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01.10.2012 13:02

Auslandsaufenthalt von Kindern Kein Kindergeld ohne Bildung

von Rolf Winkel Autor
Für volljährige Kinder unter 25 Jahren erhalten Eltern in der Regel Kindergeld. Damit dies auch bei einem Auslandsaufenthalt - etwa als Au-Pair - der Fall ist, muss nebenher wenigstens in gewissem Umfang '"Bildung" stattfinden.
Auslandsaufenthalt von Kindern Kein Kindergeld ohne Bildung
Ein Auslandsaufenthalt sichert für sich gesehen noch nicht den Anspruch auf Kindergeld
Viele junge Erwachsene liebäugeln mit einem kürzeren oder längeren Auslandsaufenthalt. Soweit die Kinder noch im kindergeldfähigen Alter sind (also unter 25 Jahren), ist für ihre Eltern wichtig, ob sie den Anspruch auf Kindergeld für ihre Tochter oder ihren Sohn behalten. Ein Auslandsaufenthalt sichert für sich gesehen dabei noch nicht den Anspruch auf die staatliche Kinderleistung. Der Aufenthalt muss schon mit Bildung verbunden sein, hat der Bundesfinanzhof entschieden. Dabei stellten die obersten Finanzrichter Grundsätze auf, in welchen Fällen Eltern bei einem Auslandsaufenthalt ihres Kindes Kindergeld zusteht. Es muss sich nicht um eine staatlich geregelte Ausbildung handeln, auch ein bestimmtes Berufsziel muss nicht angestrebt werden. Als Berufsausbildung im Sinne des Kindergeldrechts zählt der Auslandsaufenthalt vielmehr auch,
  • wenn eine Ausbildungs- oder Prüfungsordnung zwingend einen Auslandsaufenthalt von bestimmter Dauer vorschreibt; Art und Umfang des Fremdsprachenunterrichts müssen durch die Ordnung nicht vorgeschrieben werden,
  • wenn der Auslandsaufenthalt der Vorbereitung auf eine Fremdsprachenprüfung dient, deren Ablegen in einer Prüfungs- oder Ausbildungsordnung vorgeschrieben ist,
  • wenn das Kind an systematischem Sprachunterricht um Umfang von mindestens zehn Stunden in der Woche teilnimmt.

Weniger als zehn Stunden Sprachunterricht: Kindergeld verwehrt

Im vom BFH konkret entschiedenen Fall ging es um eine 20-jährige Tochter, die nach dem Ende ihrer Schulausbildung für elf Monate als Au-Pair nach England gegangen war. Sie hatte hier nur weniger als zehn Stunden pro Woche Englisch-Unterricht an einem College. Die sprachliche Unterweisung durch ihre Gastmutter erkannte das Gericht nicht als „theoretisch-systematischen Fremdsprachenunterricht“ an – zumal diese auch keine Lehrqualifikation hatte. Die Folge: Das Kindergeld für die Zeit im Ausland wurde verwehrt. Das gilt in der Regel auch, wenn es Unter-25-jährige nur zum „Work & Travel“ in ferne Länder zieht. Ohne einen Sprachkurs von mindestens zehn Stunden pro Woche fällt das Kindergeld flach (Az.: III R 58/08).

Kindergeld sichern: Bewerbungsabsagen vorlegen

Daneben gibt es noch eine andere Möglichkeit, weiterhin Kindergeld zu bekommen. Wer – egal ob im In- oder Ausland – eine Berufsausbildung aufnehmen will, diese aber wegen eines fehlenden Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen kann, ist weiterhin kindergeldberechtigt. Die ernsthaften erfolglosen Bemühungen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz müssen dann aber nachgewiesen werden – zum Beispiel durch Absagen auf Bewerbungen. Bei Kindern, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr im Ausland ableisten, müssen sich die Eltern übrigens keine Sorgen um das Kindergeld machen. Es wird für Unter-25-Jährige weitergezahlt.
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Foto: Peter Bernik / Shutterstock.com ID:7373
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