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09.09.2016 08:00

Elterngeld Wer muss Steuern nachzahlen?

von Rolf Winkel Autor
Manchmal kommt das dicke Ende zum Schluss – beispielsweise bei Elterngeld oder anderen Sozialleistungen in Form einer Steuernachzahlung.
Elterngeld Wer muss Steuern nachzahlen?
Viele Familien bekommen einen Schreck, wenn ihnen eine Steuernachzahlung ins Haus flattert.
"Ich könnte gerade so was von platzen!", regt sich eine junge Mutter in einem Internet-Forum auf. Der Grund: Sie muss wegen des Elterngeldes, das sie 2015 erhalten hat, nun knapp 1.700 Euro Steuern nachzahlen. Laut der Oberfinanzdirektion Rheinland (OFD) ist "das kein Irrtum vom Amt, sondern genau so im Gesetz vorgesehen".

Die entscheidende Regelung steht im Einkommensteuergesetz (Paragraf 32 b). Darüber prangt die Überschrift "Progressionsvorbehalt". Dieser betrifft eine ganze Reihe von Sozialleistungen – wie Arbeitslosengeld I, Krankengeld oder auch das 2007 eingeführte Elterngeld. Alle diese Sozialleistungen sind nicht steuerpflichtig. Wer im vergangenen Jahr nur Elterngeld oder lediglich Arbeitslosengeld I bezog, muss davon also keine Steuern abführen. 

Wenn allerdings andere Einkünfte (auch des Ehepartners) dazukamen, werden meist nachträglich Steuern fällig. Unterm Strich können so 1.000 Euro oder mehr nachgefordert werden. Wie viel es im Einzelfall etwa für junge Mütter oder Väter sind, hängt – so die OFD Rheinland – "sowohl von der Höhe des Elterngeldes als auch von der Höhe der zusätzlichen Einkünfte ab".


Elterngeld: Viele Verheiratete müssen Steuern nachzahlen

Mit besonders hohen Nachforderungen vom Fiskus müssen vor allem Elterngeld-Bezieher mit verdienenden Ehepartnern rechnen. Die Steuerschraube zieht dabei schon bei geringen Erwerbseinkünften des Partners an.

Beispiel: Eine Mutter hat im vergangenen Jahr in ihrem Job pausiert und insgesamt 14.000 Euro Eltern- und Mutterschaftsgeld bezogen. Letzteres unterliegt auch dem Progressionsvorbehalt. Ihr Ehepartner hatte 2015 ein zu versteuerndes Einkommen in Höhe von 30.000 Euro. 

Hätte das Paar keine weiteren Einkünfte gehabt, so würden für 2015 insgesamt nur 2.550 Euro an Einkommensteuer fällig. Das entspräche einem durchschnittlichen Steuersatz von 8,5 Prozent. Zusammen mit dem Mutterschafts- und Elterngeld betrugen die Jahreseinkünfte aber 44.000 Euro. Müsste dieser Betrag voll versteuert werden, so würden dafür 6.210 Euro an Abgaben fällig.

Dies entspräche einem durchschnittlichen höheren Steuersatz von 14,11 Prozent. So viel verlangt der Fiskus zwar nicht. Aber: Mit dem höheren Satz von 14,11 (statt 8,5) Prozent, der sich bei dieser Rechnung ergibt, wird das zu versteuernde Einkommen belastet. 14,11 Prozent multipliziert mit 30.000 ergibt 4.234 Euro.

Durch das Elterngeld steigt die ursprüngliche Steuerschuld des Ehepaars in diesem Fall also um 1.684 Euro. Wie viel Steuern sie tatsächlich nachzahlen müssen, hängt davon ab, wie viel Lohnsteuer der erwerbstätige Ehepartner schon vorausgezahlt hat. Besonders hoch fallen die Nachzahlungen dann aus, wenn der verdienende Partner 2015 die (bessere) Steuerklasse III hatte und deshalb nur relativ wenig Lohnsteuer abführen musste.

Unverheiratete bleiben meist verschont

Unverheiratete, die das komplette Jahr 2015 nur Eltern- und Mutterschaftsgeld bezogen haben, müssen keine Steuern nachzahlen. Sie brauchen auch keine Steuererklärung abzugeben. In manchen Fällen können nicht verheiratete Mütter, die 2015 für einige Monate erwerbstätig waren und bereits Lohnsteuer gezahlt haben, den Rest des Jahres jedoch nur Elterngeld erhalten haben, sogar Steuern erstattet bekommen.

Elterngeld und Steuererklärung: Schummeln lohnt sich nicht

Die Höhe des im vergangenen Jahr bezogenen Mutterschafts-, Eltern-, Kranken- oder Arbeitslosengeldes I wird in der Anlage N zur Steuererklärung eingetragen. "Schummeln" lohnt sich hierbei übrigens nicht. Denn die Finanzämter sind meist ohnehin informiert. Die Sozialleistungsträger müssen nämlich nach dem Gesetz jeweils bis zum 28. Februar eines Jahres den Finanzämtern per Datenfernübertragung die Höhe der gewährten Leistungen und den Leistungszeitraum mitteilen.

Übrigens: Das Elterngeld wird in der Anlage N zur Steuererklärung unter "andere Lohn- und Entgeltersatzleistungen" eingetragen.

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