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13.03.2014 11:17

Freistellungsauftrag Zehn Tipps gegen zu viel Abgeltungsteuer

von Max Geißler Autor
Beim Einrichten von Freistellungsaufträgen passieren immer wieder Fehler. Welche Fußangeln sollten Sie vermeiden, um den Fiskus auf Diät zu halten?
Freistellungsauftrag Zehn Tipps gegen zu viel Abgeltungsteuer
Wer den richtigen Durchblick hat, kann beim Thema Abgeltungsteuer kräftig sparen
Mit einem Freistellungsauftrag beauftragen Anleger ihre Bank oder Sparkasse, anfallende Kapitalerträge vom automatischen Steuerabzug zu befreien. Ohne diesen Auftrag führt das Geldinstitut 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an das Finanzamt ab. Wer das nicht möchte, der kann mittels Freistellungsauftrag den Zinsverlust ganz oder teilweise verhindern. Insgesamt darf jeder Sparer 801 Euro an Kapitalerträgen freistellen, Ehegatten 1.602 Euro. Pro Bank genügt ein Freistellungsauftrag für jeweils alle Konten und Depots. Die frühere Auflistung pro Konto oder Depot ist hinfällig. Existieren Anlagekonten und Depots bei mehreren Geldhäusern, kann man den Sparerpauschbetrag splitten und die Teilbeträge auf verschiedene Freistellungsaufträge pro Bank verteilen.
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Typische Fußangeln vermeiden

1. Kapitalerträge richtig schätzen: Zusammengerechnet dürfen alle Freistellungsaufträge 801 Euro (Ehepaare 1.602 Euro) nicht überschreiten. Anleger müssen also die Summe ihrer Kapitalerträge pro Bank abschätzen und die Beträge entsprechend verteilen. Zu den Kapitalerträgen zählen Zinsen, Fondsausschüttungen, Dividenden und realisierte Kursgewinne aus Wertpapiergeschäften. Wichtig: Kursgewinne und Dividendenzahlungen unterliegen seit 2009 nicht mehr dem Halbeinkünfteverfahren (50-Prozent-Regel). Entsprechende Erträge werden seither zu 100 Prozent erfasst. Liegen die vereinnahmten Kapitalerträge über dem freigestellten Betrag, führt die Bank die fällige Abgeltungsteuer automatisch ans Finanzamt ab.

2. Geltungsdauer und Änderungsbestimmungen beachten: Ein Freistellungsauftrag gilt stets ab dem 1.1. des Jahres, in dem er eingereicht wird, und zwar für das ganze Kalenderjahr. Eine Kündigung ist nur zum 31.12. möglich. Freistellungsaufträge können auch unbefristet erteilt werden. Wichtig: Ein bestehender Auftrag kann nur geändert oder gelöscht werden, indem ein neuer Freistellungsauftrag erteilt wird. Wird die Bankverbindung aufgelöst, muss man zusätzlich einen separaten Auftrag zur Löschung des bestehenden Freistellungsauftrages stellen, ansonsten bleibt ein ungenutzter Freibetrag dort bestehen.

3. Rechtzeitig einrichten: Der Freistellungsauftrag sollte stets bei Konto- oder Depoteröffnung eingereicht werden, um unerwünschte Steuerzahlungen von Anfang an zu vermeiden. Banken führen nämlich fällige Abgeltungsteuer automatisch bei Kapitalgutschrift ans Finanzamt ab, wenn kein Freistellungsauftrag vorliegt. Ein unterjährig neu beantragter oder erhöhter Freistellungsauftrag kann für bereits realisierte Erträge nachträglich Vorteile bringen. So ist zum Beispiel im Rahmen der nachträglichen Verlustrechnung die Erstattung bereits abgeführter Kapitalertragsteuern möglich.

4. Paarweise oder getrennt?
Möchten Ehepartner einen gemeinschaftlichen Freistellungsauftrag erteilen, muss dieser von beiden Partnern unterschrieben werden. Ehegatten können aber auch getrennt voneinander Einzel-Freistellungsaufträge einrichten. In diesem Fall ist nur eine Unterschrift erforderlich. Ändert sich aufgrund einer Heirat der Name, muss man einen neuen Freistellungsauftrag auf den geänderten Namen einreichen, der alte wird ungültig. Bei Gemeinschaftskonten gilt: Diese können nur von verheirateten Partnern freigestellt werden. Sind die Kontoinhaber nicht miteinander verheiratet, etwa eingetragene Lebenspartnerschaften, ist keine Freistellung möglich.
5. Neuantrag bei Scheidung: Nach einer Scheidung muss ein vorliegender Gemeinschaftsauftrag durch Einzel-Freistellungsaufträge ersetzt werden. Dabei hat man die Wahl, ob im Jahr der Trennung noch die gemeinschaftliche Zinsfreistellung oder bereits getrennte Verrechnung erfolgen soll.

