und Anleger”. In dieser Zeit habe ich mehrere renommierte Journalistenpreise gewonnen.  

Seit 2009 schreibe ich für biallo.de, aber auch für Capital, Euro am Sonntag, Euro und weiterhin für Börse Online sowie für andere bekannte überregionale Wirtschaftsmedien. Gemeinsam mit früheren Börse Online-Kollegen betreibe ich den börsentäglichen Blog finanzjournalisten.blogspot.com. Daneben bin ich als Referentin für Wirtschaftsjournalismus an der Deutschen Journalistenschule München sowie als Moderatorin von Podiumsdiskussionen tätig.

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