Patientenverfügung Wichtige Vorsorge für junge Menschen

Patientenverfügung Wichtige Vorsorge für junge Menschen

Annette Jäger
von Annette Jäger
23.08.2016
Auf einen Blick

Eine Patientenverfügung ist nur für Ältere relevant, meinen viele. Weit gefehlt - auch junge Leute sind betroffen. Das gilt es zu bedenken.

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Selbst über sein Leben bestimmen - das betrachten Menschen aller Altersstufen oftmals als ihr höchstes Gut. Wer auch in einer kritischen Lebensphase, etwa wenn er mit dem Tod ringt, mitreden will, muss vorsorgen. Eine Patientenverfügung ist das Mittel dafür. Das Thema betrifft jeden: Ein Unfall – sei es durch ein waghalsiges Hobby oder ein Autounglück - kann einen Menschen in jedem Alter in ein Koma versetzen. Oder eine lebensbedrohliche Krankheit kann einen an Krankenbett und Apparaturen fesseln.

Patientenverfügung ist bindend

Seit 2009 ist gesetzlich festgelegt, dass Patientenverfügungen, die schriftlich abgefasst sind und die aktuelle Lebens- oder Erkrankungssituation widerspiegeln, bindend sind. Ärzte müssen sich an Ihre Behandlungswünsche halten, wenn Sie Ihren Willen nicht mehr selbst kundtun können. Dies gilt unabhängig vom Krankheitsstadium. Der Patient muss sich also nicht unbedingt in der Sterbephase befinden, auch bei Demenzerkrankungen oder in Komazuständen kann die Verfügung zur Anwendung kommen.

Patientenverfügung als Chance

Eine Patientenverfügung ist kein Muss. Sie ist eher eine Chance, sich dem Arzt gegenüber mitzuteilen, wenn Sie es selbst nicht mehr können. Eine Patientenverfügung ist ein Kommunikationsmittel. Wichtig ist, eine Patientenverfügung so konkret wie möglich zu formulieren, um im Ernstfall alle Zweifel auszuräumen.

Patientenverfügung in Kombination mit Vorsorgevollmacht

Doch genau das konkrete Formulieren ist das Problem. Wer als junger Mensch das Leben noch vor sich hat, ist kaum in der Lage, alle Eventualitäten im Voraus zu bedenken. Deshalb ist es gerade für junge Menschen ratsam, ergänzend zur Patientenverfügung eine Vorsorgevollmacht abzuschließen. Damit ernennen Sie eine nahestehende Person als Vertreter, die im Gespräch mit den Ärzten in der jeweiligen Situation entscheidet und Ihren Willen vertritt. Das muss nicht unbedingt ein Angehöriger sein. Auch Freunde können diese Rolle erfüllen.

Patientenverfügung: Szenarien durchdenken

Denken Sie vier Szenarien durch, wenn Sie eine Patientenverfügung formulieren. Was soll geschehen, wenn

1. Sie kurz vor dem Tod stehen?

2. Sie längere Zeit im Koma liegen?

3. Sie wegen Störungen des Gehirns nicht mehr entscheiden können oder

4. Sie eine schwere Erkrankung mit tödlichem Ausgang haben?

Für jüngere Menschen ist vor allem die Koma-Situation entscheidend. Achtung bei vorgefertigten Formularen aus dem Internet – es besteht die Gefahr, einen Vordruck schnell auszufüllen, ohne sich ausreichend mit dem Thema zu beschäftigen.

Patientenverfügung: Expertenrat einholen

Lassen Sie sich beraten, bevor Sie eine Patientenverfügung unterschreiben. Als medizinischer Laie wissen Sie vermutlich über manche Behandlungsmethoden oder Krankheitszustände nicht genau Bescheid, um darüber urteilen zu können. Beraten kann Sie der Hausarzt, die Leistung müssen Sie selbst bezahlen, etwa 40 Euro fallen dafür an. Auch Verbraucherzentralen oder Patientenberatungsstellen beraten zum Thema.

Biallo-Tipp:
Unterrichten Sie Ihr Umfeld - Familie und Freunde - davon, dass Sie eine solche Verfügung haben und wo sie im Notfall zu finden ist. Auch der Vorsorgebevollmächtigte sollte über ein Exemplar verfügen. Lesen Sie Ihre Patientenverfügung alle paar Jahre durch, verändern Sie gegebenenfalls einzelne Punkte und bestätigen Sie die Verfügung mit einer aktuellen Unterschrift (mit Datum).

Gerade als junger Mensch verändert sich vielleicht Ihre Einstellung aufgrund einer veränderten Lebenssituation. Auch schreitet der medizinische Fortschritt voran, so dass manchem in früher aussichtslosen Lagen nun geholfen werden kann.

Lese-Tipp:

Zwar haben Berufstätige nach dem Pflegegeld-Gesetz von 2015 einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit, aber bisher machen nur sehr wenige Arbeitnehmer Gebrauch davon. Die staatliche Unterstützung reicht nicht. Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserem Artikel: "Familienpflegezeit – nur geringe Nachfrage".

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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