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15.08.2016 16:43

Eigenleistung beim Hausbau Spielregeln für Bauherren und Helfer

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Mit Eigenleistung und Unterstützung von Freunden und Familie lässt sich beim Bauen viel Geld sparen. Wie sollten Helfer abgesichert sein?
Eigenleistung beim Hausbau Spielregeln für Bauherren und Helfer
Eigenleistung: Wer beim Haus Bauen hilft, muss versichert sein.
Der Bau des eigenen Hauses ist für viele Familien die teuerste Entscheidung ihres Lebens. Neben dem Kauf eines geeigneten Bauplatzes reißen vor allem die Kosten für Handwerker und Baumaterial ein Loch in das Familienbudget. Durch viel Eigenleistung und mit Hilfe handwerklich geschickter Kollegen und Nachbarn versuchen deshalb gerade junge Familien ihren Traum vom Haus trotz knapper Eigenkapitaldecke zu verwirklichen. Wer nicht gerade zwei linke Hände hat, kann damit locker 15 Prozent der Bausumme einsparen. Bei der Kreditvergabe rechnen die Banken die Eigenleistung oft mit bis zu 20.000 Euro oder fünf Prozent der Bausumme ohne konkrete Nachweise ein – als sogenannte Muskelhypothek. Bei höheren Beträgen schauen die Banken allerdings genauer hin und fordern umfangreiche Belege und Aufzeichnungen.

Eigenleistung realistisch einschätzen

Vor Baubeginn sollten Sie die eigenen handwerklichen Fähigkeiten und die verfügbare Zeit kritisch hinterfragen. Nach Berechnungen des Verbandes privater Bauherren lassen sich beim Bau eines 140 Quadratmeter großen Reihenhauses theoretisch bis zu 20.000 Euro durch Eigenleistung einsparen. Doch um so viel Geld zu sparen, muss der Bauherr fast 850 Stunden an seinem Haus schuften. Allein für Maler- und Tapezierarbeiten sind 125 bis 190 Arbeitsstunden nötig. Bei einjähriger Bauzeit bedeutet das eine zusätzliche wöchentliche Arbeitsbelastung von über 16 Stunden. Diese Zeit steht neben dem Job oft nur am Wochenende oder im Urlaub zur Verfügung. Ob eine solche Eigenleistung am Haus realistisch ist, sollten angehende Bauherren genau überlegen, um nicht hinterher auf halber Strecke doch teurere Handwerker beauftragen zu müssen. Auch eine Erkrankung kann die Baustelle schnell zum Erliegen bringen und den Zeitplan für Umzug und Kündigung der alten Wohnung über den Haufen werfen.
Sobald Familienangehörige, Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte am Haus mitwerkeln, sollten Bauherrn daran denken, die fleißigen Helfer binnen einer Woche nach Arbeitsbeginn bei der regionalen Bau-Berufsgenossenschaft anzumelden und gegen Unfälle zu versichern. Hat man die Anmeldung versäumt und passiert ein Unfall auf der Baustelle, drohen Bußgelder bis zu 10.000 Euro. Das Risiko erwischt zu werden ist zudem groß, weil die Bauanmeldungen von den örtlichen Bauämtern an die Versicherer weitergeleitet werden. Auf Anforderung hat der Bauherr einen Nachweis einzureichen, der die Namen und Vornamen der bei den Eigenbauarbeiten tätig gewordenen Personen, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, die Art der Arbeiten sowie das eventuell gezahlte Entgelt enthält. Ausgenommen von dem gesetzlichen Versicherungsschutz durch die BG BAU sind der Bauherr selbst sowie sein Ehegatte oder Lebenspartner. Sie haben zwar die Möglichkeit, sich freiwillig zu versichern. Doch der Schutz der Berufsgenossenschaft ist für den Bauherren oft kostspielig – preiswerter kann er mit einer privaten Unfallversicherung vorsorgen.

