Vier Maßnahmen für mehr Riester-Rente

Altersvorsorge Vier Maßnahmen für mehr Riester-Rente

Max Geißler
von Max Geißler
06.08.2016
Auf einen Blick

Teuer, bürokratisch, renditeschwach: Die Riester-Rente steht in der Kritik. Wie lässt sich die Effizienz erhöhen?

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Wie viel Riester-Sparer erhalten eigentlich volle staatliche Zulage? Diese Frage interessierte die Fraktion der Linken im Bundestag. Die Antwort aus dem Bundesfinanzministerium fiel ernüchternd aus: 5,9 Millionen. Vergleicht man diese Zahl mit den insgesamt bestehenden 16,5 Millionen Riester-Verträgen, wird schnell klar, hier klafft eine riesige Lücke. Nur etwa ein Drittel aller Riester-Sparer kassiert die maximale Förderung. Knapp zwei Drittel verschenken Geld. Wobei nur 13,3 Millionen Riester-Verträge überhaupt bespart werden. Mehr als drei Millionen Verträge ruhen und erhalten deswegen gar keinen Zuschuss.

Wann sinkt die Riester-Förderung?

Normalerweise profitieren Riester-Sparer von jährlich 154 Euro Grundzulage plus 300 Euro für jedes zum Haushalt gehörige Kind. Ist der Nachwuchs vor 2008 geboren gibt es 185 Euro pro Jahr. Eine Familie mit 2 Kleinkindern kann bei Abschluss von zwei Riester-Verträgen im Lauf der Jahre über 20.000 Euro an Fördergeldern einstreichen. Der Haken: Jeder Riester-Sparer muss mindestens vier Prozent seines Vorjahresbruttoeinkommens in den Vertrag einzahlen. Bei einem Verdienst von 40.000 Euro entspricht dies immerhin 1.600 Euro im Jahr. Obwohl die gewährten Riester-Zulagen als Einzahlung zählen und insofern den geforderten Eigenbeitrag mindern, erscheint die Vier-Prozent-Schwelle für viele Anleger zu hoch. Nur so ist die große Vertragszahl mit nicht ausgeschöpfter Riester-Förderung zu erklären.

Riester-Rente in der Kritik

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hält nicht mehr viel von der staatlichen Förderrente und erklärte Riester jüngst für gescheitert. Der Linken-Rentenexperte Matthias Birkwald setzt noch einen drauf: „Die Riester-Riester ist nicht nur gescheitert, sie hat sich zu einem echten Desaster für die Bundesregierung entwickelt.“ Die zuständige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sieht das ganz anders und hält dagegen: „Wer eine Riester-Rente abgeschlossen hat, der hat alles richtig gemacht.“ Der Staat garantiere auch weiterhin für alle Beiträge und Zulagen. Wie der hohe Bürokratieaufwand und die geringen Ertragsaussichten der Riester-Rente verbessert werden sollen, darüber grübelt die Ministerin noch, immerhin stellte sie Reformen für mehr Sparanreize in Aussicht.

Vier Maßnahmen für mehr Riester-Rente

Bis es so weit ist, sollten Riester-Sparer versuchen, die Ausbeute ihrer geförderten Altersvorsorge zu erhöhen. Vier Maßnahmen zur Ertragssteigerung bieten sich an:

1. Einzahlungen optimieren: Zahlen Sie die geforderten vier Prozent in den Riester-Vertrag ein. Das bedeutet zwar größere Sparanstrengungen, bringt aber mehr Fördergeld. Folge: Erstens steigen Ihre Rentenaussichten, zweitens halten die höheren Fördergelder den zu leistenden Eigenbeitrag in Schach. Unterm Strich verbessert dies die Nettorendite Ihres Riester-Eigenbeitrags.

2. Änderungen im Familienumfeld melden: Vergessen Sie nicht die Geburt eines Kindes Ihrem Riester-Anbieter zu melden. Denn ab dem Zeitpunkt der Geburt zahlt der Staat 300 Euro Kinderzulage pro Jahr!

3. Steigen Sie um! Sind Sie noch jung, dann sollten Sie von einem renditearmen Riester-Banksparplan oder einer klassischen Riester-Rentenversicherung in einen chancenreichen Riester-Fondssparplan wechseln. Der Umstieg kostet zwar Gebühren, da Fondssparpläne jedoch die Renditechancen der Kapitalmärkte nutzen, steigen Ihre Aussichten auf einen ordentlichen Ertrag im Alter. Positiv: Trotz Börsenrisiken sind sämtliche Einzahlungen und Zuschüsse zu Rentenbeginn garantiert.

4. Eigenheimkauf mit Riester: Besitzen Sie einen Riester-Sparvertrag und möchten diesen nicht mehr weiter besparen, dann können Sie das Kapital entnehmen und damit ein Eigenheim erwerben. Vorteil: Das Riester-Vermögen erhöht ihr Eigenkapital. Dies kann unter Umständen den Eigenheimerwerb überhaupt erst ermöglichen, außerdem brauchen Sie weniger Baudarlehen aufzunehmen. Folge: Der Hauskauf wird billiger und die Tilgungsdauer sinkt. Im Alter profitieren Sie dann von der eingesparten Miete.


Tipp: Stellen Sie den geplünderten Riester-Vertrag beitragsfrei, damit Sie die Fördergelder nicht zurückzahlen müssen. Eine andere Möglichkeit ist, den Vertrag als Wohn-Riester-Darlehen weiterzuführen und somit weiterhin Fördergeld zu kassieren.

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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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