Minijobs Wählen Sie nicht die Rentenversicherung ab

Minijobs Wählen Sie nicht die Rentenversicherung ab

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
17.03.2016
Auf einen Blick

Seit 2013 sind Minijobs rentenversicherungspflichtig. Doch die Jobber wählen die Rentenversicherung meist ab, um einige Euros zu sparen. Das rächt sich in vielen Fällen später bei der Rente – besonders für Mütter mit Kindern bis zu zehn Jahren.

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Britta S. (24) hat für April 2016 mit ihrem Arbeitgeber vereinbart, per 450-Euro-Job wieder ins Arbeitsleben zurückzukehren. „Dann ist mein Sohn drei Jahre alt, die Elternzeit ist vorbei und das Geld können wir gut gebrauchen.“ Deshalb will sie auch den Vordruck zum Verzicht auf die Rentenversicherungspflicht unterschreiben. „Sonst gehen von meinen 450 Euro noch 16,65 Euro im Monat ab – und das muss ja nicht sein“, erklärt die Verkäuferin.

Was Britta S. dabei nicht bedenkt: Zeiten zwischen dem dritten und zehnten Geburtstag eines Kindes zählen bei der Rentenversicherung als Kinderberücksichtigungszeiten. Diese sorgen häufig später für eine höhere Rente – allerdings nicht bei Minijobbern, die auf die Rentenversicherungspflicht ihres Jobs verzichten.

Für Ihre Rentenberechnung: Aus einem 450-Euro-Job kann ein 675-Euro-Job werden

Ein Rentenplus bringen nur Zeiten mit einer rentenversicherungspflichtigen Beschäftigung. Zudem muss der erziehende Elternteil weniger als der Durchschnitt aller Beschäftigten verdient haben (was für 450-Euro-Jobs ja stets zutrifft) und später beim Rentenantrag 25 Versicherungsjahre nachweisen können. Das Einkommen wird dann für die Rentenversicherung rechnerisch aufgewertet – und zwar um 50 Prozent – maximal bis zum Durchschnittsverdienst. Das bedeutet für einen Minijob: Aus einem 450-Euro-Job wird für die Berechnung der Rente ein 675-Euro-Job.

Wählt Britta S. die Versicherungspflicht ihres Minijobs ab, so würde sie zwar aktuell ein wenig sparen, aber später für ihre Rente viel verlieren. Hochgerechnet auf die Zeit bis zum zehnten Geburtstag ihres Kindes würde sie auf ein Plus von rund 22 Euro bei ihrer späteren Monatsrente verzichten (beim derzeitigen Rentenwert). Übrigens: Hätte Britta S. zwei oder mehr Kinder zwischen drei und zehn Jahren, so würde ihr auch ohne sozialversicherten Job ein Rentenplus gutgeschrieben.

Auch bei der Riester-Rente sind Sie förderberechtigt

Mit einem rentenversicherungspflichtigen Minijob wäre Britta S. zudem auch bei der Riester-Rente persönlich förderberechtigt. Sie könnte dann die staatlichen Zuschüsse in Höhe von 154 Euro für sich selbst und 300 Euro Kinderzuschlag pro Jahr (für ein ab 2008 geborenes Kind) erhalten. Als Eigenbeitrag müsste sie als Geringverdienerin nur fünf Euro pro Monat einzahlen.
 

Vorzeitige Rente: So erfüllen Sie die Wartezeit per Minijob

Zudem sichern Minijobs, bei denen die Rentenversicherungspflicht nicht abgewählt wird, unter Umständen auch Ansprüche auf vorzeitige Renten. Ein Jahr mit Minijob ist dann ein ganz normales Versicherungsjahr – und trägt bei allen Altersrenten dazu bei, die Wartezeiten zu erfüllen. Besonders wichtig ist dies bei der abschlagfreien Altersrente für besonders langjährig Versicherte, bei der eine Wartezeit von 45 Jahren nachgewiesen werden muss. Auch hier zählen Zeiten mit einem versicherungspflichtigen Minijob voll mit.

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Vorteil für ältere Arbeitnehmer

Vorteilhaft ist dies unter anderem für ältere Arbeitnehmer, die die Zeit bis zum Rentenbezug mit Arbeitslosengeld überbrücken. Die Zeit des Arbeitslosengeld-Bezugs zählt bei ihnen nicht mit, um die 45-jährige Wartezeit für die abschlagfreie Rente zu erfüllen. Hier hilft ein versicherungspflichtiger Minijob, der neben dem Bezug der „Stütze“ ausgeübt wird. Zwei Jahre mit rentenversichertem Minijob helfen vielen langjährig Beschäftigten, um die Hürde vor der abschlagfreien Rente zu nehmen. Ganz legal.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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