Betriebsrenten in Gefahr?

Altersvorsorge Betriebsrenten in Gefahr?

von Horst Peter Wickel
20.07.2016
Auf einen Blick

Die anhaltend niedrigen Zinsen bringen die Pensionswerke vieler Unternehmen in Schwierigkeiten. Aber wenn Sie bereits heute Betriebsrente erhalten, müssen Sie sich wenig Sorgen machen.

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Die Entwarnung gleich am Anfang: Die meisten Arbeitnehmer, die einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) abgeschlossen haben, müssen sich wohl keine Sorgen machen. Aber die Niedrigzinsphase bringt „Arbeitgeber zunehmend in Bedrängnis“ (so die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge). Infolge der Zinsflaute denkt, so eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Towers Watson, jedes zweite mittelständische Unternehmen über die strategische Ausrichtung seiner Pensionswerke nach, jede dritte Firma will ihr Versorgungswerk schließen.

Wenig sorgen müssen Sie sich machen, wenn Sie bereits eine Betriebsrente erhalten. Auch wenn in Ihrem Vertrag eine feste Auszahlungssumme genannt ist (das ist noch in jedem zweiten Vertrag so), gilt sie weiterhin. Wenn die Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten, springt der aus Mitgliedsbeiträgen unterhaltene Pensionssicherungsverein (PSV) ein und übernimmt die Zahlung der Betriebsrenten. Und für wankende Pensionskassen, die als Aktiengesellschaft organisiert sind, steht die Auffanggesellschaft Protektor gerade.

Doch erste Kritiker zweifeln: „Wenn die Sicherungsmechanismen nicht greifen, kann es ein, dass auch Leistungskürzungen für die Versorgungsempfänger vollzogen werden“, sagt ein Vertreter der Aufsichtsbehörde Bafin. Die Bafin tue aber alles, um das zu verhindern.

Weniger Geld für Neusparer

Wenn Sie heute daran denken, Ihre Altersvorsorge durch eine Betriebsrente zu stärken, müssen Sie allerdings mit schrumpfenden Ansprüchen rechnen. Nur noch jeder siebte neue Vertrag bringt eine feste Monatsrente. Im Großteil der neuen Policen steht heute sinngemäß: Sie zahlen einen bestimmten Betrag ein – was am Ende dabei herauskommt, wird der Kapitalmarkt zeigen.

Erste Pensionskassen haben die Renten für jüngere Versicherte bereits deutlich gesenkt. So zum Beispiel die Neue Leben Pensionskasse (NLP) des Versicherungskonzerns Talanx – etwa 80.000 Arbeitnehmer werden im Durchschnitt 16 Prozent weniger Betriebsrente erhalten als erwartet. Und die Pensionskasse BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes will die zukünftigen Rentenleistungen der Versicherten um 24 Prozent kürzen.

Lohnt sich betriebliche Altersvorsorge noch?

Nach einer aktuellen Umfrage will nur noch jeder zehnte Arbeitnehmer zur Altersvorsorge auf Renten- oder Lebensversicherungen oder eine betriebliche Altersvorsorge setzen. Tendenziell höher im Kurs stehen Vorsorgestrategien, die auf Immobilienerwerb setzen.

Zwar mindern Einzahlungen in die Betriebsrente die monatliche Steuerlast, aber Finanzexperten und Verbraucherschützer warnen. Versicherungsmathematiker Peter Schramm hat errechnet, dass der Steuervorteil aus der Ansparphase fast vollständig wieder aufgezehrt wird, weil die Betriebsrente später voll versteuert werden muss und auch Beiträge für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung fällig werden. Zudem falle die gesetzliche Rente kleiner aus, da das bAV-Sparen jahrelang den Bruttoverdienst gedrückt hat. Ob sich ein bAV-Vertrag später rechnen wird, hängt außerdem davon ab, wie lange Sie bei Ihrem Arbeitgeber bleiben, ob Sie heiraten, eine Immobilie kaufen und welche Steuerklasse Sie heute und später haben.

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten rät: „Nur wenn Ihr Arbeitgeber die Beiträge allein zahlt, sollte man mitmachen. Wer mit 25 oder 30 Jahren noch wenig Plan von seinem künftigen Leben hat, sollte solche lang laufenden Verträge meiden. Er sollte lieber flexibel bleiben und anders sparen.“ Fallen Sie dabei aber nicht auf unseriöse Geldanlagen rein.

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