Nach der Kündigung Sechs Tipps rund um die Arbeitsbescheinigung

Arbeitsbescheinigung So reagieren Sie nach der Kündigung

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
12.09.2016
Auf einen Blick
Wer seinen Job verliert, dem steht in der Regel Arbeitslosengeld I zu. Ob und wieviel die Arbeitsagentur zahlt, hängt entscheidend auch vom vormaligen Arbeitgeber ab.
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Nach Paragraf 312 des dritten Sozialgesetzbuchs müssen Arbeitgeber, wenn ein Beschäftigungsverhältnis endet, alle Tatsachen bescheinigen, die für den Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG I) "erheblich sein können". Dafür gibt es bei den Ämtern vor Ort oder unter www.arbeitsagentur.de das Formular "Arbeitsbescheinigung".

Nicht nur regelmäßiges Arbeitsentgelt zählt

Hier muss unter anderem das Arbeitsentgelt der vergangenen zwölf Monate angegeben werden. Auf dieser Grundlage wird in der Regel die Höhe des ALG I berechnet. Misslich dabei: "Oft tragen Arbeitgeber hier nur das regelmäßige Arbeitsentgelt ein", weiß Martin Künkler von der Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen.

Einmalzahlungen wie Urlaubsgeld, das 13. Monatsgehalt oder auch Gratifikationen und Gewinnbeteiligungen, die der Arbeitgeber gewährt hat, fallen so unter den Tisch. "Unterm Strich fällt deshalb das ALG I mitunter um 100 Euro oder mehr zu niedrig aus", so Künkler.

Letzte 24 Verdienst-Monate angeben

Im Standardfall zählen für das ALG I die Einkünfte der vergangenen zwölf Monate - und nur danach wird im Formular gefragt. Häufig mussten Arbeitnehmer aber im Jahr vor dem Jobverlust schon deutliche Verdiensteinbußen hinnehmen. In diesem Fall sollte der Arbeitgeber immer die Einkünfte der vergangenen 24 Beschäftigungsmonate angeben. Das ALG I fällt dann nämlich meist höher aus.

Privileg Teilzeit

Wer zuletzt nur Teilzeit gearbeitet hat, in den vergangenen dreieinhalb Jahren jedoch mindestens sechs Monate lang eine volle Stelle hatte, für den kommt es bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes sogar auf die Einkünfte der vergangenen 42 Monate an. Das ALG I wird dann gegebenenfalls auf Basis eines fiktiven Vollzeit-Entgelts berechnet.

In diesem Fall sollte der Arbeitgeber die Beschäftigungszeiten der vergangenen 42 Monate auf einem Zusatzblatt bescheinigen. Die Beschäftigungszeit mit längerer Arbeitszeit muss man bei Frage sechs in der Arbeitsbescheinigung eintragen.

Sperrzeit verhindern

In Frage fünf geht es um Angaben zur "Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses". Kreuzt der Arbeitgeber hier "vertragswidriges Verhalten" als Beendigungsgrund an, so droht dem Entlassenen eine mehrwöchige Sperre des ALG I durch die Arbeitsagentur. Betroffene sollten deshalb nachfragen, worin das vertragswidrige Verhalten bestanden haben soll.

Wer mit den Arbeitgeber-Angaben nicht einverstanden ist, sollte - so Künkler - "umgehend auf eine Korrektur drängen". Andernfalls sehe die Arbeitsagentur die Angaben des früheren Chefs als korrekt an.

Arbeitsbescheinigung frühzeitig einfordern

Die Arbeitsbescheinigung sollten sich Arbeitnehmer so früh wie möglich ausstellen lassen - möglichst noch, während sie im Betrieb tätig sind. Denn dann lassen sich Unstimmigkeiten auf kurzem Weg abklären.

Biallo-Tipp: Die Bescheinigung sollten Gekündigte stets selbst abholen und kontrollieren. Die Firma sollte sie nicht ungeprüft der Arbeitsagentur zuschicken. Inzwischen können Unternehmen die Bescheinigung der Arbeitsagentur auch online zusenden. Auch in diesem Fall sollten Arbeitnehmer darauf bestehen, zunächst einen Ausdruck des Formulars zu erhalten.

Arbeitsbescheinigung darf nicht verändert werden

Die Arbeitsbescheinigung ist eine Urkunde, zu deren Ausstellung der Arbeitgeber verpflichtet ist. Arbeitnehmer dürfen darin keine Änderungen vornehmen. Bei strittigen Punkten können sie aber gegenüber der Arbeitsagentur eine Gegendarstellung abgeben.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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