6. Einzelauftrag nach Todesfall: Stirbt ein Partner, kann der Hinterbliebene im Todesjahr noch über den gemeinsamen Sparer-Pauschbetrag für Ehepaare (1.602 Euro) verfügen. Für die Folgejahre muss der Hinterbliebene dann einen neuen Einzel-Freistellungsauftrag erteilen.

7. Separater Antrag für Kinderkonten:
Kapitalerträge von Kindern werden nicht in den Sparer-Pauschbetrag der Eltern eingerechnet. Für die Konten von Minderjährigen können Eltern jeweils einen gesonderten Freistellungsauftrag bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von 801 Euro stellen. Dieser muss von allen gesetzlichen Vertretern unterschrieben werden.

8. Ehegattenübergreifende Verlustrechnung: Dabei verrechnet die Bank einmal im Jahr die Gewinne und Verluste unterschiedlicher Einzeldepots von Ehepartnern miteinander. Voraussetzung dafür ist ein gemeinschaftlicher Freistellungsauftrag. Hat das Paar seinen Sparer-Pauschbetrag bereits bei einem anderen Geldinstitut ausgeschöpft, oder soll explizit nur die ehegattenübergreifende Verlustverrechnung erfolgen, so kann das Paar einen gemeinschaftlichen Freistellungsauftrag über null Euro ausstellen.

9. Steueridentifikationsnummer notwendig: Seit 2011 müssen alle neu gestellten Freistellungsaufträge die Steueridentifikationsnummer enthalten. Die aus elf Ziffern bestehende, persönliche Steuernummer wird allen in Deutschland gemeldeten Bürgern vom Bundeszentralamt für Steuern zugeteilt. Die Nummer ist lebenslang gültig. Bankkunden finden sie zum Beispiel in ihrem letzten Steuerbescheid.

10. Steuerpflicht bei Umzug ins Ausland: Wird der Wohnsitz dauerhaft ins Ausland verlegt und entfällt dadurch die uneingeschränkte Einkommensteuerpflicht in Deutschland, so verlieren auch bestehende Freistellungsaufträge ihre Gültigkeit. Kapitalerträge unterliegen dann stets der vollen Abgeltungsteuer.

Mein Tipp: Sind Freistellungsaufträge in ihrer Höhe ungünstig auf verschiedene Geldinstitute verteilt und führt eine Bank deswegen unnötigerweise zu viel Abgeltungsteuer ans Finanzamt ab, können Sparer über den Weg der Einkommensteuererklärung zu viel gezahlte Ertragsteuern zurückzuholen. In diesem Fall lohnt sich das Ausfüllen des Steuerformulars: „Einkünfte aus Kapitalvermögen“.

