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19.08.2016 16:39

EU-Erbrecht Erben in Europa - die neuen Regeln

von Fritz Himmel Autor
Plötzlich ist das alte Testament ungültig! Erblasser müssen aufpassen, ob sie für Erbfälle mit Auslandsbezug die neue EU-Erbrechtsverordnung berücksichtigt haben.
EU-Erbrecht Erben in Europa - die neuen Regeln
Laut der neuen EU-Verordnung soll bei grenzüberschreitenden Erbfällen in Zukunft das Wohnsitzprinzip gelten.
Sie besitzen Vermögenswerte im Ausland? Dann sollten Sie die aktuelle EU-Erbrechtsverordnung kennen. Diese trat im August 2015 für Erbfälle mit Auslandsbezug in Kraft und brachte einige erhebliche Änderungen mit sich. Die Gefahr: Sie lässt manche bestehenden Testamente zur Makulatur werden und führt so zu bösen Überraschungen beim Vererben.

Die EU-Verordnung legt fest, welche nationale Rechtsordnung bei grenzüberschreitenden Erbfällen anwendbar ist und regelt die Zuständigkeit von Gerichten und Behörden. Für künftige deutsche Erblasser, die im Ausland leben, heißt es nun aufpassen, dass die Rechtslage nicht zu unliebsamen Überraschungen führt.

Regelungen führen zu ungültigen Testamenten

Nach der EU-Verordnung gilt bei grenzüberschreitenden Erbfällen in das Wohnsitzprinzip: Für den gesamten Nachlass ist eine Rechtsordnung maßgeblich, und zwar die des Staates, in dem der Erblasser zuletzt seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Auch die Zuständigkeit von Gerichten und Behörden bestimmt sich nach diesem Wohnsitzprinzip.

Daher müssen Sie beachten: Statt deutscher gelten nun französische, spanische oder polnische Gesetze. Ob das zu Hause errichtete Testament wirksam ist, richtet sich dann nach dem Recht des jeweiligen Landes, in dem der Erblasser seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Die Abwicklung seines Nachlasses kann somit nach überraschend anderen Regeln ablaufen als ursprünglich gedacht.

Vor allem dem in Deutschland beliebten Berliner Testament, mit dem sich Eheleute gegenseitig als Alleinerben einsetzen, droht in vielen Fällen Ungemach. "Frankreich, Italien und auch Spanien erkennen diesen im deutschen Recht vorgesehenen gemeinsamen Letzten Willen nicht an", warnt Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht in München.


Künftig müssen diese sich nicht mehr in jedem Land ein dort gültiges Nachlasszeugnis ausstellen lassen, sondern können sich mit einem einzigen, europaweit gültigen Erbschein in jedem Mitgliedstaat als Vermögensnachfolger ausweisen, zum Beispiel beim Grundbuchamt oder bei der Bank. Das erspart Geld und monatelange Verwaltungswege.

Beachten Sie die unterschiedlichen Erbrechtsgesetze in der EU

Künftigen betroffen Erblassern rät Rechtsanwalt Steiner zu einer rechtzeitigen Sachkenntnis: Die Anwendung des Erbrechts ihrer neuen Wahlheimat kann durchaus manchmal Vorteile bringen aber eben auch unerwünschte Folgen haben. Viele wissen nicht, wie unterschiedlich die Erbrechtsgesetze der Mitgliedstaaten teilweise sind.

Ein Beispiel dafür ist das Erbrecht von Kindern und Ehepartner des Erblassers: Nach deutschem Recht erben sie gemeinsam, nach schwedischem Recht erbt der Ehegatte trotz gemeinsamer Kinder unter Umständen alleine. In Frankreich hingegen hat der Ehepartner grundsätzlich nur eine Art Nießbrauch am Nachlass. Auch das Pflichtteilsrecht für nahe Angehörige – in Deutschland einer der Eckpfeiler des Erbrechts – ist in den Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich geregelt.

EU lässt ein „Schlupfloch“

"Handlungsbedarf besteht nun für all diejenigen, die im Ausland leben, aber trotzdem nach dem Recht ihres Heimatlandes vererben wollen", betont Steiner. Für sie sieht die neue EU-Verordnung ein Wahlrecht vor. So können die Erblasser testamentarisch bestimmen, dass für ihren Nachlass nicht das Erbrecht ihres Wohnsitzes, sondern das ihrer Staatsangehörigkeit gelten soll. „Wer deutsches Erbrecht wählt, kann auch die Zuständigkeit eines deutschen Gerichts bestimmen.“

Biallo-Tipp: Lassen Sie sich sich im Zweifel genau beraten und wählen gegebenenfalls vorsorglich per Testament deutsches Erbrecht.

Wichtig: Die EU-Erbrechtsverordnung gilt nicht in Dänemark, Großbritannien und Irland.

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