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Eigenleistung: Wer beim Haus Bauen hilft, muss versichert sein

Knüppeldick kann es kommen, wenn einem Helfer auf der Baustelle etwas passiert. Im Ernstfall kann der Bauherr wegen grober Fahrlässigkeit in Regress genommen werden, zudem muss er für die Unfallfolgen aufkommen. Denn versichert sind die Helfer in jedem Fall – auch wenn der Bauherr die Anmeldung versäumt. So verurteilte das Bayerische Landessozialgericht 2011 die Bauberufsgenossenschaft, der Witwe eines tödlich verunglückten Malers eine Rente zu zahlen (Az. L 3 U 255/10). Der pensionierte Maler hatte seinem Nachbarn geholfen, das Haus zu streichen. Er war dabei vom Gerüst gestürzt und ums Leben gekommen. Nach Meinung der Sozialrichter war die Berufsgenossenschaft in diesem Fall zahlungspflichtig, da die Nachbarschaftshilfe des Malers über eine übliche Gefälligkeit und eine alltägliche Handreichung hinausgegangen war. Der verunglückte Fachmann hatte in den Augen der Juristen für den Nachbarn umfangreiche Arbeiten von wirtschaftlichem Wert am Haus erbracht.
Gegen die finanziellen Risiken eines Bauunfalls bietet die Bauberufsgenossenschaft preiswerten Schutz. Die notwendigen Formulare gibt es bei den Geschäftsstellen der BG Bau. Die Kosten halten sich im Rahmen – pro Helfer mit 100 Stunden Arbeitseinsatz kostet das in den neuen Bundesländern aktuell 121,13 Euro, in den alten Bundesländern 139,63 Euro (Werte für den Bauzeitraum 2016). Mindestens muss ein Beitrag von 100 Euro einkalkuliert werden. Waren alle Helfer zusammengerechnet nicht länger als 40 Stunden am Haus tätig, übernimmt die Unfallkasse der öffentlichen Hand den Unfallschutz.

Hilfe beim Bauen richtig entlohnen

Doch wie ist das mit der Entlohnung der Bauhelfer? Uneigennützige „Nachbarschaftshilfe“ für Gotteslohn ist erlaubt und rechtlich problemlos. Sogar eine kleine Anerkennung darf man den freiwilligen Helfern bar auf die Hand bezahlen – solange das nicht in eine Fixvergütung nach geleisteten Stunden ausartet. Auch freies Essen und Getränke sind erlaubt. Sobald jedoch eine abgesprochene Vergütung nach geleisteten Stunden oder Gewerken bezahlt wird, geht der Ärger mit den Behörden los. Denn wer als Bauhelfer oder Handwerker Geld verlangt, muss den Nebenverdienst beim Finanzamt angeben.

Die „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ – eine Behörde des Zolls – macht mit unangekündigten Baustellenkontrollen vermehrt Jagd auf Schwarzarbeiter. Fliegt eine illegale Beschäftigung auf, wird’s teuer – nicht nur Steuern und Sozialabgaben werden nacherhoben, auch happige Strafen drohen. Kann der Auftragnehmer die Abgaben nicht bezahlen, wird der Bauherr als Auftraggeber in Haftung genommen. Er kann vom Finanzamt auch als wirtschaftlicher Arbeitgeber der Bauhelfer angesehen werden und muss dann für die nachberechneten Sozialabgaben und Lohnsteuern einstehen. Beschäftigen Sie Handwerkerfirmen schwarz auf Ihrem Bau, spart das womöglich ein paar Euro. Sie setzen jedoch gleichzeitig Ihre Haftungsansprüche aufs Spiel, wenn die Profis am Haus gepfuscht haben und hinterher nachbessern sollen. Ohne ordentliche Rechnung lassen sich Gewährleistungsansprüche kaum gerichtlich durchsetzen. Fehler von willigen Freunden und Kollegen muss der Bauherr ohnehin selbst aus eigener Tasche ausbügeln. Von wichtigen Gewerken wie Strom- und Wasserversorgung oder der Heizungsanlage sollten handwerkliche Laien ohnehin die Finger lassen. Sonst richten sie aus Unkenntnis größere Schäden an, die sie teurer zu stehen kommen als die erhoffte Ersparnis.
Informationen für Bauherren

Verband privater Bauherren
www.vpb.de

Bauherren-Schutzbund
www.bsb-ev.de

Verband „Wohnen im Eigentum“
www.wohnen-im-eigentum.de

Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft
www.bgbau.de

Bauberatung der Verbraucherzentralen
www.vzbv.de
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