Leserkommentare
Kommentare können sich auf eine ältere Version des Artikels beziehen.
10.08.2016 - von Biallo-Redaktion
Antwort@Lars G.: Zu Freistellungsauftrag Kreditkarte
Wenn Ihre Kreditkarte Guthabenzinsen zahlt, lohnt der Freistellungsauftrag, da ansonsten Steuer fällig werden kann. Im aktuellen Zinstief sollte sich der freigestellte Betrag aber in Grenzen halten können, da ja kaum Erträge anfallen.
09.08.2016 - von Lars G
Ab wann beantragen?
Hallo, ab wann beantragt man so etwas denn überhaupt? Ich habe eine Kreditkarte und die Bank rät mir zu einem solchen Freistellungsauftrag. Aber wozu? Ich spare damit nicht. Da es eine Prepaid-Karte ist, mache ich auch keine Gewinne. Ich nutze nur das, was ich selbst dahin überweise. Muss ich auch einen Auftrag zur Freistellung erteilen, obwohl da mal 100 und mal 400 Euro drauf sind, die noch im selben Jahr ausgegeben werden für was auch immer? MfG LG
09.01.2016 - von Traudel P
Abgeltungssteuer
Meine Mutter hatte eine NV-Bescheinigung im Jahr 2014. Nach Übertragung des Guthabens je zur Hälfte an mich und meinen Bruder im gleichen Jahr, hat die Bank mit Auflösung des Sparbuches die volle Abgeltungssteuer einbegalten. Wie können wir die einbehaltene Abegeltungssteuer erstattet bekommen?
14.12.2013 - von Jochen Meyer
Bereits einbehaltene Abgeltungssteuer wird erstattet
Ich habe im Jahr 2010 von der ComDirekt-Bank bereits einbehaltene Abgeltungssteuer erstattet bekommen, nachdem ich den Freibetrag erhöht bzw. erst im Oktober eingereicht hatte.
13.08.2013 - von Andreas
Rückzahlung bei der Bank entrichteter Steuern
Liebe Redaktion von Biallo.de. Bereits bei einer Bank vor Einreichung eines Freistellungsauftrages einbehaltene Abgeltungsteuern und Solidaritätszuschläge werden bei Vorlage sehr wohl noch im selben Jahr erstattet. Im Rahmen der sog. Topf-Verrechnung o.a. Steuerverprobung, die jede bank mehrfach im Jahr durchführen kann, spätestens am 31.12. durchführen muss, wird die notwendige Rechnungsfolge wiederhergestellt. Diese ist: erst Verlusttöpfe leeren, dann Freistellungsvolumina anrechnen, dann Steuern einbehalten. Liegen also am Verrechnungstag Steuerfreistellungstatbestände vor (Töpfe oder Freistellungsauftrag), werden diese angerechnet und ggf. während des laufenden Jahres gezahlte Steuer erstattet. Dies ist auch der Grund, warum der Freistellungsauftrag quasi immer ab 01.01. gültig ist (auch wenn er rein formal erst ab Vorlage bei der Bank gilt). Erst dann kann die Jahressteuerbescheinigung erstellt werden, welche einzig zur Vorlage beim Finanzamt akzeptiert wird. Viele Grüße Andreas
10.06.2013 - von Redaktion biallo.de
Redaktion @ betroffen
Vielen Dank für Ihre Hinweise. Hat die Bank bereits Zinsen ans Finanzamt abgeführt, kann man diese im Rahmen der Einkommensteuererklärung zurückholen. Die Bank selbst zahlt diese nicht zurück. Freistellungsaufträge kann man jederzeit ändern, gegebenenfalls bis auf Null setzen. Nicht genutzte Freibeträge kann man auf andere Banken verteilen.
07.06.2013 - von betroffen
Gültigkeit des Freistellungsauftrags
Geltungsdauer: Dass ein Freistellungsauftrag stets ab dem 01.01. des Jahres gilt, kann nicht stimmen. -Denn leider bekommt man nicht die Zinsen (Steuern)von der Bank zürück, die diese im Februar, März, April abgeführt hat, wenn man erst im Juni einen entsprechenden Freistellungauftrag erteilt. Eine Kündigung ist nur zum 31.12. möglich? Nunja, ich kann jederzeit den Freistellungauftrag verändern. Bis kurz vor Jahresende (Geschäftsabschluss der Bank) und so oft ich möchte. Dabei ist die Obergrenze bei den gesetzlichen 801,-€ und die Untergrenze die Summe an Zinsen, die ich bis dato von dieser Bank schon erhalten habe.
05.04.2012 - von Daniel Klöpper
Möglichkeit der Abfrage?
Weiss zufällig jemand ob man die verschiedenen freistellungsaufträge an einer zentralen Stelle irgendwo abfragen kann. Wäre ja wirklich sehr hilfreich. Und gerade im Bezug auf die neue Steuer-ID doch sicherlich sinnvoll.
28.02.2012 - von Steffen Becker
Gläserner Bürger
So weit, so gut. Tipps hin oder her. Es ist schon traurig, dass man solche Tipps beherzigen muss. Wo wir nun durch diese Steuernummer durchsichtig geworden sind, sollen sich die Herrschaften vom FA doch selbst ausrechenen, ob man Steuern bezahlen muss oder nicht. Deswegen , mein Tipp: Macht's wie ich und gebt auf jedem Auftrag den ganzen Freibetrag an. ;o)
19.02.2012 - von Udo Müller
Zehn Tipps gegen zu viel Abgeltungsteuer
Hallo Hr. Geißler, ich meine in diesem Zusammenhang ist das Tema Nichtveranlagungsbescheinigung (NV) zu erwähnen. Diese Besch. an die Bank geschickt und der Freistellungsauftr. erübrigt sich für die Zeit bis zum Ablauf dieser NV-Bescheinigung. mfg Müller
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